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Laptops und Tablets - gerade auch für die Lehrkräfte - gehören zum digitalen Lernen. Sie allein aber genügen bei weitem nicht, um Schule digital zu machen.

Schule

Digitalisierung benötigt Bildung

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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FDP-Gesetzentwurf für hessisches Schulgesetz stößt bei den Fachleuten auf viel Skepsis. Und die Schüler sagen, die Lehrkräfte seien unqualifiziert.

Wie nötig eine digitale Ausstattung und das Wissen um den rechten Umgang damit ist, hat die Corona-Pandemie nur allzu deutlich werden lassen. Die FDP will Digitalisierung nun im hessischen Schulgesetz festschreiben. Die Meinungen der Fachleute zu dem Vorschlag gehen weit auseinander – wenn auch alle die Digitalisierung der Schulen für erforderlich halten. Heute gibt es dazu im Landtag eine Anhörung, schriftlich liegen viele Stellungnahmen bereits vor.

Ausführlich äußern sich die Mitglieder des Chaos-Computer-Clubs. Sie begrüßen es, „digitale Plattformen zu festen Bestandteilen des Lernens“ machen zu wollen. Dies könne allerdings nur funktionieren, wenn umfangreiche Voraussetzungen geschaffen würden. Diese aber fehlten im Gesetzentwurf der FDP.

Nötig sei eine Gesamtstrategie für eine zeitgemäße Bildung mit etablierten Lehr- und Lernplattformen. Damit könnten dann auch Onlineklassen für alle Fächer und Jahrgänge eingerichtet werden, wenn dies wegen Corona nötig werde. Schüler:innen sollten dort Stoff eigenständig nacharbeiten können, fordern die CCC-Mitglieder. „Würden Online-Elemente bereits jetzt einen festen Anteil am jährlichen Curriculum beanspruchen, wäre ein Umstellen von Präsenzunterricht auf Homeschooling deutlich einfacher“, heißt es dort.

Genau das aber beunruhigt die GEW Hessen. Auch sie fordert „deutlich verstärkte Anstrengungen für den Aufbau einer öffentlichen digitalen Bildungsinfrastruktur“, zu der mehr Fortbildungsangebote und die Ausstattung aller Lehrkräfte mit Dienstlaptops gehörten.

Der Gesetzentwurf

Die FDP will das hessische Schulgesetz ergänzen. Am heutigen Mittwoch äußern sich dazu im Landtag die Experten und Expertinnen. Die Ergänzung: „Zur Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrags nutzt die Schule auch digitale Lehr- und Lernsysteme sowie Netzwerke. Sie sind regulärer Bestandteil der Unterrichtsarbeit. Im Bedarfsfall können digitale Lehr- und Lernformen an die Stelle des Präsenzunterrichts treten.

Den FDP-Vorschlag lehnt die GEW genau wie der Hauptpersonalrat ab, weil dieser digitale Lehr- und Lernformen mit dem Präsenzunterricht gleichsetze. Dies könne, befürchten GEW und Personalräte, „einem fatalen Abbau der Unterrichtsversorgung Vorschub leisten“. Doch auch die besten digitalen Ansätze könnten niemals das Lernen in der Schule, „das sinnliche Erleben und die direkte Interaktion im Unterricht ersetzen“.

Auch der Elternbund Hessen (ebh) lehnt den Entwurf ab, da dieser zu kurz greife. Aufgabe der Schule sei „Medienerziehung in weitestem Sinne“. Dafür brauchten Schulen nicht nur die technische Ausstattung, sondern vor allem pädagogische Konzepte, Lerninhalte und Methoden.

Ähnlich argumentiert die Landesmedienanstalt. Die Formulierung „im Bedarfsfall“ aus dem FDP-Entwurf sei so auslegungsfähig, dass Distanzunterricht ein zu großer Raum eingeräumt werden könne. Dafür seien weder Lehrkräfte noch Schüler:innen vorbereitet, inhaltliche Konzepte dazu lägen nicht in ausreichender Form vor.

Grundsätzliche Zustimmung zu dem FDP-Ansinnen kommt von den Lehrerverbänden VBE, AGD und dem Philologenverband. Auch der Branchenverband Bitkom begrüßt den „Schritt hin zu einer gesetzlichen Verankerung digitaler Bildung“, da Schüler:innen täglich mit digitalen Phänomenen und IT-Systemen zu tun hätten.

Das Hasso-Plattner-Institut führt an, dass die Bereitschaft von Schulen, Lehrer, Eltern und Schülern, digitale Lernumgebungen zu nutzen, existiere. Gerade in Krisenzeiten könnten sich digitale Lernplattformen als nützliches Hilfsmittel erweisen. Den Landkreis- und den Städtetag als Vertreter der Schulträger treibt indes die Sorge um, auf den Kosten der Digitalisierung sitzen zu bleiben. Der Digitalpakt des Bundes und der Länder könne nur einen Anschub leisten, laufe 2024 aus und genüge kaum, um alle Schulen mit guten WLAN-Netzen zu versorgen. Digitales Lehr- und Lernmaterial müsse wie die Bücher vom Land finanziert werden, fordern sie.

Recht trocken kommt die Landesschülervertretung zu dem Schluss, die Digitalisierung sei zwar zu begrüßen. Doch zunächst müssten erst einmal alle Lehrkräfte verpflichtend fortgebildet werden. Denn die seien im Umgang mit digitalen Medien schlicht zu unqualifiziert.

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