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Hessen: Die Vögel haben frei

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Von: Jutta Rippegather

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Auch Rotkehlchen machen sich im Moment rar.
Auch Rotkehlchen machen sich im Moment rar. epd © epd

Im Garten ist es sehr ruhig geworden. Kein Grund zur Sorge, sagen die Experten.

Wochenlang benötigte der Mensch keinen Wecker – mit dem Sonnenaufgang ging das morgendliche Konzert los. Doch jetzt sind die Vögel so gut wie verstummt, was manche Gartenbesitzer:innen verunsichert. Liegt es an der Hitze, der Trockenheit? Oder warum ist es so ruhig geworden?

Keine Notwendigkeit zu singen

Beim Naturschutzbund (Nabu) Hessen häufen sich derzeit die Anrufe besorgter Vogelfreund:innen. Dabei gibt es für dieses Phänomen eine einfache Erklärung, sagt der stellvertretende Landesvorsitzende Bernd Petri. „Der Gesang der Vögel hat zwei Funktionen: einen Partner anzulocken und das Brutrevier zu markieren.“ Beides hat sich für dieses Jahr erledigt. Kurz: Es gibt keine Notwendigkeit zu singen.

Bei den meisten Arten verlassen die Jungen ab Mitte Juli das Nest. Die Eltern müssen ihr Territorium nicht weiter mit Gesang verteidigen. „Sie haben frei“, wie es Petri formuliert. Und versichert, es bestehe kein Anlass zur Sorge.

Es gibt noch weitere Gründe dafür, dass die Gartenvögel sich derzeit rar machen. Nachdem die Jungen selbstständig geworden sind, beginnen die meisten Arten mit der Mauser. Sämtliche Federn gilt es auszutauschen – das benötigt mehrere Wochen. Während dieser Zeit sehen die Vögel nicht nur recht zerzaust aus; sondern können auch schlechter fliegen, weil die Flügelfedern ebenfalls erneuert werden. Zum Schutz vor Feinden verstecken sie sich so gut wie möglich. „Dabei entsteht leicht der Eindruck, die Vögel seien einfach verschwunden“, sagt Petri.

Nicht zuletzt spielt das Nahrungsangebot im Spätsommer eine Rolle. Jetzt gibt es auf Feld und Flur reichlich reife Früchte und Samen. Das sei genau das Richtige, um sich für den Winter oder den Zug Richtung Süden ein bisschen Speck anzufuttern. „Viele Vögel verlassen daher ihr Nistgebiet und ziehen dorthin, wo sie die besten Futterquellen vorfinden“, sagt Maik Sommerhage, Nabu-Experte für Vogelschutz. Amseln und Singdrosseln suchten jetzt Stellen mit vielen Früchten oder Beeren auf. Wer Trauben im Garten hat kann bestätigen, dass die sehr beliebt sind; dort bedienen sich diese Vögel gerne.

Spatzen und Finken finden in landwirtschaftlich geprägten Gebieten auf den Feldern einen reich gedeckten Tisch. Das Getreide ist zwar abgeerntet, doch es bleiben immer Reste liegen. Auch Meisen verlassen ihre Reviere, wenn die Jungen flügge sind, sagt der Ornithologe. Sie ziehen im lockeren Familienverband umher.

Rückkehr im Herbst

Das also sind die Gründe, warum viele Gärten auf einmal wie leergefegt wirken. Selbst in Städten sind Spatzen und Finken vor allem dort zu finden, wo sie eine größere Menge an Grassamen erwartet. Es wird noch einige Wochen dauern, bis sich die Gefiederten wieder sehen lassen werden. Erst mit den Herbstfrösten kehren die Vögel wieder in größerer Zahl in die Gärten zurück.

Wer seinen Garten vogelfreundlich gestalten will, sollte demnach nicht nur auf natürliche Futterquellen achten. Notwendig sind auch Rückzugsräume für diese sensible Zeit.

Und gerade bei der aktuellen Trockenheit empfiehlt es sich, eine Vogeltränke im Garten aufzustellen. Wichtig ist, sie immer sauberzuhalten. Der Nabu empfiehlt, das Wasser täglich zu wechseln und am besten die Tränke mit heißem Wasser zu überbrühen, um Keime abzutöten.

Auf www.nabu.de/vogelgarten gibt es mehr Tipps für einen vogelfreundlichen Garten.

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