1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Hessen: Die Türkentaube ist streng geschützt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Ein Rebhuhn (Perdix perdix) steht im Morgenlicht in einer Wiese.
Ein Rebhuhn (Perdix perdix) steht im Morgenlicht in einer Wiese. © Patrick Pleul/dpa

Bei Rebhuhn und Feldhase kommt es in der neuen Jagdverordnung zum Kompromiss. Das Urteil der Naturschützer fällt gemischt aus.

Die neue hessische Jagdverordnung ist am Montag in Kraft getreten. „Die Jagdzeiten sind an die Wildbiologie der jeweiligen Arten angepasst worden“, teilte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in Wiesbaden mit.

Für die bestandsbedrohte Türkentaube sowie die fünf in Hessen vorkommenden Möwenarten gilt ab sofort eine ganzjährige Schonzeit. Die Nilgans darf einen Monat früher im Jahr bejagt werden – ab 1. August. Bei Feldhase und Stockenten gilt bei der Jagd lediglich eine Einschränkung: Der Bestand darf nicht dezimiert werden.

Angepasste Fütterung im Wald

Geschützt ist das Rebhuhn, es sei denn, auf 100 Hektar leben mehr als 30 Paare und der Zuwachs liegt bei mehr als 250 Prozent. Zur Orientierung dient demnach das etablierte Monitoring. Die untere Jagdbehörde ist zu informieren. Außerdem schreibt die Verordnung eine „angepasste Fütterung“ vor, um Schäden im Wald und in der Landwirtschaft zu vermeiden

Das Urteil der Naturschutzverbände fällt gemischt aus: Lob gibt es für den ganzjährigen Schutz von Türkentaube und Möwen. Auf Kritik stößt der Kompromiss beim Rebhuhn. „Da hätten wir uns das Gleiche gewünscht“, sagte Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu). Die Landesregierung sei vor dem Landesjagdverband eingeknickt, urteilte Thomas Norgall, stellvertretender Geschäftsführer des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Hessen. Die Bestandsentwicklungen von Feldhase und Rebhuhn würden maßgeblich durch die Intensität der Landnutzung bestimmt. „Für den BUND Hessen bleibt ein Widerspruch, wenn das Land Hessen Feldhasen und Rebhühner einerseits mit Artenschutzmaßnahmen fördert, dann aber im Herbst der Erfolg der Maßnahmen zumindest teilweise durch Bejagung abgeschöpft werden kann.“

Landesjagdverband zufrieden

Der Landesjagdverband hingegen ist zufrieden: Seine Kernforderungen seien erfüllt

Im Zuge der Überarbeitung der Jagdverordnung wurden auch Ausbildung und Prüfung für Jagd und Falknerei angepasst. „Die Anforderungen an die Prüflinge sind gestiegen, um Tierleid bei der Jagd zu vermeiden“, sagte die Ministerin.

SPD und FDP hingegen sprechen von „Chaos“ bei der Novellierung. die Jägerschaft sei verunsichert. In einem Gespräch mit Expert:innen wollen die beiden Fraktionen jetzt den „gesamten Reformbedarf der hessischen Jagdverordnung aufdecken und dann Lösungen präsentieren“.

Auch interessant

Kommentare