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Hessen: Maskenpflicht im Unterricht entfällt vielen „zu früh“

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Von: Peter Hanack

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Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen, wie er zurzeit aussieht. Von Montag an dürfen die Masken fallen.
Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen, wie er zurzeit aussieht. Von Montag an dürfen die Masken fallen. © Michael Schick

Die Lockerung im Schulunterricht an Hessens Schulen ab Montag stößt weithin auf Kritik. Auch, wenn die Erleichterungen der Corona-Maßnahmen wünschenswert scheinen.

Wiesbaden – Von Montag (07.03.2022) an müssen Hessens Schülerinnen und Schüler im Unterricht keine Masken mehr tragen. So hat es die Landesregierung beschlossen. Lehrerverbände, Eltern und die Landesschülervertretung sehen das mit sehr gemischten Gefühlen.

„Die Aufhebung der Maskenpflicht stellt eine grob fahrlässige Gefährdung der Abschlussprüfungen dar“, sagt dazu Stefan Wesselmann, hessischer Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Die Maskenpflicht abzuschaffen, während die hessenweite Sieben-Tage-Inzidenz noch bei annähernd 1000 liege, sei „übereilt und unvernünftig“. Der VBE Hessen wünsche sich ein möglichst baldiges Ende der Einschränkungen, jedoch müsse dies vernünftig und mit Augenmaß erfolgen.

Aufweichung der Maskenpflicht an Hessens-Schulen: Osterferien wären besser

Nicht Eile, sondern Umsicht sei geboten, findet auch Reinhard Schwab, Vorsitzender des hessischen Philologenverbands. Ein „Aufflammen des Virus“ sei nicht auszuschließen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, deren Inzidenzen doppelt bis drei Mal so hoch wie die anderer Altersgruppen seien. Man habe sich deshalb zumindest an den weiterführenden Schulen bereits auf eine generelle Maskenpflicht bis zu den Osterferien eingestellt, so Schwab. Die Schülerinnen und Schüler könnten damit umgehen, sie hätten eine entsprechende Routine entwickelt.

Maskenpflicht in Schule und Unterricht

Am Montag, 7. März , entfällt an Hessens Schulen die Pflicht zum Tragen einer Maske am Platz im Unterricht. Dies gilt gleichermaßen für alle Jahrgangsstufen und Schulformen.

Die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske bleibt bestehen, wenn Schüler oder Schülerinnen sich nicht an ihrem Sitzplatz befinden. Dies gilt beispielsweise auf den Fluren oder beim Anstehen am Schulkiosk.

Freiwillig kann auch weiterhin eine Maske getragen werden.

Wer die Maske etwa auf dem Schulflur ohne triftigen Grund ablegt und trotz Ermahnung nicht wieder anlegt, muss in letzter Konsequenz die Schule verlassen.

Beim Schulsport gibt es keine Maskenpflicht. Dort sollen die Klassen in kleinen Gruppen üben oder spielen, möglichst verteilt auf dem Sportplatz oder in der Sporthalle. Die Gruppen dürfen sich dort nicht mischen. In den Umkleiden gilt wieder die Maskenpflicht.

Im Musikunterricht darf gesungen werden, auch das Spielen von Blasinstrumenten ist möglich, beides natürlich ohne Maske. Dabei ist ein Mindestabstand von drei beziehungsweise zweieinhalb Metern einzuhalten. Nach 30 Minuten muss gelüftet werden. pgh

Kritik äußert auch der hessische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Thilo Hartmann. Die Situation an den Schulen entspanne sich nur langsam. Noch immer sei die Zahl der an Corona Erkrankten sowie die Zahl der Schülerinnen und Schüler wie der Lehrkräfte, für die eine Quarantäne angeordnet worden sei, sehr hoch. Daher komme die Aufhebung der Maskenpflicht am Platz zu früh, „auch wenn sich alle wünschen, dass man auf diese Maßnahme endlich verzichten kann“, so Hartmann.

Der Elternbund Hessen dagegen begrüßt die Lockerung der Corona-Maßnahmen. Diese sei mit Blick auf die zu erwartende Abschwächung der Infektionslage in den nächsten Monaten vertretbar und stelle einen ersten, wichtigen Schritt dar, um gerade für Schüler und Schülerinnen in der Grundschule und in den ersten Klassen 5 und 6 wieder einen Präsenzunterricht unter normalen Bedingungen herzustellen.

Aufhebung der Maskenpflicht in Hessens Schulen: Kritik vom Landeselternbeirat

Etwas kritischer sieht das Volkmar Heitmann, Vorsitzender des Landeselternbeirats. Er hält die Aufhebung der Maskenpflicht für verfrüht. Diese scheine ihm erst nach den Osterferien sinnvoll, die Mitte April beginnen. Zumal viele Kinder und Jugendliche diese „klaglos“ tragen würden. Allerdings wisse er auch, dass viele Eltern die Lockerung begrüßten. Würden Masken noch länger getragen, sei es auf jeden Fall nötig, die Pausenzeiten in den Schulen noch einmal zu verlängern, „damit alle richtig durchatmen können“.

Jessica Jolene Pilz, die hessische Landesschulsprecherin, sagt: „Als Landesschüler:innenvertretung begrüßen wir die Rückkehr zum Schulalltag ohne Maske, solange dies virologisch vertretbar ist.“ Wann das der Fall sei, könnten Virolog:innen am besten einschätzen. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau hatte der Frankfurter Virologe Martin Stürmer am Mittwoch gesagt, der nächste Montag sei „definitiv der falsche Zeitpunkt, um die Masken im Unterricht abzusetzen“. Er sprach sich dafür aus, erst noch ein Absinken der Infektionszahlen abzuwarten. Angesichts der Ausbreitung der Omikronvariante BA.2 erwartet Stürmer deutlich ansteigende Ansteckungszahlen, gerade auch bei Kindern und Jugendlichen in den Schulen. Für Jessica Pilz, die Landesschulsprecherin ist aber auch klar: „Sollten die Zahlen wieder steigen, braucht es eine schnelle Reaktion, um Schulschließungen zu vermeiden.“ Schüler:innen nochmal in den Lockdown zu schicken, das dürfe keine Option sein. (Peter Hanack)

Lesen Sie zum Thema Maskenpflicht im Unterricht auch den FR-Kommentar von Peter Hanack: „Symbol Maskenpflicht“.

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