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Hessen: Die Drohne liefert die Milchtüten

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Von: Jutta Rippegather

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Der Wingcopter kommt jetzt noch Hesen. Wingcopter
Der Wingcopter kommt jetzt nach Hessen. Wingcopter © Wingcopter

Ein bundesweit einmaliges Projekt startet im Frühjahr in Südhessen. Es geht um bessere Nahversorgung auf dem Land.

Lebensmittel gehen in die Luft: Um die Versorgung der Bevölkerung in ländlichen Gebieten zu verbessern, startet im Frühjahr ein einmaliger Versuch: Eine Drohne fliegt Milchtüten, Käse, Kaffee oder auch Toilettenpapier vom Mittelzentrum in einen Ort im Odenwald – in welchen, ist noch geheim. Per Lastenrad erfolgt von dort die Zustellung zum Endkunden oder zu der Endkundin.

Bund fördert

Was sich in Afrika für medizinische Lieferungen bewährt hat, könnte auch ein Modell für hiesige Breitengrade sein. Ob die Menschen tatsächlich davon profitieren, soll in Südhessen ausprobiert werden. Drolex heißt das Projekt, das die bessere Nahversorgung in ländlichen Bereichen ausloten will. Den Beteiligten zufolge ist das Vorhaben das erste dieser Art in Deutschland. Angelegt ist es auf zwölf Monate. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr fördert es mit knapp einer halben Million Euro.

Beteiligt sind die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) und der Lieferdrohnenhersteller und -betreiber Wingcopter. Ihr Ziel: eine schnelle und zuverlässige Auslieferung von Lebensmitteln und anderen Gebrauchsgütern in ländliche Gebiete, welche die Versorgung der Bevölkerung verbessert. Geprüft werden die Erfahrungen aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht. Im Erfolgsfall soll ein nachhaltiges Geschäftsmodell entwickelt werden, das beliebig expandierbar ist. Geplanter Start der ersten Flüge im Süden Hessens ist im kommenden Frühjahr.

Ländlicher Raum

In vielen ländlichen Gegenden seien die Versorgungsmöglichkeiten durch die Schließung kleinerer, lokaler Läden stark eingeschränkt, sagt Kai-Oliver Schocke, Direktor des Research Lab for Urban Transport (Relut) der Frankfurt UAS. „Wir erwarten, dass sich durch den Einsatz von Lieferdrohnen die Anbindung des ländlichen Raums wieder verbessern lässt.“ Besonders hat er dabei mobilitätseingeschränkte Personen im Blick, etwa Ältere oder Menschen ohne eigenes Auto. Die alternative Transportmöglichkeit könnte auch wirtschaftlich und ökologisch von Vorteil sein für die beteiligten Partner.

Etwa für den regionalen Einzelhandel im ländlichen Raum, der häufig aus wirtschaftlichen Gründen keinen eigenen Lieferservice anbiete. Dank der Auslieferung per Wingcopter habe er die Möglichkeit, das Kundeneinzugsgebiet deutlich zu vergrößern. Aufgrund der Reichweite, Geschwindigkeit und Zuladungsmöglichkeiten der eingesetzten Drohnen seien auch schnelle Lieferungen in abgelegenere Orte möglich. Großer Vorteil im Vergleich zum Transport auf der Straße: Die Zustellung per batteriebetriebenem Wingcopter und E-Lastenrad erfolgt ohne Emissionen.

„Lieferdrohnenanwendungen werden sich dort durchsetzen, wo sie einen echten Bedarf bedienen und Leben verbessern“, sagt Selina Herzog, Head of Service Solution Design and Planning bei Wingcopter. Bei den medizinischen Lieferprojekten in Afrika und in anderen Teilen der Welt sei dies der Fall. „Wir sind überzeugt, dass „Drone Delivery as a Service“-Angebote auch in ländlichen Gebieten Deutschlands einen echten Nutzen für viele Menschen haben.“

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