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Hessen: Der Schwarzstorch wird geschützt

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Von: Jutta Rippegather

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Der Schwarzstorch ist scheu. Renate Hoyer
Der Schwarzstorch ist scheu. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Der scheue Vogel soll nicht unter die Windräder kommen. Deshalb schließen Land und Waldbesitzer einen Vertrag.

Der Schwarzstorch von Grünberg hat Priorität. Damit der seltene Vogel seine Ruhe bekommt, darf im Wald rund um seinen Brutbaum keine Forstwirtschaft stattfinden. Die Jagd ist dort zwischen September und 15. Februar ebenfalls tabu. 200 Meter Radius sind zu diesem Zweck in dem sogenannten Horstvertrag festgelegt, den Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Mittwoch in der mittelhessischen Stadt vorstellte. „Mit der Ausweisung von Schutzzonen sorgen wir dafür, dass der Schwarzstorch ungestört brüten kann“, sagte die Ministerin. Es gehe um die Vereinbarkeit von Klimaschutz und Bewahrung der Artenvielfalt. „Deshalb sorgen wir dafür, dass windkraftsensible Arten wie der Schwarzstorch in Hessen besser geschützt werden.“ Der Vogel mit dem dunklen Gefieder soll nicht unter die Windräder kommen.

Zwei Prozent Vorrangfläche

Er profitiert von einer Vereinbarung, die die Landesregierung vor mehr als einem Jahr mit den Naturschutzverbänden abgeschlossen hatte. Demnach stellt Hessen zwei Prozent der Landesfläche vorrangig zur Nutzung der Windenergie zur Verfügung. Für besonders sensible Arten wie Schwarzstorch, Rotmilan oder Bechsteinfledermaus gibt es ein Hilfsprogramm, das auch außerhalb der Windenergievorrangflächen ein besonderes Augenmerk auf sie legt. Dazu gehören auch der Wespenbussard und die Waldschnepfe.

Mehr als die Hälfte der Schwarzstorchhorste in Hessen sind laut Umweltministerium bereits gesichert: 25 Schutzzonen gibt es im Staatswald, zehn weitere im Körperschafts- und Privatwald. 13 Brutbäume bekannter Paare liegen in sogenannten Naturwaldentwicklungsflächen im Staatswald, wo ohnehin keine Forstarbeiten stattfinden.

Schwarzstorch

Der scheue Vogel lebt in großen, alten und störungsarmen Laub- und Mischwäldern. Er benötigt außerdem Bäche, Flüsse, Teiche oder Moore in der Nähe.

Seine große Horste baut er bevorzugt in den Kronen alter Bäumen. Nahrung sucht er sich häufig an Gewässern, in denen er Frösche und Fische fängt. Er lebt sehr zurückgezogen und kreist häufig im Segelflug hoch oben am Himmel.

Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland nur noch zehn bis zwanzig Paare. Dank intensiven Schutzes hat sich der Bestand wieder auf 800 bis 900 erholt. jur

Im Grünberger Staatsforst vermehrt sich der Schwarzstorch Beobachtungen zufolge mindestens seit dem Jahr 2010 erfolgreich. Die Bürgerinnen und Bürger seien stolz auf ihren „Göttervogel“, sagt Rathauschef Marcel Schlosser (CDU). Anfang Juli hatte die im Landkreis Gießen liegende Stadt einen vorläufigen Vertrag zur Etablierung einer Horstschutzzone unterzeichnet. Dieser wurde am Mittwoch in Beisein der Umweltministerin und des hessischen Waldbesitzerverbands um zehn Jahre verlängert.

Vertrag mit Eigentümer:innen

Grundlage ist ein Rahmenvertrag zwischen den Eigentümer:innen des Forsts, kommunalen Spitzenverbänden und dem Land, sagte der Präsident des Waldbesitzerverbands, Carl Anton Prinz zu Waldeck und Pyrmont. Nur so könnten die Eigentümerinnen und Eigentümer eine solches Projekt unterstützen und trotzdem wirtschaftlich arbeiten. „Wir begrüßen es sehr, dass die hessische Umweltministerin an dieser Form der Zusammenarbeit beim Naturschutz mit uns festhält und so kommunale wie private Waldbesitzer in die Lage versetzt, seltene Arten nachhaltig zu schützen.“

https://umwelt.hessen.de

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