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Herbert Würth ist Sprecher des Aktionsbündnisses „Castor stoppen“.

Anti-Atomkraft-Bewegung

„Der Castor-Transport ist gerade jetzt unverantwortlich“

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Herbert Würth vom Aktionsbündnis „Castor stoppen“ spricht im Interview über die Gefahren des Atommülls und einen schwierigen Protest in Zeiten von Corona.

Herr Würth, warum sollen die Castor-Behälter nicht nach Biblis kommen?

Eine sichere Lagerung von Atommüll ist in Biblis nicht möglich. Deshalb möchten wir in den sogenannten Zwischenlagern wie Biblis keine weiteren Castoren haben.

Was ist das Gefährliche daran?

Die Castoren strahlen, und auch, wenn das innerhalb der Grenzwerte liegt, kann es gesundheitliche Folgen haben. Die Zwischenlager sind zudem nur für 40 Jahre genehmigt, es ist aber abzusehen, dass bis zum Ende dieser Zeit kein Langzeitlager zur Verfügung stehen wird. Weder die Lager selbst noch die Behälter sind auf Dauer ausgelegt. Das sind in den 14 Zwischenlagern außer Neckarwestheim lauter Beton-Wellblech-Hallen.

Der Atommüll aus Sellafield ist ja deutscher Atommüll und muss zurückgenommen werden. Kann man den einfach in England stehen lassen?

Ja, natürlich, man kann ihn in Sellafield lassen, bis man weiß, wo und wie eine Langzeitlagerung erfolgen soll.

Stehen sie da so viel besser?

Zur Person

Herbert Würth (65) ist seit vielen Jahren in der Anti-Atomkraft-Bewegung aktiv. Er ist einer der Sprecher des Aktionsbündnisses „Castor stoppen“. Dem bundesweiten Bündnis gehören zahlreiche Organisationen an. Mahnwachen anlässlich des Castor-Transports sind in Nordenham, Bremen, Oldenburg, Hannover, Göttingen und Biblis geplant.
Weitere Informationen gibt es unter www.castor-stoppen.de

Nicht unbedingt. Aber immerhin ist der Standort dort als militärischer Bereich gesichert. Zudem halten wir den Rücktransport für unverantwortlich, gerade jetzt. Auch wenn es eine Verpflichtung gibt, den Müll zurückzunehmen, was wir nicht bestreiten, ist der Zeitpunkt doch willkürlich politisch festgelegt. Jeder Transport ist ein Sicherheitsrisiko.

Weshalb halten Sie das gerade jetzt für kritisch?

Die Situation ist durch Corona sehr besonders. Generell aber gilt, dass bei einem Zugunglück ein Castor beschädigt werden könnte. Der fährt immerhin 90 bis 110 Kilometer in der Stunde. Und die Behälter werden mit nur einem einzigen Deckel transportiert.

Was verändert Corona daran?

Natürlich ist es für viele Atomkraftgegner, gerade die älteren, eine Frage, ob sie zum Protest kommen können. Wir sind davon ausgegangen, dass dieser ja schon einmal verschobene Transport dieses Jahr nicht mehr stattfindet.

Und warum jetzt doch?

Die einzige Erklärung, warum er gerade jetzt sein muss, scheint uns zu sein, dass man sich davon weniger Protest entlang der Strecke erhofft. Wir halten es für unverantwortlich, wie der Transport durchgezogen wird, auch für die vielen Polizisten, die ihn sichern.

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