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Hessen: Den Wald nicht für die Windkraft opfern

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Von: Peter Hanack

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Bei Windrädern in Wäldern ist die Vogelerkennung etwas schwieriger.
Bei Windrädern in Wäldern ist die Vogelerkennung etwas schwieriger. © dpa

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald fordert den Erhalt zusammenhängender Forstgebiete in Hessen. Gerade auch wegen des Klimawandels.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mahnt, mit dem Bau von Windkraftanlagen im Wald zurückhaltend zu sein. Hinter dem politischen Ziel, Deutschland nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine energieautark zu machen, dürften der Artenschutz und der damit verbundene Verlust an Biodiversität nicht zurückstehen, schreibt der Landesverband Hessen in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme.

Es sei dringend notwendig, den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich zu reduzieren, heißt es dort. Deshalb stehe die Schutzgemeinschaft (SDW) hinter der Energiewende und dem Ausbau der regenerativen Energien. Dabei dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden, dass es neben der Klima- und Energiekrise auch einen dramatischen Verlust der Artenvielfalt gebe.

Zusammenhängende Gebiete schützen

Windkraftanlagen sollten deshalb nur dort gebaut werden, wo dies naturverträglich möglich sei, so die Schutzgemeinschaft. Das schließe Windenergie im Wald nicht grundsätzlich aus. Allerdings dürften großräumige Waldbereiche nicht durch Rotoren, deren Zufahrtswege und Versorgungstrassen zerschnitten werden. Diesen zusammenhängenden Waldgebieten komme gerade in Zeiten des Klimawandels und des Biodiversitätsschwundes eine besonders wichtige Bedeutung zu.

„Derartige Wälder erfüllen auf Grund ihrer Größe und ihres räumlichen Zusammenhangs wichtige klimatische Funktionen“, heißt es in der Stellungnahme. Sie fungierten als Wasserspeicher, dämpften in Hitzesommern die extremen Temperaturen, könnten dazu beitragen, Wohngebiete zu kühlen und seien zudem wichtige Rückzugsräume für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.

Bereits im Jahr 2018 hatten der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), der World Wide Fund for Nature (WWF) sowie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt angeregt, in Hessen 25 Großschutzgebiete einzurichten. Diese sollten vor einer weiteren Zerschneidung und Zerstörung geschützt werden, lautete die gemeinsame Forderung.

Waldschützer

Die Haltung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (Landesverband Hessen) zur (Un-)Vereinbarkeit von Windenergie-Anlagen in Waldgebieten ist in einem entsprechenden Positionspapier ausformuliert. pgh

Zu finden ist das Positionspapier unter www.sdwhessen.de

Laut SDW hat das Vorkommen sogenannter windkraftsensibler Arten wie etwa Rotmilan, Schwarzstorch oder verschiedener Fledermausarten dazu geführt, dass Windparks in der Vergangenheit erfolgreich beklagt wurden. Die Landesregierung ermögliche es aber durch Ausnahmegenehmigungen, in den sensiblen Bereichen Windräder zu errichten, wodurch Tiere getötet würden, was die Schutzgemeinschaft kritisiert.

Aktuell führt die SDW deshalb Klagen gegen zwei Windkraftstandorte, einen im Landkreis Kassel und einen im Main-Kinzig-Kreis. Dabei geht es vor allem um den Artenschutz.

45 neue Windräder

Vergangene Woche hatte die schwarz-grüne Landesregierung mitgeteilt, dass sich in Hessen bald 45 neue Windkraftanlagen drehen werden. So viele wurden in den ersten neun Monaten des Jahres genehmigt – deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Insgesamt waren damit Mitte des Jahres in Hessen 1162 Windkraftanlagen in Betrieb.

Zugleich wies die Landesregierung auf die zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen um den Ausbau der erneuerbaren Energien hin. So liefen zur Jahresmitte gegen 74 bereits genehmigte Anlagen Klageverfahren.

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