Ein Pixi-Buch erklärt den 
hessischen Landtag.
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Ein Pixi-Buch erklärt den hessischen Landtag.

Bildung

Demokratie für Anfänger

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Der Landtag richtet seine politische Bildung neu aus. Für die Kleinsten gibt es ein Pixi-Buch.

Die Vierjährigen bekommen einen Forscherausweis. Damit ausgestattet müssen sie an verschiedenen Stellen Aufgaben lösen und lernen dabei etwas über Demokratie: „Abenteuer Stadtschloss“ heißt das Format, mit dem der Hessische Landtag schon die Jüngsten für Landespolitik interessieren möchte.

Die Schnitzeljagd im Landtagsdomizil ist Teil einer Offensive, mit der Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) die politische Bildung ausweiten will. Schon die Jüngsten sollen an das Thema herangeführt werden. Es gibt neue digitale Formate und sämtliche Schulformen sind jetzt berücksichtigt. „Bislang sind unsere Angebote sehr stark auf den Gymnasialbereich ausgelegt“, räumte Rhein am Freitag bei der Vorstellung der Angebote, zu denen auch ein Pixi-Buch gehört, ein.

Ein Film, der Besuch des Plenums, anschließend das Gespräch mit Abgeordneten. So sah bisher der Ablauf eines Standardbesuchs für Schulklassen aus. Der Austausch mit den Landespolitikern sei meist das Highlight für die jungen Leute, sagte Rhein. Davon sollen sie künftig mehr bekommen. Nicht nur in Wiesbaden, sondern überall in Hessen. Die Abgeordneten kommen in die Schulen in ihren Wahlkreise. Worüber sie sprechen, bestimmen die Schüler selbst.

Keine Besuche im Landtag

Wegen der Corona-Pandemie dürfen bis Jahresende keine Besuchergruppen in den Landtag kommen. Umso wichtiger werden die neuen Online-Planspiele, die virtuellen Spiele und Erklärvideos, die Rhein am Freitag vorstellte. Ein Politikkurs der zwölften Klasse in Gießen hat bereits eines getestet. Jedem Schüler wurde ein bestimmter Politikertyp zugeordnet, dessen Haltung er in der Videokonferenz mit den Kollegen verteidigen musste. Das Thema: Gesundheitsschutz versus Freiheitsrechte in Zeiten der Corona-Pandemie. Das Szenario: Ein Gesetzentwurf sieht die Kontrolle per App oder Drohne vor.

Verantwortlich für das Konzept zeichnet die langjährige Leiterin des Kulturamtes der Stadt Kassel, Dorothée Rhiemeier. Seit Dezember leitet sie den Fachbereich Politische Bildung im Landtag. Rhein hält das Ausweiten und Modernisieren der Angebote für zwingend notwendig. Eine „diffuse Politikverdrossenheit“ greife bei jungen Leuten immer mehr um sich. Zu beachten sei „eine Art Gleichgültigkeit gegenüber dem System und den Institutionen wie Parlamenten“. Das Interesse nehme ab, gleichzeitig komme es zu „problematischen gesellschaftlichen Entwicklungen wie Extremismus und Ablehnung unserer demokratischen Grundordnung“. Die Ereignisse in Belarus zeigten einmal mehr, dass Demokratie die einzige Staatsform, die es den Menschen ermögliche, sich frei zu entfalten. „Das müssen wir mit politischer Bildung vermitteln“, so der CDU-Politiker. Für ihn sei dies die erste Aufgabe des Parlaments.

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