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Lernen in der Schule geht nur mit Lüften. Zuhause aber bleibt häufig viel Lernstoff liegen.
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Lernen in der Schule geht nur mit Lüften. Zuhause aber bleibt häufig viel Lernstoff liegen.

Interview

„Das Aufholen von Lernstoff muss möglichst bald starten“

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Reinhard Schwab vom Philologenverband ist gegen Ferien-Lerncamps in Hessen, wie es sie im vergangenen Jahr gab. Und das hat nichts mit Urlaubswünschen der Lehrkräfte zu tun.

Herr Schwab, Sie wollen nicht, dass die Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler in den Ferien aufgearbeitet werden, wie das im vergangenen Jahr mit den Feriencamps und der Sommerakademie in Hessen ja schon einmal der Fall war. Warum nicht auch in diesem Jahr?

Schüler haben über das Jahr hinweg ihren Lernrhythmus und wenn Ferien eingeläutet sind, dann sind sie auch im Ferienmodus. Wenn man sie dann in ein Feriencamp schickt, suggeriert man Spiel, Spaß, Sport, Zerstreuung. Erfahrungen aus dem letzten Jahr bestätigen dies.

Kann man denn sagen, wie groß die Lücken sind?

Das lässt sich nur äußerst schwer quantifizieren. Aufseiten der Lernenden ergeben sich Lücken in Abhängigkeit vom Lernstand und auch von den häuslichen Lernbedingungen. Und die sind sehr unterschiedlich.

Wenn also nicht in den Ferien, wann soll dann all das Versäumte nachgelernt werden?

Reinhard Schwab (67) ist ausgebildeter Gymnasiallehrer und seit November 2019 der Landesvorsitzende des Hessischen Philologenverbandes.

Die Kompensation soll im regulären Schuljahr erfolgen, eventuell durch ein Aufstocken der Unterrichtsstunden vor allem in den Hauptfächern.

Wie soll man diese zusätzlichen Stunden in den normalen Stundenplan hineinbekommen?

Dafür wird man sicher in den Nachmittag hineingehen müssen, wo der Stundenplan noch nicht so gefüllt ist und auch Räume zur Verfügung stehen. Hin und wieder mag das auch zulasten von sogenannten Orchideenkursen oder Arbeitsgemeinschaften gehen, aber das ist angesichts der prekären Lage zu vertreten.

Und wo sollen die Lehrkräfte herkommen, die diesen Unterricht übernehmen können? Haben wir nicht ohnehin einen Lehrermangel?

Dafür muss das Kultusministerium zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen. Den Lehrermangel gibt es partiell, betroffen sind dabei vor allem Fächer wie etwa Physik und Kunst. Auf den gymnasialen Ranglisten findet man durchaus ausgebildete Pädagogen, auch auf Referendare kann man zurückgreifen. So kann man das Nachlernen an den regulären Unterricht anbinden, um inhaltlich möglichst nahtlos anzuschließen. Denkbar ist notfalls auch, Lehrkräften freiwillige Mehrarbeit zu bezahlen.

Wann könnte das Aufholen des versäumten Lernstoffs beginnen?

Möglichst noch vor den Osterferien, jedenfalls so schnell wie möglich. Am besten natürlich in den Schulen, wenn das Pandemiegeschehen das zulässt.

Und Ihre Ablehnung von Nachlernangeboten in den Ferien hat nichts damit zu tun, dass Sie und Ihre Kolleg:innen da lieber Urlaub machen wollen?

Ja, ja, da zitieren Sie ein gängiges Klischee. Ich kenne keine Kollegin, keinen Kollegen, die die ganzen Ferien Urlaub machen. Viele Lehrkräfte gehen in die Ferien mit Stapeln von Korrekturen. Die sechs Wochen Sommerferien sind zwar eine erfreulich lange schulfreie Zeit, aber auch da gilt es zum Ende hin Vorbereitungen für das neue Schuljahr zu treffen, Nachprüfungen zu organisieren, Schulleitungen planen das neue Schuljahr. Schauen Sie den Lehrkräften mal kurz vor den Ferien ins Gesicht, da fragt man sich, wo die Kraft geblieben ist. Viele sind gerade derzeit durch das Nebeneinander von Präsenz- und Distanzunterricht sehr belastet.

Interview: Peter Hanack

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