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Ein Hausarzt berät eine Patienten in seiner Videosprechstunde.
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Ein Hausarzt berät eine Patienten in seiner Videosprechstunde.

Hessen

Hessen: Corona liefert Rückenwind für die digitale Medizin

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Die Pandemie hat vielen die Vorteile von E-Health vor Augen geführt, sagen Experten. Datenschutz dürfe nicht verabsolutiert werden.

Das zähe Ringen um die Corona-App, die Zettelwirtschaft in den Gesundheitsämtern: Bei der Digitalisierung der Medizin hat die Republik sehr viel nachzuholen. Während elektronische Rezepte oder Videosprechstunden in Dänemark oder Island schon vor Jahren Einzug hielten, hinkt Deutschland hinterher.

In der Corona-Pandemie hat der Einsatz neuer Techniken jedoch an Tempo zugelegt. Da ist sich die von Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) eingeladene Expertenrunde einig. Und auch darin, dass Kranke davon profitieren können. Um den Rückenwind nutzen zu können, müssten die Skeptiker überzeugt werden und die Patientinnen und Patienten mitgenommen werden. Dabei bleibt das größtes Hemmnis die Sorge, dass Unbefugte Zugriff auf die Krankenakten erhalten könnten.

„Datenschutz ist sinnvoll, aber nicht zu verabsolutieren“, sagt Karl-Heinz Streibich, Präsident der „acatech“, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, und Mitglied des Rats für Digitalethik. Das Recht auf den Schutz von Leben und Gesundheit wiege mindestens ebenso viel.

„Viele Menschen sehen jetzt den Nutzen der Digitalisierung.“ Diese Offenheit gelte es zu nutzen, um das Projekt europaeinheitlicher Standards voranzutreiben. Mit der elektronischen Patientenakte als „Herzstück“, die einen aktuellen Informationsaustausch zwischen den Behandelnden ermöglicht.

Grenzen beachten

Ein dickes Brett, an dem seit Jahren gebohrt wird. Keine Zukunftsmusik mehr ist der Einsatz digitaler Helfer in der Behandlung. Er erspart Patient:innen wie Ärzt:innen lange Wege, ermöglicht eine engmaschigere Kontrolle. Keywan Sahrobi, Arzt und Professor für Medizinische Informatik an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen, hat Anwendungsbeispiele mitgebracht.

Das erste Projekt ist das Messen von Atemnot in der Schlafmedizin, die meist zwischen 4 und 7 Uhr morgens auftritt. „Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto besser ist das Verständnis für den Patienten“, sagt Sahrobi.

Zwei aktuelle Forschungsprojekte in Gießen betreffen die Kindermedizin: Das eine soll die Überwachung von Schädeldeformationen bei Babys verbessern. Das zweite die von Säuglingen und Kleinkindern, die an einer speziellen Entzündung der oberen Atemwege leiden.

„Mit E-Health-Technologien können wir zum Beispiel Eltern unterstützen, Kinder mit Pseudokrupp besser zu beobachten und einzuschreiten, bevor es zu anfallartigem Husten und Atemnot kommt“, sagt Professor Sahrobi und betont: „Wir ersetzen mit unseren Anwendungen nicht den Arzt. Wir machen Diagnose, Beobachtung und Behandlung aber deutlich sicherer, zuverlässiger und einfacher und können Eltern und anderen Angehörigen dadurch einen Teil ihrer Sorgen nehmen.“

Denn selbst die modernste Technik hat ihre Grenzen, so die Erfahrung von Susanne Springborn, Fachärztin für Allgemeinmedizin. Sie nutzt schon seit 2018 E-Health-Technologien in ihrer Praxis in Wiesbaden-Breckenheim. Ihre Erfahrungen mit der Videosprechstunde sind positiv: „Sie spart Zeit, Geld und Aufwand“, sagt die Ärztin. „Die Patienten finden eine Sprechstunde in der eigenen Wohnung sehr angenehm – vor allem, wenn man nicht mehr so mobil ist.“

Aufklärung nötig

Geschulte Praxisassistentinnen übernehmen die Hausbesuche, messen mit einem Spezialgerät Puls oder Blutdruck und schalten die 80 Kilometer entfernte Ärztin auf dem Tablet dazu. „Ich bin dann live dabei.“ Das funktioniere aber nur, wenn den Patienten und Patientinnen zuvor erklärt werde, was geschehe.

„Wir dürfen die Menschen nicht überfordern“, mahnt Springborn. Und sie fügt hinzu: Ärztinnen und Ärzte müssten sich immer ihrer Grenzen bewusst sein: „Wir können den kalten Schweiß eines akuten Herzinfarkts während der Videosprechstunde weder fühlen noch riechen noch sehen.“

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