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Hessen: Corona-Infizierte sollen im Krankenhaus arbeiten

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Von: Jutta Rippegather

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Die FFP-2-Maske ist Pflicht für infizierte Beschäftigte.dpa
Die FFP-2-Maske ist Pflicht für infizierte Beschäftigte.dpa © Christophe Gateau/dpa

Die Uniklinik Gießen-Marburg macht wegen Personalnot eine Ausnahmen von den Corona-Regeln. Für die Beschäftigten ist das ein zusätzlicher Grund, zu streiken.

Der privatisierten Universitätsklinik Gießen-Marburg geht das Personal aus. In ihrer Not will sie auch infizierte Beschäftigte einsetzen. „Positiv getestete Mitarbeitende, die sich selbst als arbeitsfähig erklären, dürfen ausnahmsweise unter Tragung einer FFP-Maske in der Patientenversorgung eingesetzt werden“, teilte die Geschäftsführung am Mittwoch in einem Rundschreiben an die Belegschaft mit. Es liegt der FR vor. Dabei sei darauf zu achten, dass die Maske im ganzen Gebäude getragen werde. „Das Personal soll - sofern möglich - außerhalb vulnerabler Bereiche eingesetzt werden.“

Damit ging die Klinikleitung wohl einen Schritt zu weit. Am Freitag ruderte sie ein wenig zurück: „Tätigkeiten mit direktem Patientenkontakt können erst aufgenommen werden, wenn der täglich durchzuführende Antigenschnelltest (als Selbsttest) negativ ist.“ Positiv Getestete ohne Symptome seien gleichwohl als Arbeitskraft willkommen - auf Stationen und in anderen Bereichen ohne direkten Kontakt zu Patienten.

Die Klinikleitung beruft sich dabei auf einen Erlass der Landesregierung, der dies bei Ausrufen der Stufe „gelb“ ermöglicht. Nach Angaben des Chefs der Frankfurter Uniklinik, Jürgen Graf, nutzen auch andere hessische Krankenhäuser den Erlass - allerdings sind sie dabei strenger. Beschäftigte könnten nach fünf Tagen Isolation mit Mund-Nasen-Schutz wieder arbeiten. Bedingung: Sie sind symptomfrei, verbringen ihre Pausen alleine, tun dies freiwillig. Und: Ihr Antigen-Selbsttest ist negativ.

Notfallbetrieb

Mit Corona Infizierte , die sich als arbeitsfähig einstufen und symptomfrei sind erlaubt der Erlass vom 2. März bei „signifikanten Personalausfälle“ (Stufe gelb) „ausnahmsweise“ in Patientenversorgung zu arbeiten. Stets mit FFP-2-Maske und möglichst nicht im vulnerablen Bereich.

Vorausgegangen sein muss eine intensive Abstimmung mit Kliniken der Region und die Bemühung, Personal aus anderen Konzernhäusern zu tranferieren. jur

Nach Ansicht von Verdi-Gewerkschaftssekretär Fabian Dzewas-Rehm ist der Vorstoß der Geschäftsführung in Gießen und Marburg fahrlässig. „Ich hoffe, dass keiner der Aufforderung nachkommt und die Kolleg:innen und Patient:innen gefährdet.“ Mit großer Loyalität könne die Geschäftsführung ohnehin nicht rechnen. „Die Beschäftigten sind sehr unzufrieden, überlastet – da kommt viel zusammen“, erläutert Dzewas-Rehm am Freitag der Frankfurter Rundschau. Die Aufforderung, jetzt auch noch krank zu arbeiten, komme nun on top - zu dem Ärger darüber, dass der Asklepios-Konzern die Verhandlungen mit dem Land über den so genannten Zukunftsvertrag mit Beschäftigungsgarantie abgebrochen hat.

„Der aktuelle Versuch, corona-positive Kolleg:innen einzusetzen, zeigt doch, wie angespannt die Personalsituation ist.“ Überall in den Häusern seien Betten gesperrt, die Notaufnahme in Marburg habe erst jüngst nicht besetzt werden können. Die Hals-, Nasen-, Ohrenklinik dort sei seit einem Jahr dicht. Ob im Transportdienst, in der Sterilgut-Versorgung oder in der Technik – überall fehlt es an Personal, und jeder weitere Ausfall sei nicht zu kompensieren. „Deshalb fordern wir mit Nachdruck die Übernahme der Azubis sowie einen Ausschluss aller Kündigungen.“

Um dem Nachdruck zu verleihen, hat Gewerkschaft alle nicht-ärztlichen Beschäftigten für kommenden Dienstag und Mittwoch erneut dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Es ist der vierte Streik gegen weiteren Personalabbau in diesem Sommer der großen Unsicherheit. Ende des Jahres laufen neben der Übernahme der Azubis auch der umfassende Kündigungsschutz sowie ein grundsätzliches Ausgliederungsverbot aus.

Geschäftsführer Gunther K. Weiß teilte am Freitag mit, die Patientenversorgung sei dank Notdienstvereinbarung gewährleistet. „Es bleibt unabhängig von allen Verhandlungen unser gemeinsames Ziel, dauerhaft sichere und attraktive Arbeitsplätze anzubieten und zu schaffen.“

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