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Hessen: Corona-Ausbruch in der Erstaufnahme

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Von: Pitt von Bebenburg

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In der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete breitet sich das Coronavirus aus. Foto: epd
In der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete breitet sich das Coronavirus aus. © epd

Mehr als 400 Flüchtlinge sind in den hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen positiv getestet worden. Das sorgt für heftige Kritik an der Unterbringung und der Impfstrategie. Das Land schafft zusätzliche Unterkünfte.

Die Ausbreitung des Coronavirus unter geflüchteten Menschen in der hessischen Erstaufnahme hat eine Debatte ausgelöst. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Gießen vom Donnerstag sind 410 Bewohnerinnen und Bewohner betroffen. Das sind etwa neun Prozent der 4610 Ausländerinnen und Ausländer, die in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes leben.

Vor zehn Tagen hatte die Zahl der Betroffenen noch bei 191 gelegen. Innerhalb dieser Zeitspanne hat sie sich damit mehr als verdoppelt. Immer wieder in den vergangenen Monaten hatte es Warnungen vor einem größeren Ausbruch gegeben.

Bedingungen „unhaltbar“

Die Bedingungen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Gießen seien unhaltbar geworden, kommentierte die flüchtlingspolitische Sprecherin der SPD im hessischen Landtag, Nadine Gersberg. Die Gießener SPD-Abgeordnete Nina Heidt-Sommer fügte hinzu, es sei für die Bewohner:innen nicht möglich, ausreichenden Abstand voneinander zu halten. Verschiedene Zimmer seien nur durch Vorhänge getrennt und nach oben hin offen, wodurch kein Schutz vor Aerosolen gewährleistet werden könne. „Dass jetzt hier die massiven Ausbrüche geschehen, ist nicht weiter verwunderlich“, stellte Heidt-Sommer fest.

In der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete breitet sich das Coronavirus aus. Foto: epd
Die Erstaufnahme in Gießen © epd

Hallen mit 100 Menschen

Die Linken-Flüchtlingspolitikerin Saadet Sönmez sieht das genauso. „Wie soll man sich auch an die Abstandsregelungen halten, wenn teilweise bis zu 100 Menschen in Leichtbauhallen untergebracht werden, wie das etwa am Standort Gießen der Fall ist?“, fragte sie.

Dabei waren die zwölf Leichtbauhallen gerade errichtet worden, um zusätzliche Unterkünfte zu schaffen und damit der Corona-Pandemie zu begegnen. Auch fünf Jugendherbergen in Büdingen, Grävenwiesbach, Kassel, Lauterbach und Limburg wurden aus diesem Grund angemietet. Das Regierungspräsidium kündigt jetzt an, drei weitere Standorte für die Unterbringung der Flüchtlinge in Betrieb zu nehmen. Damit könne man in Zeiten der Corona-Pandemie für eine „Entzerrung“ sorgen.

Zusätzliche Unterkünfte

Nach Auskunft von Pressesprecher Oliver Keßler ertüchtigt das Land Teile der Kelley-Barracks in Darmstadt, der Ray-Barracks in Friedberg sowie der Fritz-Erler-Anlage in Fuldatal-Rothwesten. Damit könnten mehr als 2000 zusätzliche Plätze geschaffen werden.

Schwieriger ist es, der Forderung von Flüchtlings- und Wohlfahrtsverbänden gerecht zu werden, die Asylsuchenden schneller auf Städte und Gemeinden zu verteilen. „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Bundesgesetzgebung keine dezentrale Unterbringung von Geflüchteten vorsieht“, hebt Keßler hervor. Dennoch versuche das Regierungspräsidium, vulnerable Personen frühzeitig den Kommunen zuzuweisen. Das betreffe Personen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus bestehe.

Kritik an Impfung mit Johnson & Johnson

Auf Kritik stößt die Impfstrategie der Landesregierung, die ankommenden Bewohner:innen mit dem Vakzin von Johnson & Johnson zu impfen. Linken-Politikerin Sönmez weist darauf hin, dass die Ständige Impfkommission diesen Impfstoff als „ungenügend“ bezeichne. „Die Quittung bekommt Schwarz-Grün nun serviert: einen Corona-Massenausbruch“, folgert sie. Auch SPD-Frau Gersberg verlangt den Einsatz der „Impfstoffe, die laut Ständiger Impfkommission am besten vor der Omikronvariante schützen“.

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