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Hessen: Corona-Abwasserüberwachung verlängert

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Von: Jutta Rippegather

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Susanne Lackner, Professorin für Abwasserwirtschaft an der TU Darmstadt ist Leiterin des Abwasser-Projekts. dpa
Susanne Lackner, Professorin für Abwasserwirtschaft an der TU Darmstadt ist Leiterin des Abwasser-Projekts. dpa © dpa

Die Wissenschaft liefert zeitnah Hinweise auf Varianten und Infektionsgeschehen. Das wird im Herbst wieder wichtig.

Das Projekt zur hessenweiten Untersuchung von Abwasser auf Varianten und Mutationen des Coronavirus ist bis Jahresende gesichert. Das Hessische Sozialministerium stellt zusätzliche Fördermittel bereit. Die Wissenschaftler:innen der Technischen Universität (TU) Darmstadt können das Auslesen der Proben aus 18 großen und kleinen Kläranlagen in Hessen fortsetzen.

Auch ein Frühwarnsystem

Seit September vorigen Jahres liefern die Darmstädter regelmäßig aktuelle Zahlen zum Auftreten besorgniserregender Varianten. Im November etwa erbrachten sie den ersten Nachweis der Omikron-Variante BA.1; die Probe stammte vom Flughafen. Sozialminister Kai Klose (Grüne) erwartet wichtige zusätzliche Erkenntnisse, insbesondere für Herbst, wenn wieder deutlich ansteigende Infektionszahlen zu erwarten seien. „Mit der Untersuchung des Abwassers können wir die Virusvariantenentwicklung für große Teile Hessens sehr gut beobachten – auch in Situationen wie der aktuellen, in der nur relativ wenige positive PCR-Tests im Labor sequenziert werden.“ Das Monitoring dient zudem als Frühwarnsystem. Bis zu zwei Wochen kann es dauern, bis ein:e Infizierte:r Symptome entwickelt und sich testen lässt. Die Darmstädter Wissenschaftler:innen sind schneller.

„Die Genomanalyse von Abwasserproben kann wichtige zusätzliche Informationen über die Ausbreitung von Mutationen und Varianten liefern“, sagt Susanne Lackner, Projektverantwortliche des Fachgebiets Wasser- und Umweltbiotechnologie an der TU Darmstadt. Bereits im Mai sei das Team auf erste Hinweis auf die neuen Varianten BA.4 und BA.5 gestoßen. Zur aktuellen Lage sagt sie: „Wir sehen eine zunehmende Ausbreitung vor allem von BA.5 in Hessen und konnten schon im Juni in allen Kläranlagen bis zu 50 Prozent BA.4 und BA.5 nachweisen.“ In den nächsten Monaten werde der Fokus weiter auf der Beobachtung der Ausbreitungsdynamik bekannter oder neuer Varianten liegen. Gesundheitswesen und Bevölkerung erhielten dadurch zeitnah Informationen über Veränderungen im Infektionsgeschehen.

Gesundheitsämter werden informiert

Begleitet wird das Projekt von einer ressortübergreifenden Projektgruppe der Ministerien für Soziales, Wissenschaft und Wirtschaft. Das Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen wertet die Ergebnisse der Analysen epidemiologisch aus und gibt sie an die hessischen Gesundheitsämter weiter. Der Ausbau der Abwasserüberwachung ist auch Bestandteil des Pandemieradars, das Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigt hat.

Im Februar war ein auf ein Jahr befristetes und von der Europäischen Union gefördertes Projekt an bundesweit 20 Standorten angelaufen. Die Forscher:innen wollen herausfinden, welche Methode am besten geeignet ist. Am Ende der Pilotphase soll entschieden werden, ob sich in Deutschland ein flächendeckendes oder ein repräsentatives Monitoring an ausgewählten Standorten besser eignet. Auch daran wirkt die TU Darmstadt mit. Aus Hessen ist laut Sozialministerium die Stadt Büdingen dabei. Das hesssische Projekt habe nichts damit zu tun.

Ein flächendeckendes Abwassermonitoring wird bereits in den Niederlanden, Kanada und Australien praktiziert.

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