dpa_20090101_200926-90-0070
+
Parteitag mit Abstand.

CDU-Parteitag

Keine Blumen – wegen Corona

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Beim hessischen Landesparteitag der CDU ist wegen der Pandemie vieles anders als sonst. Die Partei ändert deswegen sogar ihre Satzung.

Ein Blumenstrauß für die Gattin des wiedergewählten Parteivorsitzenden – das ist üblich bei der hessischen CDU. Doch diesmal musste Ursula Bouffier darauf verzichten. „Die Hygienevorgaben erlauben es nicht, dir einen Blumenstrauß zu überreichen“, stellte CDU-Generalsekretär Manfred Pentz mit Bedauern fest. „Deshalb werde ich ihn dir in den nächsten Tagen per Post zukommen lassen“, versprach er.

Die Christdemokraten waren die erste Partei in Hessen, die einen großen Parteitag unter Corona-Bedingungen organisieren musste. CDU-Bundeschefin Annegret Kramp-Karrenbauer nahm in ihrer Videobotschaft darauf Bezug, um über diesen 115. Landesparteitag der Hessen-Union festzustellen: „Dieses Treffen heute ist so ganz anders als die anderen 114 zuvor.“

Tatsächlich fehlte vieles, was einen Parteitag normalerweise ausmacht: Aufstehen, Herumlaufen, im Foyer miteinander Kaffee trinken – all dies war den 331 erschienenen Delegierten nicht gestattet. Stattdessen saßen sie, über zwei Hallen verteilt, mit Abstand auf ihren Stühlen. Wenn Stimmzettel auszufüllen waren, bauten sie eine „Schoß-Wahlkabine“ aus orangefarbener Pappe vor sich auf. Sobald die Einsammlerinnen und Einsammler herumgingen, setzten alle ihre Masken auf.

Die wenigen Rednerinnen und Redner, die persönlich und nicht nur per Video auftraten, kamen mit Mund-Nasen-Schutz ans Mikrofon. Und ganz am Ende durfte nicht einmal die Nationalhymne mitgesungen werden, die traditionell einen CDU-Parteitag beschließt.

Das war gewöhnungsbedürftig für alle. Insbesondere die hessische FDP wird aus der Ferne genau hingeschaut haben – die CDU-Veranstaltung wurde per Livestream übertragen. Die Freidemokraten haben für ihren Landesparteitag im November, bei dem ebenfalls der Landesvorstand neu gewählt werden soll, dieselben Hallen in Willingen gebucht, in denen am Samstag die CDU tagte. Beide Parteitage sollten eigentlich schon vor Monaten stattfinden, mussten aber wegen der Corona-Einschränkungen verschoben werden.

Die Union beugte in Willingen mit einer Satzungsänderung vor für den Fall, dass Treffen dieser Größenordnung wegen der Pandemie erschwert werden sollten. Danach wird ein Notparteitag erlaubt, der sogar mit lediglich 30 Delegierten der Kreisverbände stattfinden dürfte. Das wäre weniger als ein Zehntel der üblichen Zahl. Auch auf den unteren Ebenen können Parteitage künftig mit einer geringeren Anzahl an Delegierten stattfinden als bisher erlaubt. Mit breiter Mehrheit stimmten die Delegierten für die Satzungsänderung.

Generalsekretär Pentz betonte, dass damit nicht die Tür zu willkürlichen Verkleinerungen geöffnet werde. „Das ist eine Notstandsregelung“, betonte er. Wenn die Behörden etwa Versammlungen bis zu 250 Personen erlaubten, könne ein Landesparteitag nur auf diese Zahl begrenzt werden und nicht auf 100 Personen.

Der Landesvorsitzende Volker Bouffier lobte Pentz dafür, dass er den Parteitag unter Corona-Bedingungen organisiert hatte. „Das ist eine echte Feuertaufe“, sagte Bouffier. „Was hier abgegangen ist, das war beispiellos.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare