In Willingen mussten die Delegierten auf ihren Stühlen sitzen bleiben – aber es gab auch nichts, was sie aus den Sitzen gerissen hätte.
+
In Willingen mussten die Delegierten auf ihren Stühlen sitzen bleiben – aber es gab auch nichts, was sie aus den Sitzen gerissen hätte.

Kommentar

Alle Fragen offen bei der Hessen-CDU

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Beim CDU-Parteitag in Hessen beschreibt Volker Bouffier die Krise und lobt die Politik seiner Landesregierung. Antworten auf drängende Fragen gibt er nicht. Der Kommentar.

Eine Stunde lang hat Volker Bouffier in Willingen zu seinen Parteifreunden gesprochen, doch danach waren praktisch alle Fragen weiter offen. Wie will die größte Regierungspartei auf die Existenzängste ganzer Wirtschaftsbranchen in Corona-Zeiten reagieren, die Bouffier lediglich beschrieben hatte? Wie will sie das gewaltige Defizit an digitaler Ausstattung in den Schulen und an Ideen für einen Unterricht unter Pandemie-Bedingungen bewältigen? Wie lange lassen sich die inhaltlichen Gegensätze zwischen CDU und Grünen überbrücken, die am Beispiel der Autobahn 49 überdeutlich werden?

Auch bei den Fragen, die parteiintern anstehen, blieb Bouffier alle Antworten schuldig. Wer soll nach den Vorstellungen der hessischen CDU die Bundespartei anführen? Wer soll Kanzlerkandidat werden? Wie lange will Bouffier die hessische CDU noch führen und wer soll ihm dereinst nachfolgen? Denkt er gar daran, erneut als Spitzenkandidat in die nächste Landtagswahl zu ziehen oder will er rechtzeitig vorher seine Nachfolge regeln?

In anderen Parteien wären solche Fragen engagiert debattiert worden. In der hessischen CDU hingegen gab es zur Aussprache nur eine einzige Wortmeldung.

Man diskutiert über die drängenden Fragen anscheinend lieber in kleineren Zirkeln als in der Öffentlichkeit eines Parteitags. Ein kleines bisschen Unzufriedenheit lässt sich höchstens daran ablesen, dass mehr Delegierte Bouffier ihre Stimme verweigerten als bei all seinen vorherigen Wahlen zum Parteichef. Doch er bleibt die Integrationsfigur der hessischen Union und eine große Mehrheit der Parteifreunde folgt ihm weiterhin.

FR-Autor: Pitt von Bebenburg.

So gab die Veranstaltung in Willingen letztlich nur zwei Antworten. Erstens: Es geht bei Hessens CDU weiter so mit Bouffier. Und zweitens: Parteitage sind auch unter Corona-Bedingungen machbar. Allerdings geht ihnen jegliches Flair verloren, wenn die Gelegenheit zur Begegnung und zum informellen Austausch fehlt.

Für Parteien, die debattieren wollen, wird das noch schwieriger als für die CDU. In Willingen mussten die Delegierten auf ihren Stühlen sitzen bleiben, aber es gab auch nichts, was sie aus den Sitzen gerissen hätte. Nach fünfeinhalb Stunden fuhren sie nach Hause, ohne große Impulse erhalten zu haben. Aber mit dem Gefühl, dass alles weitergehen kann wie bisher. Denn in der Krise, darauf setzt Bouffier nicht zu Unrecht, bleiben die Menschen bei der vertrauten CDU.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare