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Hessen bekommt ein neues Schulfach

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Von: Peter Hanack

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Tomaten und andere Gemüse wachsen in manchen Schulgärten in Hessen. Das neue Fach „Digitale Welt“ könnte beim Gießen helfen.
Tomaten und andere Gemüse wachsen in manchen Schulgärten in Hessen. Das neue Fach „Digitale Welt“ könnte beim Gießen helfen. © dpa

Bald gibt es „Digitale Welt“ an zwölf Modellschulen in Hessen, einen Mix aus Informatik, Ökologie und Ökonomie. Das neue Fach soll mit einem starken Praxibezug Lust aufs Lernen machen.

Nach den Sommerferien startet an zwölf Schulen in Hessen ein Versuch: Dort soll in den fünften Klassen zwei Stunden in der Woche ein neues Fach unterrichtet werden. Nach der Erprobungsphase könnte es in allen hessischen Schulen in den Stundenplan aufgenommen werden.

Hessens Kultusminister Alexander Lorz und Digitalministerin Kristina Sinemus (beide CDU) haben das Projekt am Montag vorgestellt. Informatik, Ökologie und Ökonomie sollen dort zusammen auf dem Plan stehen. So könne an konkreten Beispielen die Bedeutung der drei Bereiche deutlich werden.

Wie das geschehen könnte, machte Sinemus an einem Beispiel deutlich. So könnte im Unterricht ein Computerprogramm erstellt werden, das sowohl Unkraut als auch Krokusse erkennt. Damit könne ein Rasenmäher eine Wiese mähen, dabei die Krokusse verschonen und das Unkraut ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand entfernen.

Wenig Vorgaben, viel Innovation

Starten wird das neue Fach unter dem Begriff „Digitale Welt“. „Ob es an allen Schulen eingeführt wird, und wie es dann heißen wird, ist offen“, sagte Lorz. Es gebe vergleichsweise wenige Vorgaben an die Schulen, wie die „Digitale Welt“ aussehen solle. Die zwölf teilnehmenden Modellschulen sollten daran mitwirken, das Fach zu entwickeln. Innovative Konzepte seien gewünscht.

Es gehe, so Lorz, vor allem darum, eine informative Grundbildung zu vermitteln und gleichzeitig inhaltlich an den Themen Ökologie und Ökonomie zu arbeiten. Wichtig sei die „direkte Verzahnung“ von Theorie und Praxis. Es gehe dabei insgesamt um den „Schlüssel für die Zukunft“ – sowohl um die der Kinder und Jugendlichen als auch der Gesellschaft insgesamt.

Das neue Fach solle Spaß machen und Begeisterung wecken, so Digitalministerin Sinemus. Entwickelt wurde es zusammen mit dem Hasso Plattner-Institut in Potsdam. Dessen Direktor Christoph Meinel glaubt, dass die „Digitale Welt“ eine Lücke in den Schulen schließe. Die klassische Informatik sei zwar für viele Jungen spannend, nehme die Mädchen aber oft nicht mit. Die Verbindung mit Ökologie und Ökonomie könne das ändern. Benotet wird das Fach zunächst nicht.

Analyse nach zwei Jahren

Frühestens nach zwei Schuljahren soll die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt den Schulversuch auswerten. Dann ließe sich auch entscheiden, ob „Digitale Welt“ in Hessens Schulen zum Standard werden solle, und erst dann, so Lorz, müsse auch darüber nachgedacht werden, wo dafür im Stundenplan andere Angebote entfallen könnten.

Die Freiherr-vom-Stein-Schule in Hünfelden-Dauborn (Kreis Limburg-Weilburg) ist eine der zwölf Modellschulen. Deren Leiterin Judith Lehnert hofft, mit dem neuen Angebot möglichst alle Schüler und Schülerinnen erreichen zu können. Die Lehrkräfte kommen aus verschiedenen Fächern und haben jeweils zwei Fortbildungen durchlaufen. Nach Ansicht Lehnerts ist es für die Pädagog:innen vor allem wichtig, offen für Neues zu sein. Die für den Unterricht nötigen Kompetenzen ließen sich erwerben. Ihr schwebt als Projekt die automatische Steuerung einer solarbetriebenen Klappe am Stall der schuleigenen Hühnerschar vor.

Die hessischen Industrie- und Handelskammern begrüßen das neue Fach als „gezielte Vorbereitung auf die Arbeitswelt“. Allerdings solle dies an allen Schulen geschehen. Die FDP im Hessischen Landtag zeigte sich enttäuscht. Nötig sei ein flächendeckender Unterricht in Informatik. Ein Schulversuch genüge nicht.

Siehe Kommentar „Schule muss sich ändern - überall“

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