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Coronavirus - Covid-19 Impfcenter bei Merck
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Die Corona-Impfungen in Hessen gehen nun etwas schneller voran.

Corona in Hessen

Astrazeneca nur noch beim Hausarzt: „Inkompetenz und Dilettantismus“ beklagt

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Die Impfzentren in Hessen konzentrieren sich auf die anderen Corona-Vakzine. Die Niedergelassenen fühlen sich als Ausputzer.

Frankfurt am Main – Hessen hat die rote Laterne abgegeben. Mit einer Quote von 27,6 Prozent bei den Erstgeimpften hat sich das Land am Montag fast ins Mittelfeld vorgearbeitet - der Bundesdurchschnitt lag bei 28,7. Ein ähnliches Bild bietet sich bei den vollständig Geimpften. Die hessische Quote liegt bei 7,3 Prozent, die gesamtdeutsche beträgt laut Robert-Koch-Institut 8,1 Prozent. Damit hat die Kritik gefruchtet; die Landesregierung hat die in der vorigen Woche zugesagte Aufholjagd aufgenommen.

Verantwortlich sind mehrere Faktoren. Die Reserven für die Zweitimpfungen wurden so gut wie aufgelöst. Es gab Sonderaktionen für die Priorisierungsgruppe drei, bei denen ausschließlich Astrazeneca verabreicht wurde. Etwa in Frankfurt: „Diese Woche haben wir täglich 785 zusätzliche Impftermine, alle sind ausgebucht und werden auch wahrgenommen“, informiert Kirsten Gerstner, Referentin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Tempo nahm die Kampagne in dem Moment auf, als die Hausarztpraxen einbezogen wurden.

Astrazeneca in Hessen - „Es fallen keine Termine aus“

Der Mai hat weitere Neuerungen gebracht: Die Fachärztinnen und Fachärzte sind jetzt offiziell eingestiegen. In Vorbereitung auf den bundesweiten Beginn im Juni gibt es vier Pilotprojekte in Betrieben. Neue Regeln brachte der Monat zudem für die Verwendung von Astrazeneca.

„Der Bund hat angekündigt, die Länder ab Mai nicht mehr mit dem Impfstoff von Astrazeneca für Erstimpfungen zu beliefern“, bestätigte Marcus Gerngroß, Pressesprecher im Innenministerium auf FR-Anfrage. „Einzig Zulieferungen zur Sicherstellung der Zweitimpfung sollen noch erfolgen.“ Das Corona-Vakzin solle ausschließlich über Haus- und Betriebsärztinnen und -ärzte in die Oberarme gelangen. Wer sich über die hessische „Astra60plus-Aktion“ für eine Impfung mit Astrazeneca registriert habe, werde ein anderes Vakzin erhalten, versichert Gerngroß. „Es fallen keine Termine aus.“

Corona-Impfung in Hessen: Beratungsbedarf bei Astrazeneca höher als bei Biontech

Informiert wurden die Impfzentren über die Neuerungen nach FR-Informationen nicht. Bis heute warten sie auch noch auf etwas Offizielles aus Wiesbaden zur Frage, wie sie mit der Ansage von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) umzugehen haben, dass jeder Willige Astrazeneca bekommen kann – jenseits von Alter und Priorisierungen. Was Bouffier nicht gesagt hatte: Diese Regelung gilt nur für Hausarztpraxen, nicht Impfzentren. Schnee von gestern. Jetzt bekommen die Niedergelassenen also noch mehr Arbeit. Denn der Beratungsbedarf sei bei Astrazeneca ungleich höher als bei Biontech, berichtet der Schatzmeister des hessischen Hausärzteverbands, Christian Sommerbrodt: „Wir bekommen den Impfstoff nur sehr schleppend los.“

Junge Leute, die sich impfen lassen wollten, um im Sommer in Urlaub fahren zu können, wollten genau wissen, welches Risiko sie mit Astrazeneca eingingen und wägten Vor- und Nachteile genau ab. Und das Argument, der Hausarzt kenne seine Patient:innen doch am besten, treffe nicht immer zu. Viele seien kerngesund, die habe er seit Jahren nicht gesehen. „Ich finde es etwas traurig, dass die Impfzentren sich jetzt vor dieser schwierigen Aufgabe drücken“, sagt Sommerbrodt. Im Gegensatz zu ihnen sei für seine Praxis in Wiesbaden das Impfen nur ein Nebengeschäft.

Corona-Impfungen in Hessen: „Unglaubliche Inkompetenz und Dilettantismus“

Der Vorstand der Kassenärztliche Vereinigung Hessen drückt es weniger diplomatisch aus: „Nachdem die politisch Verantwortlichen mit unglaublicher Inkompetenz und Dilettantismus diesen sonst wirklich guten Impfstoff quasi verbrannt haben, sollen es jetzt die Praxen richten“, kritisiert Frank Dastych. Ohne medizinische Notwendigkeit würden Impfeinrichtungen erster und zweiter Klasse geschaffen. „Hauptgrund ist, dass die Länder es mit den Impfzentren nicht hinbekommen.“ Sollte dies zu deren zeitnaher Schließung führen, hätte das „Debakel“ zumindest einen positiven Aspekt.

So weit will Hausarzt Sommerbrodt nicht gehen. Er schlägt vor, die Teams der Impfzentren mobil einzusetzen – etwa in Universitäten, Frauenhäusern oder Schulen. Für die Referentin des Frankfurter Gesundheitsdezernenten stellt sich die Frage derzeit nicht: „Wir brauchen das Zusammenspiel der verschiedenen Impfsäulen, um schnellstmöglich eine Herdenimmunität zu erreichen“, sagt Kirsten Gerstner. Auch ohne Astrazeneca habe das Impfzentrum in der Messe genug zu tun. Es müssten noch sehr viele Menschen geimpft werden. Und: „Wir rechnen im Mai mit mehr Impfstoff von Biontech und Moderna sowie bald auch von weiteren zugelassenen Impfstoffen wie Johnson&Johnson oder Curevac.“

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