1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Protest gegen Sparpläne: Viele Arztpraxen in Hessen bleiben am Mittwoch zu

Erstellt:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Die Kassenärztliche Vereinigung ruft zum Protest gegen die Gesundheitspolitik auf. Sie schade der ambulanten Versorgung.

Frankfurt – Wer für Mittwoch einen Untersuchungstermin hat, steht womöglich vor geschlossenen Türen: Am 26. Oktober könnte es zu großflächigen Praxisschließungen in Hessen kommen. Darauf weist die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) hin. Betroffen seien Haus- und Facharztpraxen. Patientinnen und Patienten sollten sich vorab in den Praxen informieren, ob sie sich an dem Protest beteiligten. „Im akuten Krankheitsfall stehen sonstige notfallversorgende Einrichtungen zur Verfügung.“ Gemeint sein dürfte damit der Ärztliche Notdienst unter der Nummer 116 117, der Mittwochnachmittags und am Wochenende die Vertretung übernimmt.

Hessen ist nicht allein betroffen. Auch in anderen Bundesländern gab es schon Aktionen der niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen oder es wird sie noch geben. Ihr Protest wendet sich an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), die Ampelkoalition in Berlin und den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. „Der derzeitige Kurs der Politik und Krankenkassen ist an Geringschätzung für die ambulante Versorgung nicht zu überbieten“, sagen dazu die KVH-Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych und Eckhard Starke.

Das neue Gesetz von Karl Lauterbach könnte für Patientinnen und Patienten nun eine neue positive Änderung mit sich bringen.
Die Kassenärztliche Vereinigung ruft zum Protest gegen die Gesundheitspolitik auf. (Symbolfoto) © argum/Imago

Praxen in Hessen bleiben geschlossen: Steigende Kosten für Energie, Miete und Gehälter

In der Corona-Pandemie hätten die niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen die Krankenhäuser vor der Überlastung geschützt. Doch alleine mit Lob ließen sich die steigenden Kosten, etwa für Energie, Miete und Gehälter, nicht kompensieren. Die Krankenkassen wollten den Praxen den gesetzlich zustehenden Inflationsausgleich in den kommenden Jahren verweigern. Und „mit der geplanten Streichung der Neupatientenregelung deutschlandweit sollen uns rund 400 Millionen Euro weggenommen werden“.

Den Anreiz, neue Patient:innen anzunehmen hatte vor drei Jahren Ex-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eingeführt, sein Nachfolger Lauterbach hätte ihn seinerzeit dafür gelobt, sagt KVH-Sprecher Karl Roth. Demnach werden Leistungen für die Behandlung von Patient:innen, die erstmals oder erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder in der jeweiligen Arztpraxis behandelt werden, in voller Höhe vergütet.

Arztpraxen bleiben am Mittwoch zu: Deutschlandweite Streichung der Neupatientenregelung

Diese Regelung will Berlin wieder einkassieren. Obwohl sie sich nachweislich bewährt habe, sagt Roth mit Verweis auf eine Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Demnach wurden im vierten Quartal 2021 mehr Neupatient:innen behandelt als im vierten Quartal 2019, „obwohl die ärztlichen Behandlungskapazitäten in diesen zwei Jahren eher weniger als mehr geworden sind“, wie das Zi in einer Mitteilung vom Juli meldet.

Nach Ansicht des KVH-Vorstands nehmen die Verantwortlichen Schäden an der ambulanten Versorgung in Kauf. „Vollkommen absurd ist dabei, dass nahezu täglich Landes- und Kommunalpolitiker ob der haus- und fachärztlichen Versorgungssituation in ihren Wahlkreisen bei uns vorstellig werden.“ (Jutta Rippegather)

Auch interessant

Kommentare