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Hessen: Armut in Hessen nimmt zu

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Von: Jutta Rippegather

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Der Nachwuchs soll in den Kitas betreut und nicht verwahrt werden, genügend Fachpersonal ist das A und O. Doch daran hapert es auch in der Kurstadt erheblich. dpa
Kinder sind ein Armutsrisiko. dpa © picture alliance / dpa

Knapp die Hälfte der Alleinerziehenden sind von Armut betroffen. So steht es im Landessozialbericht.

Sie können sich kein zweites Paar Straßenschuhe in passender Größe leisten, keinen Kinobesuch, keinen Internetanschluss: 3,2 Prozent der Haushalte in Hessen müssen sich erheblich materiell einschränken. Die Armutsquote liegt mit 17,4 Prozent leicht über dem der westdeutschen Länder. Das relative Armutsrisiko Alleinerziehender liegt bei 45,2 Prozent. Außerdem stark betroffen: Erwerbslose, Familien mit vielen Kindern, Menschen mit Migrationshintergrund und ohne Ausbildung. In der Gruppe der Älteren ist Armut weiblich.

Daten von 2020

Die Zahlen stammen aus dem dritten Landessozialbericht, den Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) jetzt in Wiesbaden mit Unterstützung von Expert:innen vorgestellt hat. Eine Fülle von Fakten sind auf den 300 Seiten zu finden, die auf Daten aus dem Jahr 2020 beruhen. Ein Manko, wie Melanie Hartmann kritisch anmerkte, die die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in dem Beirat vertrat, der die Umsetzung des alle fünf Jahre erscheinenden Berichts über die soziale Lage in Hessen begleitet. Auch der Zeitpunkt sei nicht der beste: In einem Jahr endet die Legislaturperiode.

Dabei zeigt der Bericht genau, wie es an vielen Stellen hakt. Etwa bei der ausufernden Bürokratie. Alleinerziehende, zu 90 Prozent Frauen, fehlt die Zeit, um die vielen Anträge auf Unterstützung zu stellen. Im Vergleich zu Frauen in Paarfamilien arbeiten sie häufiger ganztags und im Niedriglohnbereich, meist unter ihrer Qualifikation. Hoffnung setzt Anne Lenze, Professorin für soziale Arbeit an der Hochschule Darmstadt, auf die vom Bund geplante Kindergrundsicherung. Bei entsprechender Höhe könnte sie erheblich für Entlastung sorgen.

Der Bericht

Die Armutsrisikoquoten ist im Jahr 2020 in Deutschland und Hessen im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Mit 17,4 Prozent lag sie in Hessen höher, als ls in Deutschland insgesamt (16,1 Prozent) und auch höher als in den westdeutschen Länder (15,5 Prozent).

Die Armutsrisikoschwelle lag in Hessen für einen Einpersonenhaushalt 2020 bei 1194 Euro netto. Als arm gelten Haushalte mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens.

Das Zahlenwerk erscheint seit 2012 im Abstand von fünf Jahren. In der zugrundeliegenden Studie standen dieses Mal Alleinerziehende im Fokus. Der über 300 Seiten starke Bericht basiert auf den zum Zeitpunkt seiner Erstellung aktuellsten verfügbaren Daten, die nach Angaben des Ministeriums die Entwicklung bis 2020 darstellen können. Er spiegelt nicht die Folgen der Pandemie und der Energiekrise wider. dpa/jur

https://soziales.hessen.de

Profitieren würden davon nicht alleine die Familien, sondern die unter akutem Fachkräftemangel leidende Wirtschaft. Denn: Wer nicht jeden Cent dreimal umdrehen muss, macht auch mal eine Fortbildung und bleibt gesund. In der Gruppe der „erschöpften Einzelkämpferinnen“, so heißt es in dem Bericht, verfestigten sich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Der Bericht ist für Klose ein Ansporn, noch stärker in Hilfen für Eltern zu investieren. Mit dem Programm zur Gesundheitsförderung von Kindern sei bereits eine Initiative auf den Weg gebracht. Das Land unterstütze die Kommunen wesentlich beim Ausbau von Betreuungsplätzen. Das Angebot an Familienzentren als Anlaufstelle müsse erweitert werden.

Taten müssen folgen

SPD-Sozialexpertin Lisa Gnadl forderte die Landesregierung auf, den sozialen Wohnungsbau auszuweiten und gebührenfreie Bildung in Kitas und Krippen zu ermöglichen. „Sie muss endlich die Fakten ihrer eigenen Berichterstattung zum Anlass nehmen und mit einem ganz konkreten Aktionsplan Maßnahmen gegen Armut und Wohnungslosigkeit ergreifen.“ In die gleiche Kerbe schlug Yasmin Alinaghi, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Hessen: „Es müssen jetzt zügig konkrete Schritte folgen, um die Situation dieser benachteiligten Familien zu verbessern, etwa spezielle Wohnungs- und Beschäftigungsprogramme.“

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