Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Blick durch den Zaun der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) in Gießen. (Archivbild)
+
In der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) in Gießen haben sich seit Beginn der Pandemie fast 1000 Personen angesteckt. (Archivbild)

Hessen

Corona in der Erstaufnahme: Geflüchtete in Hessen besonders stark betroffen

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
    schließen

Viele Flüchtlinge leben infiziert auf engem Raum in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung. Verbände dringen darauf, die Menschen schneller auf Kommunen zu verteilen.

Gießen – Die geflüchteten Menschen in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung leben eng aufeinander. Kein Wunder, dass es dort zahlreiche Corona-Infektionen gibt. Unterstützergruppen dringen darauf, die Menschen schneller in kommunale Unterkünfte oder eigene Wohnungen zu verlegen, auch um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Doch Corona ist umgekehrt einer der Gründe dafür, warum viele in den großen Einrichtungen bleiben müssen – nämlich wenn sie zur Quarantäne verpflichtet sind.

Das hessische Sozialministerium berichtete auf Anfrage der Frankfurter Rundschau in der vorigen Woche, aktuell seien mehr als 200 Bewohnerinnen und Bewohner positiv auf den Corona-Erreger Sars-Cov-2 getestet. Exakt waren es 211 Personen. Seit die Pandemie vor gut einem Jahr begann, seien es fast 1000 Infizierte gewesen, nämlich 975 Personen.

Corona: Geflüchtete in Erstaufnahme doppelt so oft betroffen wie Gesamtbevölkerung

Das Ansteckungsrisiko in der Erstaufnahmeeinrichtung sei mehr als doppelt so hoch wie in der übrigen hessischen Bevölkerung, hat die Flüchtlingsexpertin der Diakonie Hessen, Maria Bethke, errechnet. „Wir brauchen jetzt zügige Zuweisungen und eine dezentrale Unterbringung der Menschen in den Landkreisen“, fordert sie. Das sei „integrationspolitisch sinnvoll und in der Pandemie zwecks Infektionsschutz dringend geboten“.

Bewohnerinnen und Bewohner beklagen sich, sie seien viel zu eng untergebracht und die Hygiene reiche nicht aus. So mangele es an Desinfektionsmitteln, Seife und Handtüchern. Das bestreitet die Landesregierung. „Diese Aussage trifft weder auf das Ankunftszentrum noch auf die Standorte zu“, antwortet das Sozialministerium.

Erstaufnahme Gießen: Geflüchtete berichten von unzureichenden Schutzmaßnahmen gegen Corona

Ein Bewohner, der sich in einem Sechsbettzimmer angesteckt hatte, berichtete Unterstützer:innen jedoch, dass es kein Desinfektionsmittel für die Bewohner:innen gebe. Toilettenpapier werde nicht ausgegeben, sondern befinde sich auf den Toiletten – oder eben nicht. Warteschlangen vor den Toiletten und vor der Essensausgabe seien üblich. Jetzt befinde er sich in einem Vierbettzimmer, in dem alle Bewohner positiv getestet seien.

Die Rechtsanwältin Lena Ronte aus Frankfurt schilderte, dass es erst in diesen Tagen Schnelltests vor der Aufnahme in die Erstaufnahmeeinrichtung geben solle. „Man muss sich vor Augen halten: Da werden Menschen in Mehrbettzimmern und in Kohorten bis 150 Personen untergebracht“, sagte sie. „Darunter sind schwangere Frauen und Menschen mit Vorerkrankungen, aber bislang wurde nur bei Symptomen getestet.“

Geflüchtete und das Corona-Problem: Sozialministerium verweist auf Asylgesetz

Das Sozialministerium sieht keine Möglichkeit, die Menschen schneller aus den Großunterkünften herauszulassen. Es verweist auf das bundesweite Asylgesetz, in dem die „Aufenthaltspflicht in der Erstaufnahmeeinrichtung auf bis zu 18 Monate für Alleinreisende und auf bis zu sechs Monate für Familien mit Kindern verlängert“ worden sei.

Wohlfahrts- und Flüchtlingsverbände sehen das anders. Sie zitieren einen Paragrafen, der gerade in Corona-Zeiten Bedeutung hat: Darin heißt es, die Verpflichtung zum Leben in der Erstaufnahmeeinrichtung könne „aus Gründen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge“ oder „aus anderen zwingenden Gründen“ beendet werden. (Pitt von Bebenburg)

Die Stadt Frankfurt hat vor kurzem begonnen, besonders gefährdete Gruppen, darunter auch Geflüchtete gegen das Coronavirus zu impfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare