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Häusliche Gewalt trifft Kinder und Frauen. Ein Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau schildert Erfahrungen Betroffener und gesellschaftliche Hintergründe.
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Häusliche Gewalt trifft vor allem Kinder und Frauen. Ein Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau schildert Erfahrungen Betroffener und gesellschaftliche Hintergründe.

Recherche der Frankfurter Rundschau

Häusliche Gewalt: Fehlende Plätze im Frauenhaus, Bloßstellen im Internet und Femizide

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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  • Helen Schindler
    Helen Schindler
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Häusliche Gewalt durch Partner oder Ex-Partner trifft jede vierte Frau. Auch Kinder sind besonders gefährdet. Ein Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau beleuchtet diverse Aspekte Häuslicher Gewalt – vom Mangel an Frauenhausplätzen, über digitale Gewalt bis hin zu Femiziden.

Obwohl sich Deutschland bereits seit 2018 zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) verpflichtet hat, und der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen in Deutschland seitdem ein Menschenrecht ist, wird noch immer etwa jede vierte Frau mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Und in der Corona-Pandemie sind Frauen und Kinder besonders bedroht, Gewalt zu erleben.

Die in der Istanbul-Konvention vereinbarten Ziele werden bisher nicht ausreichend umgesetzt. In Deutschland fehlen tausende Frauenhaus-Plätze, bundesweit mangelt es an Geld, die Finanzierung ist undurchsichtig und die Mitarbeiterinnen sind überlastet. Eine Recherche in Zusammenarbeit mit Correctiv.Lokal und BuzzFeed News Deutschland zeigt, was das brüchige System für die Betroffenen bedeutet.

In Hessens Frauenhäusern fehlen 800 Betten

In Hessens Frauenhäusern fehlen rund 300 Familienzimmer mit 800 Betten. Sieben von 31 Frauenhäusern gaben dort an jedem Tag, von November 2020 bis Januar 2021 an, keine freien Plätze für Frauen mit oder ohne Kinder zu haben. Bei den übrigen 24 sah es nicht viel besser aus. Expert:innen sprechen von einer „skandalösen Unterfinanzierung dieser Einrichtungen“. Die Opposition im Wiesbadener Landtag fordert daher Geld für mehr Plätze und Personal in den Frauenhäusern.

In Frankfurt und Offenbach verschärft der angespannte Wohnungsmarkt die Situation: Weil die Frauen keine eigene Wohnung auf dem freien Markt finden, bleiben sie länger als eigentlich nötig im Frauenhaus.

Häusliche Gewalt: Kontrolle mit verwanzten Kuscheltieren und Bloßstellen im Internet

Kinder sind in der Corona-Pandemie besonders bedroht. Noch zeigt sich das nicht in den offiziellen Zahlen, doch Expert:innen gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Schule als soziale Kontrollinstanz fällt zu einem erheblichen Teil in der Pandemie durch die Schulschließungen weg. Die psychischen Folgen bei Kindern, die psychische und physische Gewalt in der Familie erleben, sind enorm. Die akuten Auswirkungen können unspezifisch sein wie Schlafstörungen, Schulschwierigkeiten, Entwicklungsverzögerungen, Aggressivität und/oder Ängstlichkeit.

Die Täter finden indes auch immer stärker digitale Wege, um ihre Partnerinnen zu kontrollieren, zu unterdrücken oder bloßzustellen. Sie hacken sich in ihre Bankkonten ein, erstellen gefakte Social-Media-Profile, wo sie beispielweise Nacktfotos ihrer Ex-Partnerinnen online stellen. Auch verwanzen sie Kuscheltiere ihrer Kinder oder spüren die Frauen via installierter Spyware auf deren Smartphone auf.

Häusliche Gewalt: Viele Opfer scheuen eine Anzeige

Viele Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden, scheuen vor einer Anzeige zurück. Etwa aus Scham oder weil ihnen eingeredet wurde, selbst schuld zu sein. 1595 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt nahm die Frankfurter Polizei im Jahr 2019 auf. Gleichzeitig gab es in dem Jahr laut dem hessischen Justizministerium an Frankfurter Gerichten nur 652 Verfahren wegen häuslicher Gewalt. Hilfe bieten Organisationen wie der Weiße Ring. Lea Gärtner unterstützt dort Menschen, die Opfer wurden - in vielen Fällen auch von häuslicher Gewalt. „Es gibt Momente, wo ich die Betroffenen am liebsten direkt aus der Situation rauszerren würde“, sagt sie.

Häusliche Gewalt: Jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch ihren (Ex-) Partner

Im Extremfall führt häusliche Gewalt zum Tod. 135 Frauen wurden 2019 in Deutschland von ihrem Partner oder ehemaligen Partner getötet. Dabei handelt es sich um Femizide, also „Trennungstötungen“; denn meist erfolgt die Tötung wegen einer durchgeführten oder beabsichtigen Trennung. Doch in der Berichterstattung wird dieser Begriff nur selten genutzt, umso häufiger ist von einer „Familientragödie“ zu lesen – eine verfälschte Darstellung, wie Expertinnen sagen.

Nurdan E. ist ein Beispiel dafür. Die Wiesbadenerin wurde von ihrem Ex-Mann brutal getötet. Doch danach wurde sie zum Gesicht einer Fotoausstellung. Und Menschen, die sie kannten, bewegt die Erinnerung an die starke Frau noch heute.

Um Betroffenen zu helfen, hat sich in Hessen über Jahrzehnte hinweg ein Netzwerk von Unterstützungsangeboten gebildet. Auch der Weiße Ring engagiert sich in der Opferhilfe. Der Verein hilft unter anderem bei häuslicher Gewalt, nach Vergewaltigung und bei Stalking.

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