1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Grund zur Sorge: Ausbildung in Hessen ist bei immer weniger jungen Menschen gefragt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

„Azubis gesucht“ – das gilt für viele Betriebe in Hessen. Sie zu finden, wird immer schwieriger.
„Azubis gesucht“ – das gilt für viele Betriebe in Hessen. Sie zu finden, wird immer schwieriger. © Martin Schutt/dpa

Junge Menschen wollen lieber studieren. Die Gewerkschaften fordern eine Ausbildungsgarantie. Und die Arbeitgeber wollen mehr Berufsorientierung in der Schule.

Immer weniger junge Menschen wollen eine Ausbildung machen. Zwar hat die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge bei den Industrie- und Handelskammern wieder etwas zugenommen, insgesamt jedoch fehlt der hessischen Wirtschaft, insbesondere dem Handwerk, der Nachwuchs, wie die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen belegen.

Die gute Nachricht: Mit fünf Prozent mehr Ausbildungsverträgen als im vergangenen Jahr sind die hessischen IHK-Unternehmen in das neue Ausbildungsjahr gestartet. Zum Stichtag 31. Oktober zählten die Industrie- und Handelskammern landesweit knapp 20 300 neue Verträge, 2021 waren es zum gleichen Zeitpunkt gut 19 300.

Lücke wird größer

Kirsten Schoder-Steinmüller, Präsidentin des Hessischen Industrie- und Handelskammertags, sieht darin sogar eine „Trendwende“ – räumt aber zugleich ein, dass die Suche nach Azubis weiterhin sehr schwierig sei. Die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber sei im Vergleich zu 2019 um rund 20 Prozent zurückgegangen.

Arbeitsmarkt in Hessen

Die Arbeitslosigkeit in Hessen ist im Oktober im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen. Arbeitslos gemeldet waren knapp 169 000 Frauen und Männer, 2300 weniger als im September, allerdings 5600 mehr als vor einem Jahr.

In Frankfurt waren gut 25 000 Menschen arbeitslos gemeldet, 424 weniger als im September und knapp 1000 weniger als im Oktober 2021. pgh

Hessische Schülerinnen und Schüler entscheiden sich seltener als in vergangenen Jahren für eine duale Ausbildung. Die Zahl der jungen Menschen, die 2022 eine solche Ausbildung beginnen wollten und bei den Agenturen für Arbeit registriert waren, ging im Vergleich zu 2021 um 4,3 Prozent auf 33 700 zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der angebotenen Stellen um 5,7 Prozent auf nun 34 500.

„Die Schere zwischen Ausbildungsangeboten und nachfragenden Jugendlichen klafft immer weiter auseinander“, fasste Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, zusammen. Dadurch verschärfe sich der Fachkräftebedarf. Nicht nur der demografische Wandel mache den Ausbildungsbetrieben zu schaffen. Junge Menschen entschieden sich zudem immer häufiger für einen weiteren Schulbesuch oder ein Studium. „Die klassischen Ausbildungsberufe geraten ins Abseits“, so Martin.

Begeisterung wecken ist nötig

„Es gelingt immer weniger, junge Menschen für eine duale Berufsausbildung zu begeistern“, sagt auch die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds Hessen-Thüringen, Renate Sternatz. „Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, schlittern wir in Hessen immer weiter in eine Fachkräftekrise.“ Nötig sei eine umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie, um die Attraktivität und Qualität der dualen Ausbildung zu verbessern, zeigt sich Sternatz überzeugt. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht sich für eine solche umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie stark. „Zu viele junge Menschen gehen verloren, die Arbeitgeber sind in der Pflicht gegenzusteuern“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Ralf Becker.

Dringenden Verbesserungsbedarf sieht der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Dirk Pollert, im Übergang von der Schule in den Beruf: „Das Land muss mehr und längere Praktikumsphasen in der Schulzeit sowie eine verpflichtende Berufsberatung vorschreiben“, forderte er.

Auch interessant

Kommentare