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Bundestag

Grünen-Bewerber aus der Ferne

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Der Frankfurter Jan Schierkolk lebt in Ankara und kandidiert für die hessische Bundestagsliste.

Im Deutschen Bundestag will künftig ein zweiter Grüner aus Frankfurt die Außenpolitik mitgestalten, neben dem langjährigen Abgeordneten Omid Nouripour. Der 36-jährige Politikwissenschaftler Jan Schierkolk bewirbt sich um einen aussichtsreichen Platz auf der hessischen Landesliste der Grünen. Das kündigte er im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau an.

Das Besondere an der Bewerbung: Der Frankfurter Grüne lebt seit Jahren in der türkischen Hauptstadt Ankara. Die Umstellung der Politik auf digitale Formate in Corona-Zeiten ermöglicht es Schierkolk, aus der Ferne an dem Parteitag am übernächsten Wochenende teilzunehmen.

Jan Schierkolk arbeitet am Istanbul Policy Center zur Rolle der Zivilgesellschaft in den deutsch-türkischen Beziehungen. Er hat viele Jahre im Ausland zugebracht, so in Guatemala, wo er auf den Frankfurter Grünen-Politiker Tom Koenigs traf, den damaligen Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für Guatemala. Auch Stationen in den USA und in Genf stehen in seinem Lebenslauf.

Insbesondere die Beziehungen zur Türkei sind ihm ein Anliegen. „Die Missstände sind offensichtlich, etwa bei Menschenrechten oder der Pressefreiheit“, sagt er. Einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen halte er trotzdem für den falschen Weg, „denn damit würden wir genau die falschen Menschen bestrafen oder im Stich lassen“, fürchtet Schierkolk. Gleichzeitig müssten große Leistungen der Türkei mehr gewürdigt werden, etwa dass sie weltweit die meisten geflüchteten Menschen aufnehme.

Einen zweiten Schwerpunkt setzt der Kandidat in der Integrations- und Vielfaltspolitik. Auch hier stehen für ihn die Menschenrechte im Vordergrund. Daraus folgen für ihn „bessere Zugänge insbesondere zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe für alle sowie die Bekämpfung von Rassismus überall“.

Schierkolk amtiert auf Bundesebene als einer der Sprecher der Grünen-Arbeitsgemeinschaft Frieden und Internationales. Erfahrene Grüne wie Koenigs und der ehemalige hessische Justizminister Rupert von Plottnitz würden sich freuen, wenn Schierkolk nach Berlin geht. Koenigs lobte, dass der Kandidat die Außenpolitik „mit Leidenschaft“ betreibe und sich dabei nicht scheue, auch schwierige Bedingungen im Ausland in Kauf zu nehmen. Plottnitz lobte Schierkolks „Wachsamkeit“ für außenpolitische Fragen.

In Hessen dürfte es spannende Abstimmungen über die Bundestagsliste geben. Dem Vernehmen nach wollen alle fünf amtierenden Bundestagsabgeordneten aus Hessen wieder antreten, also Daniela Wagner, Omid Nouripour, Kordula Schulz-Asche, Wolfgang Strengmann-Kuhn und Bettina Hoffmann. Aus der jüngeren Generation hat der 28-jährige Landesparteichef Philip Krämer aus Darmstadt seinen Hut in den Ring geworfen.

Zudem strebt die Kasseler Rechtsanwältin Awet Tesfaiesus in den Bundestag. Die 46-Jährige ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Kasseler Stadtparlament. Sie will sich im Bundestag gegen Rassismus und Diskriminierung starkmachen.

Wenn Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichne, dann „fühle ich mich direkt angegriffen“, erklärt die Juristin, die mit ihren Eltern als Kind aus dem heutigen Eritrea nach Deutschland kam. „Mir geht es darum, unsere Gesellschaft vielfältiger zu gestalten“, sagte Tesfaiesus der FR.

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