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Gedenken in Hessen: Roma und Sinti werden bis heute diskriminiert

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Von: Pitt von Bebenburg

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Auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat bei der Gedenkfeier gesprochen. Er erinnerte daran, dass die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma in Deutschland noch Jahrzehnte nach dem Ende des Nationalsozialismus „unbeachtet geblieben“ sei. (Symbolbild)
Auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat bei der Gedenkfeier gesprochen. Er erinnerte daran, dass die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma in Deutschland noch Jahrzehnte nach dem Ende des Nationalsozialismus „unbeachtet geblieben“ sei. (Symbolbild) © Frank Rumpenhorst/dpa

Bei Hessens Holocaust-Gedenkfeier steht das Schicksal von Roma und Sinti im Zentrum. Der Abend wird von Schüler:innen und einem Lehrer geprägt.

Drei Schülerinnen, ein Schüler und ein Lehrer der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule haben das Holocaust-Gedenken der hessischen Landesregierung, des hessischen Landtags und der kommunalen Spitzenverbände geprägt. Bei der gemeinsamen Veranstaltung am Donnerstagabend in Hofheim erinnerten sie vor gut 200 Online-Zuschauer:innen an die Verfolgten und Ermordeten des Nationalsozialismus, insbesondere aber an die Opfer unter den Sinti und Roma.

„Uns wurde deutlich, dass Antiziganismus noch heute stark verbreitet ist“, bilanzierten die Schüler:innen die Arbeit an ihrem Schulprojekt „Das Schicksal der Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus“. In Deutschland sei viel zu wenig bekannt, dass neben Jüdinnen und Juden in Auschwitz Angehörige vieler anderer Gruppen ermordet worden seien. Erst im Jahr 1982 habe Deutschland durch den damaligen Kanzler Helmut Schmidt (SPD) die Verfolgung der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus als Völkermord anerkannt.

Der Geschichts- und Religionslehrer Willi Jahncke, der die Schüler:innen begleitet hatte, sagte, die Zahl von 18 Millionen zivilen Opfern des Nationalsozialismus sei unvorstellbar. Daher müsse anhand von Biografien deutlich gemacht werden, „wie sich eine solche Verfolgung auf Familien, Nachbarschaften, ganze Ortschaften auswirkt“. Auf der anderen Seite seien Menschen „mit staatlicher Aufforderung zu Täter:innen gemacht“ worden. Lehrkräfte stünden in der Verantwortung, Haltung zu zeigen und „klare Kante gegen Diskriminierung“. Jahncke fügte hinzu: „Die Schüler:innen müssen befähigt werden, gegen jede Form der Ausgrenzung aufzustehen.“

Die Albert-Einstein-Schule hat sich dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ angeschlossen. Die Schüler:innen berichteten, dies bedeute nicht, dass ihre Schule frei von Rassismus sei. Es seien aber alle aufgefordert, Vorurteile und Ausgrenzung wahrzunehmen und zu bearbeiten.

Auch die musikalische Begleitung kam an diesem Abend aus dem Main-Taunus-Kreis. Das Kammerensemble der Eichendorffschule Kelkheim gab der Gedenkfeier den Rahmen.

Landtagspräsident Boris Rhein (CDU), Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Präsident des Hessischen Landkreistags, Wolfgang Schuster (SPD) bedankten sich bei den Schülerinnen und Schülern für ihr Engagement. Rhein sagte, sie hätten gezeigt, „wie wichtig es ist, nicht zu schweigen und wegzusehen, sondern sich zu wehren, aufgrund von erarbeitetem Wissen“. Und dies alles „mit Herz, Verstand und ohne Hass“.

Zuvor hatte auch Bouffier (CDU) erinnert, dass die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma in Deutschland noch Jahrzehnte nach dem Ende des Nationalsozialismus „unbeachtet geblieben“ sei. Die Gruppe erfahre noch heute Rassismus und Ausgrenzung. „Die Entrechtung der Sinti und Roma hat nach 1945 nicht gestoppt“, hob er hervor.

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