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Frankfurt: Geld sichert Arbeit der Suchthilfe

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Von: Clemens Dörrenberg

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Ein strukturierter Arbeitsalltag soll helfen, die Sucht zu überwinden.
Ein strukturierter Arbeitsalltag soll helfen, die Sucht zu überwinden. © christoph boeckheler*

Die Fleckenbühler erhalten 800 000 Euro pro Jahr vom Land Hessen.

Die Suchthilfe-Einrichtung der „Fleckenbühler“ wird auch künftig weiter öffentlich mitfinanziert. Mit 800 000 Euro jährlich unterstützt das Land Hessen den gemeinnützigen Verein, der Suchtkranken die Möglichkeit gibt, in einer Lebensgemeinschaft und durch Arbeit zu lernen, ihre Abhängigkeit hinter sich zu lassen. Die beiden Selbsthilfeeinrichtungen der Fleckenbühler in Frankfurt und in Cölbe bei Marburg werden davon profitieren.

Eine Unterstützung war nötig geworden, weil sich nach einem Urteil des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg aus dem Jahr 2016 die Rechtslage verändert hatte. Das Gericht entschied, dass die Betroffenen in der Selbsthilfe-Organisation „Synanon“ keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II hätten, da sie nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. Stattdessen müsste ihr Unterhalt mit Sozialhilfe gesichert werden.

Das Urteil hatte Auswirkungen auf die Fleckenbühler, die aus „Synanon“ hervorgegangen waren. Sie hatten nach eigenen Angaben nun keinen Anspruch mehr auf bestimmte Finanzierungsmöglichkeiten, etwa durch Bildungsgutscheine. Das Geld fehlte, um interne und externe Anleiter:innen zu vergüten. „Unser Problem ist, dass wir keine Arbeitsfördermaßnahmen bezahlt bekommen, obwohl wir zertifizierter Bildungsträger sind und das Geld brauchen“, sagt Ronald Meyer, Vorsitzender des Trägervereins der Fleckenbühler.

Dabei ist es das zentrale Ziel der Selbsthilfeorganisation, suchtkranke Menschen in Erwerbsarbeit zu bringen, auch damit sie sich aus ihrer Abhängigkeit lösen können. „Ohne ausreichende Qualifizierung wirst du nicht nüchtern“, schildert Meyer. „Wir beseitigen Vermittlungshemmnisse“, berichtet der Vorsitzende über die Arbeit der Fleckenbühler und fügt hinzu: „Fehlende Schulabschlüsse können bei uns nachgeholt und Ausbildungen abgeschlossen werden.“ Daher sei die Sucht-Selbsthilfeeinrichtung auf das Geld angewiesen, das laut Meyer ein Viertel der Finanzmittel des Vereins ausmacht.

Die weiteren Einnahmen stammten zur Hälfte aus den Zweckbetrieben der Fleckenbühler wie den beiden Cafés in Frankfurt, zu rund 20 Prozent aus Spenden, Geldauflagen sowie Eigenmitteln.

Nun haben sich das Land, die betroffenen Kommunen und der Verein auf eine Lösung verständigt, mit denen die negativen Auswirkungen des Urteils behoben werden sollen. Für die ersten sechs Monate der „Orientierungsphase“ eines jeden Bewohners oder einer jeden Bewohnerin wird die Finanzierung durch das Land gesichert. Weil die suchtkranken Menschen in diesen ersten Monaten zunächst meist einen Entzug machen und sich durch Schuldner- und Lebensberatung neu orientieren müssen, stehen sie in diesem Zeitraum nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Im zweiten Abschnitt, der 18 Monate dauernden „Stabilisierungs- und Eingliederungsphase“, übernehmen die Stadt Frankfurt und der Landkreis Marburg-Biedenkopf die Finanzierung. „Das Ergebnis ist ein Gewinn für suchtkranke Personen, die bei den Fleckenbühlern eine besondere Gemeinschaft finden“, freut sich Sozialminister Kai Klose (Grüne).

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