1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Flugverkehr: Streik bei Lufthansa

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Rund 6000 Flüge hat die Lufthansa im Sommer bereits abgesagt.
Rund 6000 Flüge hat die Lufthansa im Sommer bereits abgesagt. © imago images/Hollandse Hoogte

Am Mittwoch könnten bundesweit alle Kraniche am Boden bleiben. Verdi fordert ein Arbeitgeberangebot, das mindestens die Inflation ausgleicht.

Schlechte Nachrichten für Lufthansa-Gäste: Für Mittwoch hat die Gewerkschaft Verdi die Bodenbeschäftigten zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. „Im Idealfall wird kein einziges Flugzeug abheben“, sagt Emilio Rezzonico, zuständiger Gewerkschaftssekretär am Frankfurter Flughafen am Montag der Frankfurter Rundschau. 80 Prozent aller Flüge auf dem Rhein-Main-Airport gehen auf das Konto der Kranich-Airline. Demnach könnte es am Mittwoch ruhig am Himmel über Frankfurt werden.

Weit entfernt vom Inflationsausgleich

Den Ausstand mitten in der Urlaubszeit hätte die Gewerkschaft der Kundschaft gerne erspart, betont der Gewerkschaftssekretär. „Wir bedauern das für die Passagiere sehr.“ Doch angesichts des Angebots der Airline in den laufenden Tarifverhandlungen gebe es keine andere Möglichkeit. „Es ist weit entfernt vom Inflationsausgleich.“ Außer besseren Konditionen für die Beschäftigten, gelte der Kampf auch der Existenzsicherung des Unternehmens. Einzig mit attraktiveren Arbeitsbedingungen lasse sich der akute Personalmangel beheben.

Der Konflikt

Verdi fordert 9,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 350 Euro monatlich, eine Laufzeit von zwölf Monaten und einen Stundenlohn von mindestens 13 Euro. Nach Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro ist eine tariflichen Abstand dazu einzuhalten.

Lufthansa bietet ab 1. Juli eine Erhöhung der Grundvergütung von 150 Euro pro Monat an, weitere 100 Eiro mehr ab 1. Januar sowie eine zweiprozentige Vergütungserhöhung ab 1. Juli 2023 in Abhängigkeit von der Geschäftsentwicklung. jur

Unverständnis zeigt Michael Niggemann, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Lufthansa. „Verdi hat nach nur zwei Verhandlungstagen einen Streik angekündigt, den man aufgrund der Breite über alle Standorte hinweg und der Dauer kaum noch als Warnstreik bezeichnen kann“, teilt er am Montag mit. Die Arbeitgeberseite habe „hohe und sozial ausgewogene Vergütungserhöhungen angeboten“ – trotz der nach der Corona-Krise wirtschaftlich weiter angespannten Situation, hoher Schuldenlasten und unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft. „Nach den enormen Bemühungen zur Stabilisierung unseres Flugbetriebs bedeutet das eine erneute, erhebliche und unnötige Belastung für unsere Fluggäste und auch für unsere Mitarbeitenden über den Streiktag hinaus.“

24 Stunden Streik

Der Warnstreik ist bundesweit. Aufgerufen sind alle rund 20 000 Bodenbeschäftigten, auch die für die Wartung zuständig sind oder mit Pushback-Fahrzeugen die Flugzeuge in die Positionen zurückschieben. Nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Rezzonico arbeiten rund 60 Prozent der zum Arbeitskampf aufgerufenen Leute in Frankfurt. Der Ausstand beginnt am Mittwoch um 3.45 Uhr und endet Donnerstag um 6 Uhr. Demnach ist auch noch für Donnerstag mit Störungen im Betriebsablauf zu rechnen.

Und das in einer Zeit, in der das Luftverkehr-System höchst fragil ist. Und in der mit Beginn der Schulferien in Hessen die Passagierzahlen in Frankfurt das Niveau von vor der Pandemie erreichen. Eine solch schnelle Rückkehr der Flugreiselust hat die Branche nicht einkalkuliert. Laut Flughafenverband ADV fehlen rund 20 Prozent des Personals. Auch Frankfurts Flughafenbetreiberin Fraport baute Tausende von Arbeitsplätzen ab – ließ befristete Arbeitsverträge auslaufen, lockte mit Auflösungverträgen. Jetzt fehlen die Leute am Check-in oder um Gespäckstücke zu wuchten. Der Flugplan ist zusammengestrichen. Alleine Lufthansa musste in Frankfurt und München 6000 Flüge canceln.

Stress für Fluggäste. Und vor allem für die Beschäftigten. Die Folgen des „Missmanagements“ hätten sie in eine „äußerst problematische Situation“ gebracht, sagt Verdi-Vize-Vorsitzende Christine Behle, die gleichzeitig Verhandlungsführerin ist. Umso herber die Enttäuschung darüber, dass das in der zweiten Verhandlungsrunde erwartete „starke Signal, mit dem man ein gutes Ergebnis hätte erzielen können“ ausgeblieben sei. Die Situation auf den Flughäfen eskaliere; die Überlastung aufgrund erheblichen Personalmangels, die hohe Inflation und ein dreijähriger Lohnverzicht setzten den Beschäftigten immer mehr zu. „Sie brauchen dringend mehr Geld und sie brauchen Entlastung – für sich selber und für die Passagiere. Dazu reicht das Arbeitgeberangebot vorne und hinten nicht.“

Auch interessant

Kommentare