1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Flughafen Frankfurt: Wenig Personal, mehr Nachtflüge

Erstellt:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Für die Situation am Flughafen ist keine schnelle Lösung in Sicht. Die Ticketpreise werden steigen.

Wer in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens wohnt, kann derzeit nicht mit Ruhe nach 23 Uhr rechnen. Die Nachfrage nach Flugreisen ist groß. So groß, dass selbst der gekürzte Flugplan nicht ausreicht, um den Personalmangel aufzufangen. Die verbliebenen Beschäftigten schaffen es oft nicht, die späten Maschinen bis zum Beginn der sechsstündigen Betriebspause abzufertigen. „Im Juni gab es viele Starts nach 23 Uhr wegen der unstabilen Situation“, räumt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Montag in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses im Landtag ein. Eine zeitnahe Lösung sei nicht in Sicht. „Die Bedingungen müssen sich bessern, wenn man mehr Leute haben will.“ Al-Wazir nimmt das Beispiel Flughafenbetreiberin Fraport. Die hat sich in einem Verhandlungstag mit Verdi auf eine Tariferhöhung von 14 Prozent für die Beschäftigten der Bodenverkehrsbetriebe Fraground geeinigt. Das werde nicht ohne Folgen bleiben: „Am Ende sieht man das am Preis des Flugtickets.“

Die Klagen aus den Reihen der Flughafenbeschäftigten scheinen bei allen Landtagsabgeordneten angekommen zu sein. Die Bewertung fällt je nach politischer Couleur unterschiedlich aus.

„Die Situation ist nicht gut, aber weitaus besser als an vielen anderen deutschen Flughäfen“, urteilt Heiko Kasseckert (CDU). Fraport habe richtig gehandelt, als sie angesichts des Passagiereinbruchs in der Pandemie und den wirtschaftlich unruhigen Zeiten Personal abgebaut hat. Nach Ansicht von Marius Weiß (SPD) liegen die Gründe für die angespannte Situation zum Teil auch an Fehleinschätzungen des Managements. Vertreter der Branche hätten ja selbst zugegeben, beim Personalabbau über das Ziel hinausgeschossen zu sein.

Die Linksfraktion hingegen sieht die Zeit gekommen, das gesamte System infrage zu stellen. Der „Preiskrieg“ schade Beschäftigten, raube den Anwohnerinnen und Anwohnern den Schlaf, strapaziere das Nervenkostüm der Reisenden, sagt Axel Gerntke, auf dessen Bitte der Wirtschaftsausschuss über die Situation am Flughafen diskutiert. „Die Liberalisierung des Flugmarktes und damit verbunden das Outsourcing an Sub- und Subsubunternehmen“ müsse ein Ende haben. Das Land Hessen halte mit der Stadt Frankfurt die Mehrheit der Fraport-Anteile und solle intervenieren. „Insourcing, also das Zurückholen von Dienstleistungen und Beschäftigten, muss das Ziel sein“, sagt Gerntke. „Von Fraport erwarten wir die Entwicklung einer entsprechenden Insourcing-Strategie.“

Ein solches Eingreifen wäre schwierig, gibt Frank Kaufmann zu bedenken, Flughafenexperte der Grünen. Das EU-Wettbewerbsrecht verpflichte die Flughäfen, mehrere Anbieter von Dienstleistungen zuzulassen. Das habe zu den sinkenden Ticketpreisen geführt und einem „erheblichen Boom im Flugverkehr“. Den sieht nicht nur er kritisch, sondern neuerdings selbst Ryanair-Chef Michael O’Leary. Der hatte jüngst gesagt, dass das Fliegen zu billig ist. „Die Arbeitsplätze müssen attraktiver werden, auch pekuniär“, sagt Kaufmann und betont, dass gute Löhne für die Verbraucher:innen ihren Preis haben werden. „Das geht nicht mehr mit superbilligen Flugreisen.“

Auch interessant

Kommentare