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Hessen

Flughafen Frankfurt hofft auf Klimaschutz trotz Flügen

  • Pitt v. Bebenburg
    VonPitt v. Bebenburg
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Die Luftfahrtbranche setzt auf synthetisches Kerosin. Dabei ehält sie Unterstützung aus der hessischen Politik, doch eine zentrale Frage bleibt unbeantwortet

Die Luftfahrtindustrie will Klimaschutz schaffen, ohne auf das Fliegen zu verzichten. Dafür seien synthetische Kraftstoffe „das Entscheidende“, sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Detlef Kayser am Montag bei einer Diskussion mit Politikerinnen und Politikern am Frankfurter Flughafen. Eingeladen hatten die hessischen Unternehmerverbände (VhU).

Auch der Chef der Frankfurter Flughafenbetreiberin Fraport, Stefan Schulte, betonte: „Wir brauchen Klimaneutralität.“ Dazu tragen synthetische Kraftstoffe nur bei, wenn sie mit Hilfe von erneuerbaren Energien hergestellt werden. Schulte kündigte „einen großen Offshore-Windkraft-Vertrag“ an, den die Fraport in Kürze abzuschließen gedenke.

Die synthetischen Kraftstoffe, SAF (Sustainable Aviation Fuel) genannt, kosten heute nach Angaben der Luftverkehrsunternehmen rund zehn Mal so viel wie herkömmliches Kerosin. Mit stärkerem Einsatz dieser Stoffe werde Fliegen teurer, mahnten Schulte und der Chef der Fluglinie Condor, Ralf Teckentrup. Daher müsse man die Einführung „sozial abfedern“, forderte Schulte mit Blick auf die Politik.

Tatsächlich unterstützten die vier hessischen Landtagsabgeordneten von CDU, Grünen, SPD und FDP auf dem Podium einhellig den Weg zu synthetischen Kraftstoffen. Doch weder sie noch die Wirtschaftsvertreter konnten die Journalistenfrage beantworten, wie innerhalb weniger Jahre eine Großproduktion aufzubauen sein soll, die den Stoff zu bezahlbaren Preisen anbieten kann.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner sagte in Richtung der FDP: „Wer über synthetische Kraftstoffe redet, der redet über erneuerbare Energien, der redet über Windkraft, auch über Windkraft in Deutschland.“ Sein FDP-Amtskollege René Rock erwiderte hingegen, die Herstellung der synthetischen Kraftstoffe werde „in der Übergangszeit konventionelle Energieträger brauchen“.

Die CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Ines Claus, versicherte, die schwarz-grüne Landesregierung arbeite am Ausbau erneuerbarer Energien. Sie räumte ein, dass durch die große Nachfrage nach synthetischen Kraftstoffen „ein anderer Druck“ entstehen werde, schneller zu werden. SPD-Fraktionsvize Marius Weiß hielt ihr und dem Grünen Wagner entgegen, Hessens Bilanz sehe auf diesem Feld „überhaupt nicht gut aus. Wir bauen viel zu wenig Windkraft aus.“

Fraport-Chef Schulte erhielt die Zustimmung seiner Kollegen und aus der Politik, als er das Ziel benannte, die Klimaziele müssten „wettbewerbsneutral“ erreicht werden, also ohne die einseitige Belastung europäischer Flughäfen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Airlines ins Nicht-EU-Ausland auswichen. Sozialdemokrat Weiß bekräftigte: „Das Ziel kann nicht sein, dass die Flugzeuge in Istanbul tanken oder in London.“

Schulte lobte, die Branche fühle sich „sehr gut aufgehoben“ in der hessischen Landespolitik. Von den Luftfahrtmanagern war keine Forderung nach Abschaffung der bundesweiten Luftverkehrssteuer zu hören. Dafür äußerten sie den Vorschlag, dass dieses Geld vom Staat gezielt eingesetzt werden solle, um die Belastungen der Branche aufzufangen. So wünscht sich die Luftfahrtindustrie, dass sie die Möglichkeit erhält, Kurzarbeit über das Jahresende hinaus anzuordnen, mindestens bis zum April.

Der Grüne Wagner erneuerte die Forderung seiner Fraktion, Kurzstreckenflüge „auf andere Verkehrsmittel“ zu verlagern, also etwa auf die Bahn. Freidemokrat Rock entgegnete, es dürfe kein Verbot solcher Flüge geben. Erst müssten die Schienenstrecken ausgebaut werden, dann werde sich am Markt entscheiden, ob die Menschen umstiegen.

Erst am Schluss der zweistündigen Debatte spielte das Thema Lärmschutz eine Rolle. Fraport-Chef Schulte versicherte, sein Unternehmen respektiere die Vorgaben der Planfeststellung, die ein Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr beinhaltet. Offenbar treibt Fraport aber die Sorge um, die neue Frankfurter Vierer-Koalition könne daran rütteln. So sagte Schulte an die Adresse der neuen Frankfurter Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP): „Ich gehe davon aus, dass auch die Stadt Frankfurt den Planfeststellungsbeschluss respektiert.“

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