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Fast 10 000 Ukraine-Flüchtlinge besuchen Hessens Schulen

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Von: Peter Hanack

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Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Intensivklassen wächst rasant. Sie sollen schnell integriert werden und die deutsche Sprache lernen. Doch die Gruppen werden immer größer. Das macht es nicht einfacher.

Fast 10 000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine gehen inzwischen in Hessen zur Schule. Die Zahlen steigen schnell. Kritik gibt es, weil das Kultusministerium die Gruppengröße in den Intensivklassen erhöht hat, die die Schülerinnen und Schüler besuchen. Das sei schlecht für die Integration und das Deutschlernen, monierte die SPD im Hessischen Landtag.

Es sei ein großes Anliegen der schwarz-grünen Landesregierung, diesen Kindern und Jugendlichen ein gutes Bildungsangebot zu machen, betonte Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Man wolle für sie ein „Höchstmaß an Normalität“ schaffen.

Und tatsächlich haben Hessens Schulen in den vergangenen Wochen bereits rund 9500 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter aufgenommen. Es gehe darum, dass diese Sicherheit und Halt gewönnen, sich zurechtfänden und möglichst schnell verständigen könnten. Genau dieses Ziel, möglichst schnell die deutsche Sprache zu erlernen, sieht die SPD allerdings gefährdet.

Bislang lag die Höchstgrenze für die Schülerzahl in einer Intensivklasse, aus denen je nach Lernfortschritt ein fließender Wechsel in den Regelunterricht erfolgen soll, an einer weiterführenden Schule bei 16. Aktuell werden diesen Klassen bis zu 19 Schüler und Schülerinnen zugewiesen, wie Lorz anlässlich eines Antrags von Landtagsabgeordneten der SPD am Mittwoch im kulturpolitischen Ausschuss des Landtags berichtete.

„Bei Schwächsten gekürzt“

„Damit wird wieder einmal bei den Schwächsten gekürzt“, kritisierte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Generalsekretär der SPD Hessen, Christoph Degen. Die großen Klassen führten dazu, dass die einzelnen Schüler und Schülerinnen weniger gefördert werden könnten. Entsprechend schwieriger sei es für sie, schnell Deutsch zu lernen und sich in den Regelunterricht integrieren zu können.

Degen kritisierte außerdem, dass es an Gymnasien vergleichsweise wenige Intensivklassen gibt. Laut Lorz existieren zurzeit an Grundschulen 432 solcher Klassen, an Gesamtschulen sind es 431, an Gymnasien lediglich 45. „Die Schulen werden durch die Intensivklassen massiv gefordert“, so Degen. Diese Belastungen seien aber offensichtlich in Hessen sehr ungleich verteilt.

Lorz begründete die Erhöhung der Klassengröße mit der großen Dynamik, mit der Kinder und Jugendliche aus der Ukraine in Hessens Schulen drängten. So seien von den inzwischen 9500 Schülern und Schülerinnen allein 5000 in den vergangenen drei Wochen dort angekommen.

Degen hält dem entgegen, dass in den Jahren 2015/2016, als viele Geflüchtete vor allem aus Syrien nach Hessen gekommen waren, rund 28 000 Kinder und Jugendliche in Intensivklassen beschult worden seien. Aktuell seien es lediglich 26 800. Die Erhöhung der Klassengröße sei also nicht nachvollziehbar.

60 Lehrkräfte aus Ukraine

Schnell gewachsen ist auch die Zahl ukrainischer Lehrkräfte an Hessens Schulen. Waren dort laut Kultusministerium Ende April lediglich 21 Personen tätig, sei deren Zahl inzwischen auf 60 angestiegen, berichtete Lorz im Landtagsausschuss. Insgesamt hatten sich zuletzt rund 500 Personen gemeldet, die angaben, in der Ukraine pädagogisch gearbeitet zu haben.

Die ukrainischen Schüler und Schülerinnen können zudem freiwillig an landeskundlichem Unterricht in ihrer Muttersprache teilnehmen und die Onlineangebote nutzen, die der ukrainische Staat organisiert. Da nicht klar sei, wie lange sie in Deutschland blieben, sollten die Brücken in die Heimat nicht abgebrochen werden, so Lorz.

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