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Ermittlungserfolg in Hessen: Verdächtiger im Fall Ayleen gesteht Tötung

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Von: Peter Hanack

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Die 14-jährige Ayleen aus Gottenheim ist tot im Teufelsee gefunden worden. Frank Rumpenhorst/dpa
Die 14-jährige Ayleen aus Gottenheim ist tot im Teufelsee in der Wetterau gefunden worden. © dpa

14-Jährige aus Gottenheim getötet und im Teufelsee versenkt. Er führt die Polizei zum Tatort. Doch das Motiv des 29-Jährigen bleibt weiterhin unklar – und die Soko ermittelt weiter

Die Sonderkommission Lacus und die Staatsanwaltschaft Gießen sind im Fall der getöteten Schülerin Ayleen einen großen Schritt weitergekommen. Wie die Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Mittelhessen am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, hat der Beschuldigte die Tat gestanden und die Ermittler:innen zu weiteren Kleidungsstücken der 14-Jährigen geführt.

Demnach hat der Beschuldigte, ein 29 Jahre alter Mann aus Waldsolms im Lahn-Dill-Kreis, im Beisein seines Verteidigers eingeräumt, „den Tod von Ayleen in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2022 durch körperliche Gewalteinwirkung herbeigeführt und den Leichnam anschließend im Teufelsee bei Echzell (im Wetteraukreis) versenkt zu haben“.

Beweislast „erdrückend“

Beamte der Kriminalpolizei und der die Ermittlungen leitende Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger hatten den 29-Jährigen am vergangenen Freitag mehrere Stunden lang vernommen. Dieser hatte die Tat bis dahin geleugnet. Zum Geständnis geführt habe offenbar die „erdrückende Beweislast“, wie Hauburger der Frankfurter Rundschau sagte.

So hatten die Ermittler:innen durch die Auswertung von Handy- und Funkzellendaten sowie GPS-Analysen ein detailliertes Bewegungsprofil des Beschuldigten und Ayleen erstellen können. Damit habe auch der mögliche Tatablauf rekonstruiert werden können.

Tatort war ein Feldweg

Der Beschuldigte führte die Ermittler:innen anschließend zum Tatort, einem Feldweg im Landkreis Gießen. Dort wurden weitere Kleidungsstücke Ayleens gefunden, die aktuell im Hessischen Landeskriminalamt in Wiesbaden auf Spuren hin untersucht werden.

„Es ist uns damit nun ein ganz bedeutsamer Ermittlungsschritt gelungen“, sagte Hauburger. Allerdings liege noch eine ganze Menge Arbeit vor den Ermittler:innen. So sei nach wie vor die Motivlage unklar. „Das treibt uns um“, so Hauburger. Auch sei man noch dabei, die Vorgeschichte der Tat im Detail aufzuklären. Daran werde weiter „mit Hochdruck“ gearbeitet.

Die 30-köpfige Sonderkommission Lacus bleibe deshalb bis auf weiteres unverändert bestehen, sagte Hauburger, „der Fall wird uns noch Wochen und Monate beschäftigen“. Dementsprechend gehe er davon aus, dass auch bis zu einer Anklageerhebung und einem Gerichtsverfahren noch Monate vergehen werden.

Bei Onlinespiel kennengelernt

Ayleen war am 21. Juli aus ihrem Wohnort verschwunden. Kurz darauf wurde ihre Leiche im Teufelsee gefunden. Das Mädchen aus Gottenheim in Südbaden und der Beschuldigte hatten sich bei einem Onlinespiel kennengelernt und wochenlang miteinander gechattet.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung waren persönliche Gegenstände der Schülerin gefunden worden. Daraufhin wurde der 29-Jährige wegen des dringenden Verdachts eines vorsätzlichen Tötungsdelikts verhaftet.

Täter war polizeibekannt

Der Mann war als Jugendlicher wegen eines Sexualdelikts in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen worden, wo er zehn Jahre blieb. Nach seiner Entlassung stand er unter Führungsaufsicht, die im Januar dieses Jahres ausgelaufen ist. Zudem war er in einem Programm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter.

Im ersten Halbjahr 2022 sind von drei Mädchen Anzeigen gegen ihn erstattet worden, in denen ihm sexuelle Belästigung und Nötigung vorgeworfen werden. Auch galt er bereits wegen Verkehrsdelikten und Diebstählen als Intensivtäter.

Ayleen ist Mitte August im engsten Familienkreis auf dem Friedhof ihres Wohnorts Gottenheim beigesetzt worden.

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