1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Ein Jahr nach dem Hochwasser in Büdingen warnt der Bürgermeister: „Die Gefahr ist nicht gebannt“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Erich Spamer (FWG) ist seit dem Jahr 2004 Bürgermeister von Büdingen. Bei der Wahl am 26. September vergangenen Jahres ist der 70-Jährige, anders als zunächst angekündigt, nicht mehr für eine vierte Amtszeit angetreten. Ihm wird im März dieses Jahres Benjamin Harris (CDU) auf den Chefsessel im Büdinger Rathaus folgen. pgh
Erich Spamer (FWG) ist seit dem Jahr 2004 Bürgermeister von Büdingen. Bei der Wahl am 26. September vergangenen Jahres ist der 70-Jährige, anders als zunächst angekündigt, nicht mehr für eine vierte Amtszeit angetreten. Ihm wird im März dieses Jahres Benjamin Harris (CDU) auf den Chefsessel im Büdinger Rathaus folgen. pgh © Privat

Bürgermeister Erich Spamer spricht am Jahrestag der Hochwasser-Katatrophe über Zusammenhalt und das Hoffen auf Schutz

Herr Spamer, können Sie den Schaden beziffern, den das Hochwasser vom 29. Januar 2021 angerichtet hat?

Ich kann lediglich die Schadensumme nennen, die an städtischen Gebäuden entstanden ist. Das sind rund 2,5 Millionen Euro, die aber zum Glück durch eine Elementarversicherung gedeckt sind. Allerdings sind noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen.

Wie geht es den Menschen in Büdingen heute?

Der Schock sitzt tief. Der Schaden ist immens, auf dem die Bürger sitzen bleiben. Wenn der Wetterdienst wieder einmal vermehrt Regen ankündigt, versetzt das die Bewohner der Altstadt in helle Aufregung.

Das ist bei einer solchen Katastrophe verständlich. Immerhin ist niemand verletzt oder getötet worden, oder?

Eine Person hat sich das Bein gebrochen, als sie auf dem nassen und rutschigen Fliesenboden in ihrem Haus ausgerutscht ist.

Was das angeht, ist die Stadt ja noch glimpflich davongekommen. Es war vor einem Jahr beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen sich engagiert haben, um zu helfen, wie die Rettungsdienste, Feuerwehr, Bauhofmitarbeiter gearbeitet haben, um Schutt und Sperrmüll wegzuräumen und die schlimmsten Schäden zu beseitigen. Ist von dieser Hilfsbereitschaft noch etwas übrig?

Man kann schon sagen, dass es die Menschen zusammengeschweißt hat. Ich will auch noch einmal allen von ganzem Herzen danken, die da tagelang mit angepackt haben. Wir sind eine Kleinstadt, da kennen sich die Nachbarn noch. Deshalb gab es diese gegenseitige Hilfe auch schon vor dem Hochwasser.

Ist ausgeschlossen, dass so etwas noch einmal passiert?

Nein, das ist nicht ausgeschlossen. Auch wenn das natürlich ein Extremhochwasser war, das den Pegel des Seemenbachs überflutet hat. Die Gefahr aber ist noch nicht gebannt. Der Wasserverband hat nun endlich den Planungsauftrag für ein Regenrückhaltebecken erteilt. Der Bau soll 2025 beginnen. Die Forderung nach einem solchen Becken gab es übrigens schon in den 1960er Jahren.

Das hätte eine Überflutung der Büdinger Altstadt verhindern können?

Das Becken soll eine Million Kubikmeter Wasser fassen können. Mit so einem Becken hätten die Häuser und Straßen hier vor einem Jahr nicht unter Wasser gestanden.

Bis dieser Schutz da ist, wird es vermutlich noch eine Zeit dauern.

Wir haben als Stadt ein Planungsbüro beauftragt, zusätzlich an zwei Bächen Wasserrückhaltemaßnahmen zu prüfen. Und wir stellen einen Plan auf, wie die Menschen sich selbst besser schützen können. Ansonsten müssen wir hoffen, dass erst einmal keine solchen Wasserfluten mehr kommen.

Interview: Peter Hanack

Siehe „Ein Jahr nach dem Hochwasser: Als ob Einbrecher da gewesen wären“

Auch interessant

Kommentare