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Documenta: Ministerpräsident Rhein will gegen Judenhass vorgehen

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Von: Hanning Voigts

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Im Fridericianum in Kassel liegt im Rahmen der Documenta eine Broschüre aus, die israelische Soldaten mit Hakennase zeigt.
Im Fridericianum in Kassel liegt im Rahmen der Documenta eine Broschüre aus, die israelische Soldaten mit Hakennase zeigt. dpa © dpa

Im Streit um die Documenta hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft Hessens Regierungschef Boris Rhein zum Handeln aufgefordert.

Wiesbaden – Nachdem der erneute Fund antisemitischer Darstellungen auf der Documenta für Empörung gesorgt hat, hat Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) die Bedeutung des Kampfes gegen Judenhass bekräftigt. Es brauche jetzt geeignete Maßnahmen, „damit Antisemitismus – offen oder verdeckt – auf der Documenta keinen Platz hat“, teilte die Staatskanzlei der Frankfurter Rundschau am Sonntag auf Anfrage mit. Die Hessische Landesregierung werde zudem bald über zusätzliche Schritte informieren, „die dabei helfen sollen, weitere Werke mit antisemitischer Bildsprache zu analysieren“, hieß es.

Die Kritik, die am Freitag von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) geübt worden war, nehme man sehr ernst, „zumal der Ministerpräsident selbst Mitglied der DIG ist“, betonte Rheins Sprecher Tobias Rösmann. Die Vertreter:innen des Landes im Aufsichtsrat der Documenta engagierten sich „für die Aufklärung der antisemitischen Vorfälle und für die Beratung durch externe Expertinnen und Experten“, wofür Rhein dankbar sei.

Documenta: Die kritisierten Werke tragen zur „Dämonisierung Israels“ bei

Die FR hatte am Samstag über einen Brief berichtet, den der Präsident der DIG, der Grünen-Politiker Volker Beck, an Rhein geschrieben hatte. Darin hatte Beck den hessischen Regierungschef aufgefordert, sich persönlich in den Antisemitismusskandal um die Documenta einzuschalten. Die „documenta fifteen“ trage zur Normalisierung von Judenhass in der deutschen Öffentlichkeit bei und sei zu einer „Plattform für Propaganda und für Agitprop“ geworden, hatte Beck geschrieben.

Es sei skandalös, wie wenig die Verantwortlichen auf der Weltkunstausstellung bisher auf Kritik reagiert hätten, hatte Beck argumentiert. Die öffentlich diskutierten Werke betrieben eine „Dämonisierung des Staates Israel“. Rhein müsse die Präsentation antisemitischer Werke in Kassel sofort stoppen und notfalls auch die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), aus dem Documenta-Aufsichtsrat abziehen.

Documenta: Antisemitismusbeauftragter Becker will mit Kritikern reden

Zuvor waren auf der Documenta mehrfach Werke mit antisemitischer Bildsprache aufgefallen. Ein judenfeindliches Großplakat der indonesischen Gruppe Taring Padi war im Juni wieder abgehängt worden. Zuletzt hatte eine auf der Documenta ausgestellte Broschüre für Aufregung gesorgt, in der israelische Soldaten als unmenschliche Roboter und Zwerge mit Hakennase dargestellt werden.

Wie es aus der Staatskanzlei weiter hieß, werde der hessische Antisemitismusbeauftragte, der CDU-Politiker und frühere DIG-Präsident Uwe Becker, auch das Gespräch mit der DIG suchen. (Hanning Voigts)

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