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Digitalisierung soll Lehrkräften in Hessen mehr Zeit zum Unterrichten verschaffen

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Von: Peter Hanack

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FDP im hessischen Landtag lotet mit Fachleuten die Chancen der Modernisierung der Schulen aus. Dazu gehört auch die Frage, ob es Pflichtfortbildungen für Lehrkräfte geben soll.

Ohne die digitalen Möglichkeiten der Kommunikation und des Lernens hätte während der corona-bedingten Schulschließungen wohl noch weniger Unterricht stattgefunden. Das war eine Ausnahmesituation. Wie aber soll digitale Bildung im Normalbetrieb aussehen? Zu einem Gedankenaustausch über diese Frage hatte die FDP-Landtagsfraktion für Dienstag eingeladen.

„Wie werden wir den Kindern gerecht, damit wir ihnen jene Fähigkeiten vermitteln, die sie in Zukunft für ein selbstbestimmtes Leben benötigen werden?“, fragte Moritz Promny, bildungspolitischer Sprecher der FDP im Hessischen Landtag. Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, müsse man sich den Chancen der digitalen Bildung zuwenden, zeigte sich Promny überzeugt.

Auch aus Sicht der Wirtschaft scheint das geboten, wie Axel Plünnecke, Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, deutlich machte. Fast 90 Prozent der Unternehmen gingen von einem steigenden Bedarf an Mitarbeitenden mit digitalen Kompetenzen aus. Diese seien auch wichtig für die Entwicklung klimafreundlicher Produkte. Allerdings fehlten allein in Hessen bereits jetzt 4000 IT-Fachkräfte, sagte Plünnecke, der auch Studienleiter des INSM Bildungsmonitors ist.

Defizite benannte auch Volkmar Heitmann, Vorsitzender des Landeselternbeirats. So seien in seinem Heimatkreis, der Wetterau, gerade einmal sieben von 100 Schulen „voll an das Internet angeschlossen“. Auch sei es für viele Familien noch immer schwierig, die benötigte Ausstattung an Internet-Verbindungen oder passenden Endgeräten aufzubringen. „Da gibt es ein großes Problem mit der Bildungsgerechtigkeit“, berichtete Heitmann.

Mehr Selbstständigkeit

Schulen müssten selbstständiger werden, ihre eigenen pädagogischen Konzepte umsetzen können, regte die Offenbacher FDP-Politikerin Anja Kofahl an. Diesen „Mut zu mehr Freiheit“ forderte auch Sarah Henkelmann, Sprecherin des Netzwerks Digitale Bildung. Auch sollten Schüler und Schülerinnen stärker in die Unterrichtsgestaltung eingebunden werden. Zudem sei es nötig, künftige Lehrkräfte bereits im Studium mit digitalen Technologien vertraut zu machen. Henkelmann schlug vor, nach dem Beispiel Österreichs Lehrkräfte auch zur Weiterbildung zu verpflichten.

Niels Pinkwart, Leiter des Forschungsbereichs Educational Technology Lab am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (KI), plädierte für den Einsatz von KI auch im Unterricht. Digitalisierung könne zwar kein Ausgleich für den Lehrkräftemangel sein. Sie könne Lehrkräften aber helfen, individueller auf die Schüler:innen einzugehen. Auch könne sie bei der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen einen Beitrag leisten.

Digitalisierung könne Lehrkräfte entlasten, sagte Plünnecke. So könne Unterrichtsmaterial zusammen entwickelt und sehr einfach gemeinsam genutzt werden. Dies müsse systematisch und viel häufiger geschehen als heute üblich, forderte er. Um der Bildungsungerechtigkeit entgegen zu wirken, müssten Schulen in schwierigem Umfeld zusätzliche Mittel erhalten.

Steffen Haschler, Lehrer und Mitglied der Initiative „Chaos macht Schule“ des Chaos Computer Clubs, mahnte, der Einsatz digitaler Technologie müsse in allen Fächern kritisch reflektiert werden. Sie könne aber Lehrkräften auch mehr Zeit verschaffen, sich ihren Schüler:innen zu widmen.

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