Boris Rhein.
+
Boris Rhein.

Grußwort

Die Zukunft gestalten

Von Boris Rhein, Präsident des Hessischen Landtags.

Mit einer Unterschrift begann am 19. September 1945 – vor 75 Jahren – die Geschichte des Landes Hessen. Es war der spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower, der die Proklamation Nr. 2 unterzeichnete. Sie sah den Zusammenschluss der preußischen Provinzen Kurhessen und Nassau mit dem Volksstaat Hessen vor.

Mit einem von der amerikanischen Militärregierung angeordneten Befehl begann eine wahre Erfolgsgeschichte. Heute gehört dieses Bundesland zu den Spitzenregionen Europas und besticht zudem mit seiner reichhaltigen Kunst und Kultur, bezaubernden Landschaften und sympathischen Traditionen. Aus den damaligen Gegnern sind erst Besatzer und dann Freunde geworden. Es war ein großer Vertrauensvorschuss, den die amerikanische Militärregierung uns entgegenbrachte – nur vier Monate nach Kriegsende.

Noch schneller, bereits am 31. Juli 1945, erteilte sie durch Lizenzübergabe die Erlaubnis, die erste Tageszeitung in der amerikanischen Besatzungszone herauszugeben. Darin ließen die Herausgeber wissen: „Die neue ‚Frankfurter Rundschau‘ ist der Ausdruck unseres ehrlichen Willens zur demokratischen Zusammenarbeit!“

Wir wissen, dass demokratische Gesinnung und demokratisches Handeln nicht angeboren sind. So mussten sie sich auch in der Bundesrepublik schrittweise entwickeln. Und die Bürgerinnen und Bürger in Ostdeutschland haben sich die demokratische Praxis erst mit und nach der friedlichen Revolution aneignen können. Heute ist sie fester Bestandteil unseres Zusammenlebens.

So lässt sich auch das Motto des Jubiläums der FR „Zukunft hat eine Stimme“ in diesen Kontext einordnen. Denn unsere Demokratie gibt jedem Einzelnen die Möglichkeit, die Zukunft mitzugestalten und Einfluss auf die Formen unseres Zusammenlebens zu nehmen – mit einer Stimme, die Gedanken und Ideen hörbar macht, für Überzeugungen wirbt, sich einmischt, mitgestaltet und ihren Weg in ein vielstimmiges Gespräch findet: in Parlamenten, im Netz, auf der Straße, in Unternehmen, an Hochschulen und in Tageszeitungen.

Anlässlich ihres 75. Bestehens danke ich der Frankfurter Rundschau für viele detailreiche Investigationen, große Analysen und gute Erklärstücke. Als einer Ihrer Leser gratuliere ich herzlich zum Jubiläum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare