Gastbeitrag

Die letzte Chance zum Umsteuern

Von Franz Scheidel, Sprecher der Initiative „Langen gegen Atomkraft“.

Hessen vorn? Mitten in Deutschland liegt Hessen und spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen im Guten wie im Schlechten wider. Bei der Atomkraft hatten wir Glück, dass Biblis schon so früh abgeschaltet wurde. Dies nur, weil es zu den ältesten und unsichersten Atomkraftwerken gehörte. Nun ist Biblis Zwischenlager für hochradioaktiven Müll und das noch für lange Zeit.

Hessen steht sowohl für das Zentrum des Finanzkapitals als auch für ein Zentrum des gesellschaftlichen Widerstands. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass wir alle schnell und effektiv auf Krisen reagieren können. Für die zukünftige Entwicklung wird es darauf ankommen, dass wir auch auf die Klima-Katastrophe entsprechend entschlossen reagieren. Die Zeit der fossilen und atomaren Brennstoffe ist endgültig vorbei, ebenso die Zeit der zentralen Energieversorgung. Und ja, auch die Zeit des grenzenlosen Konsums. Wir haben eine letzte Chance unser schönes, waldreiches Hessenland lebenswert für die Zukunft zu erhalten, wenn wir jetzt umsteuern. Der Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien ist dabei eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzung. Ja, ich kann mir vorstellen, dass wir einen solch radikalen Umschwung hinbekommen.

Aber sicher ist das nicht. Vorstellbar ist auch, dass Politik und eine große Mehrheit auf ein „Weiter so“ setzen. Dann befürchte ich, dass die Klima-Katastrophe auch in Hessen tiefe Spuren hinterlassen wird. Die Sommer werden immer unerträglicher, die Waldschäden nehmen explosionsartig zu und die Zahl der Klima-Flüchtlinge steigt dramatisch. Die ganze Welt wird in Aufruhr sein und die krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich verschärfen sich zusehends.

Ich hoffe sehr, dass wir aus dem Desaster der Atomtechnik gelernt haben und vor allem, dass keine weiteren Unfälle in Europa dazukommen. Mit dem Atommüll-Problem werden auch sehr viele künftige Generationen befasst sein. Das sollte uns eine Mahnung sein, in Zukunft unsere Aktivitäten genauer auf mögliche Folgen zu prüfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare