Blick in den hessischen Landtag.
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Blick in den hessischen Landtag.

Gut Gebrüllt

Urlaub in Offenbach

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Im Landesparlament sitzen Lokalpatrioten und verbreiten Heimatgefühle. Die Kolumne aus dem hessischen Landtag. Die Kolumne aus dem Landtag.

Am Dienstag hält Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir eine Regierungserklärung im Landtag. Es geht um die hessische Wirtschaft in Corona-Zeiten, aber es würde niemanden wundern, wenn der Minister die Gelegenheit nutzen würde, um ein Loblied auf Offenbach einzubauen.

Der Grüne ist ein mutiger Verfechter der Schönheit Offenbachs. Er ist in der Stadt geboren und hat insgesamt 20 Jahre lang Lokalpolitik in der Stadtverordnetenversammlung gemacht – sogar noch, als er schon Minister war. In Al-Wazirs Büro hängt ein Kunstwerk, das Offenbacher Sehenswürdigkeiten zeigt, und auf seinem Schreibtisch steht eine rote Kickers-Tasse.

Im Landtag warb er bei den Kolleginnen und Kollegen mit den Worten: „Kennen Sie vielleicht ‚Äppelwoi-Cola‘ in der Fassung von den ,Söhnen Heusenstamm‘? Nein?“ und begann zu zitieren: „Äppelwoi-Cola, des is besser als Ganja, Appelwoi-Cola is wie Urlaub in Offebach.“ Mit anderen Worten: Al-Wazir ist Lokalpatriot.

Aber nicht der einzige. Als es um die Vorteile des Urlaubs in heimischen Gefilden ging und die nordhessische FDP-Abgeordnete Wiebke Knell den Edersee, das Upland und die Grimm-Heimat pries, schlug Minister Al-Wazir vor: „Vielleicht kann der Kollege Stirböck einmal eine Offenbach-Führung für Sie organisieren.“

Oliver Stirböck lässt ebenfalls nichts auf Offenbach kommen, aber er gehört der FDP-Fraktion an. Der Freidemokrat hat im Kampf um den besseren Offenbach-Vermarkter nachgesetzt. In einer Kleinen Anfrage erkundigte sich Stirböck ganz offiziell bei Al-Wazir nach der „Bedeutung des Tourismusstandorts Offenbach als ,cooleres Frankfurt‘“. Denn eines missfiel dem FDP-Mann. Auf der Website „Sommer in Hessen“, die von der landeseigenen Hessen-Agentur aufgesetzt worden war, fehle Offenbach. Al-Wazir entgegnete, die Stadt selbst sei aufgerufen, ihre Angebote zu melden. „Die Heimatgefühle von Mitgliedern der Landesregierung haben hierbei keine Rolle gespielt.“

Die Landtagsdrucksache mit Al-Wazirs Antworten wurde in dieser Woche verteilt, und – oh Wunder: Schaut man auf die Homepage, dann ist Offenbach jetzt unter Hessens „starken Städten“ vertreten, samt Einladung zu Besichtigungen „vom Schlosspark Rumpenheim über das Deutsche Ledermuseum zum Hafen am Main“. Sollte Stirböcks Anregungen bei Verantwortlichen in Offenbach gewirkt haben? Oder hat Al-Wazir sie darauf hingewiesen, dass sie nicht fehlen dürfen? Der Offenbacher Minister attestiert dem Offenbacher Abgeordneten nun, mit seiner Kleinen Anfrage habe er „den Gedanken ,Urlaub in Offenbach‘ weiterverbreitet“. Das ist wohl als Lob gemeint.

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