1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Was Jugendlichen an Hessens Schulen fehlt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Jugendliche haben es auch nicht leicht. Lernen zu Hause.
Jugendliche haben es auch nicht leicht. Lernen zu Hause. © Michael Schick

Jugendliche geben Hessens Schulen schlechte Noten – nicht ganz überraschend. Vor allem Homeschooling, psychischer Druck und Rassismus machen ihnen laut einer Umfrage der Landesschülervertretung zu schaffen.

Zu wenig lebenspraktischer Unterricht, ein ungerechtes Benotungssystem, kaum Hilfe bei psychischen Belastungen und ein großes Corona-Chaos beim Homeschooling: Hessens Schüler und Schülerinnen sind mit dem, was die Schule ihnen bietet, mehr als unzufrieden. So das Ergebnis einer groß angelegten Befragung der Landesschüler:innen-Vertretung, das am Donnerstag in Wiesbaden vorgestellt worden ist.

Gefragt wurden die gut 50 000 Schüler:innen der Abschlussklassen von Haupt- und Realschulen sowie Förderschulen, in den beruflichen Schulen und den Oberstufen der Gymnasien. Geantwortet haben knapp 10 000. Die Befragung lief von November 2021 bis Februar 2022, also in der Hochzeit der Corona-Infektion vergangenen Winter.

„Ziel war es, ein Gesamtbild der Situation an den Schulen zu gewinnen“, erklärte dazu Landesschulsprecher Mika Schatz. Man habe verlässliche Daten schaffen wollen. Aufgrund der Beteiligung von fast 10 000 der Befragten sei die Studie auch repräsentativ – allerdings haben vor allem Oberstufenschüler:innen aus den Gymnasien geantwortet. Die Beteiligung aus den Förder- und Berufsschulen fiel eher gering aus.

Beim Homeschooling während der Corona-Pandemie seien die Schüler:innen aufgrund der fehlenden Tagesstruktur und Einsamkeit häufig von Antriebslosigkeit und Zukunftsangst betroffen gewesen. Angebote für ein soziales Miteinander hätten gefehlt, Lehrkräfte mit der Organisation häufig überfordert gewesen. Auch fehle vielen von ihnen die Kompetenz, mit digitalen Medien sinnvoll zu unterrichten

„Es gab kaum eine Trennung von Unterricht und Privatleben, immer sollte man erreichbar sein“, sagte dazu Landesschulsprecherin Pia Rosenberg. Auch deshalb hätten die psychischen Auffälligkeiten stark zugenommen. Jeder dritte sei davon inzwischen betroffen.

Zur psychischen Belastung befragt, gaben rund 42 Prozent an, „hoch“ oder „extrem“ belastet zu sein. Im Gymnasium waren es sogar 52 Prozent. „Es fehlen eine Aufklärung zu psychischen Problemen im Unterricht und flächendeckende Hilfsangebote“, so Mika Schatz.

Das Aufholprogramm „Löwenstark“ des Kultusministeriums sei kaum bei den Schüler:innen angekommen, 70 Prozent hätten es überhaupt nicht gekannt. Nur vier Prozent hätten es in Anspruch genommen, private Nachhilfe dagegen rund vier mal so viele.

Mehr lebenspraktische Bezüge im Unterricht wünschen sic drei von vier Schüler:innen. Etwa wie man eine Steuererklärung macht, wie Müll sinnvoll getrennt wird, einen Erste-Hilfe-Kurs oder was bei einer eigenen Wohnung zu beachten ist.

Das Benotungssystem wird als zu subjektiv und intransparent bewertet. Statt dessen wünschen sich die Schüler:innen mehr Orientierung dabei, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und Hinweise dazu, wie sie sich verbessern können. Diese so genannte Swot-Analyse ähnelt den schriftlichen Bewertungen, die es in den ersten Schuljahren gibt.

Rassismus ist nach Einschätzung der Landesschüler:innenVertretung an den Schulen in Hessen ein großes Thema. So hätten rund 75 Prozent schon einmal etwas erlebt oder beobachtet, was sie als rassistisch empfunden hätten. Dabei sei dies in 70 Prozent der Fälle von Schüler:innen, in etwa 25 Prozent von Lehrkräften ausgegangen.

Was konkret als rassistisch eingestuft wurde, wurde bei der Befragung nicht ermittelt. „Das kann jeder und jede für sich selbst definieren“, sagte dazu Jannik Behle aus dem Vorstand der Landesschüler:innen-Vertretung. Entscheidend sei, dass etwas als rassistisch empfunden werde. Nötig sei mehr Aufklärung im Unterricht und bessere Fortbildungen für die Lehrkräfte.

Siehe „Ein Schreckensbild von Schule“

Auch interessant

Kommentare