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Die evangelische Kirche macht ihren Strom künftig selbst

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Von: Peter Hanack

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Wiesbadener Kirchen des Bistums Limburg wollen sich klimafreundlich aufstellen. (Symbolbild)
Strom auch von Kirchendächern. Damit will die EKHN klimafreundlich werden. © Carmen Jaspersen/dpa

EKHN setzt auf erneuerbare Energie und mehr Mitsprache von Jugendlichen. Diese sollen ein eigenes Kirchenparlament bekommen. Und auch für ein Tempolimit wirbt die Kirche.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) will ihren Strom künftig selbst erzeugen. Und Jugendliche sollen mehr Mitsprache erhalten. Das hat die Synode, das Kirchenparlament der EKHN, am Wochenende bei ihrer Tagung in Offenbach beschlossen.

Aktuell erzeugen etwas mehr als 100 Photovoltaikanlagen auf kirchlichen Dächern Strom. Das genügt nach Angaben der Kirche, um rund ein Drittel des Bedarfs der EKHN zu decken. In Zukunft sollen es 100 Prozent sein. Dazu sollen auch Solarparks auf kirchlichen Flächen errichtet werden.

Einen entsprechenden Beschluss fassten die Mitglieder der Synode zum Abschluss ihrer Tagung. Nun soll die Erzeugung der erneuerbaren Energie ausgebaut werden, unter anderem sollen Energieberater den mehr als 1100 Gemeinden dabei zur Seite stehen. Ziel ist, die gesamte Landeskirche zur Selbstversorgerin mit Ökostrom zu machen. Geld dafür soll unter anderem aus einem 26 Millionen Euro großen „Zukunftsfonds“ kommen.

100 Stundenkilometer auf Autobahnen

Kirchenpräsident Volker Jung sprach sich dafür aus, ein generelles Tempolimit auf Deutschlands Straßen einzuführen und unterstützte damit die entsprechende Forderung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für 120 km/h auf Autobahnen. Er warb zudem für eine freiwillige Selbstverpflichtung, bei kirchlichen Dienstfahrten auf Autobahnen höchstens 100 Kilometer pro Stunde und auf Landstraßen nicht schneller als 80 zu fahren. Jung verteidigte auch die Klimaaktivist:innen der Gruppe „Letzte Generation“. Mit ihrem Engagement wollten die jungen Leute darauf aufmerksam machen, dass viel größere Anstrengungen für den Klimaschutz nötig seien.

Verabschiedet wurde ein umfassendes Zukunftskonzept für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Darin heißt es auf rund 50 Seiten, die Beteiligung Jüngerer in der Kirche müsse gestärkt und das geistliche Leben mehr auf sie ausgerichtet werden. Dazu sollen unter anderem vermehrt digitale Räume für sie geschaffen werden. Generell solle das Thema Nachhaltigkeit eine größere Rolle in der EKHN spielen. Beschlossen wurde, eine Jugendsynode einzurichten, um mehr Mitsprache zu ermöglichen.

Neue Strukturen in den Kirchengemeinden

Fortgesetzt wurde auch die Debatte um die Sparbemühungen angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen und zu erwartender Rückgänge bei den Kirchensteuereinnahmen. Konkrete Beschlüsse dazu sollen im Frühjahr gefasst werden. Neu geordnet wurde der Verkündigungsdienst, wo nun multiprofessionelle Teams in sogenannten Nachbarschaftsräumen gemeinsam Aufgaben übernehmen sollen. Damit wird die Arbeit in den Gemeinden und Regionen grundlegend neu geordnet. Auch das ist Teil des Reformprozesses der EKHN bis zum Jahr 2030.

Siehe Interview: „Wir werden jedes dritte Gebäude verkaufen müssen“

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