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Zu Füßen des Brüder-Grimm-Denkmals auf dem Hanauer Marktplatz hatten die Angehörigen an die Opfer erinnert. Inzwischen ist die Gedenkstätte abgeräumt.
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Zu Füßen des Brüder-Grimm-Denkmals auf dem Hanauer Marktplatz hatten die Angehörigen an die Opfer erinnert. Inzwischen ist die Gedenkstätte abgeräumt.

FR-Diskussion zum Nachschauen

Die Angehörigen der Opfer von Hanau dringen weiter auf Aufklärung

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Die FR-Diskussion zum rassistischen Anschlag von Hanau zeigt, dass die Zeit keine Wunden heilt. Nun liegen die Hoffnungen auf einem Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags.

Wenn der rassistische Anschlag von Hanau am 19. Februar vergangenen Jahres etwas Positives bewirkt hat, wenn daraus auch nur irgendetwas Gutes folgen kann, dann, dass es die Namen der Opfer sind, die nicht vergessen werden. Dass die Opfer wichtig sind, nicht der Täter. Es ist dies das Verdienst einzig und allein der Angehörigen, die die Erinnerung an die furchtbare Tat unablässig im Bewusstsein einer auf Verdrängen und Vergessen angelegten Öffentlichkeit halten.

Say their names

So beginnt auch die Diskussionsrunde, zu der die Frankfurter Rundschau für Dienstagabend eingeladen hat, damit, dass FR-Redakteur Hanning Voigts, der die Veranstaltung gemeinsam mit FR-Landtagskorrespondent Pitt von Bebenburg moderiert, die neun Namen verliest: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nessar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov.

Gut 16 Monate ist es her, dass ein 43 Jahre alter Deutscher in Hanau diese neun Menschen, seine Mutter und schließlich sich selbst erschossen hat. Was ist seitdem geschehen? Wie weit ist die Aufklärung der Tat vorangeschritten? Diese und viele weitere Fragen waren es, die am Dienstag im Frankfurter Haus am Dom zur Diskussion standen. Die Veranstaltung konnte online verfolgt werden und ist weiterhin abrufbar.

„Schlimmer als am Tag nach der Tat“

„Es geht uns heute schlimmer als am Tag nach der Tat“, wischt Armin Kurtovic, dessen Sohn Hamza getötet wurde, jeden Gedanken beiseite, die Zeit könne die Wunden heilen. Man sei, so sein Vorwurf, bei der Aufklärung „überhaupt nicht weitergekommen“. Es werde „gemauert und geblockt“, wenn es um das Versagen hessischer Behörden gehe.

Da ist der Notausgang am zweiten Tatort, der verschlossen war, da sind die Notrufe bei der Polizei, die nicht angenommen wurden, und schließlich die SEK-Beamten, die rechten Chatgruppen angehören, aber in der Tatnacht am Haus des Täters im Einsatz waren. Es hätten Morde verhindert werden können, sein Sohn könnte noch leben – davon ist Armin Kurtovic überzeugt.

Eine Unkultur des Wegschauens

Ein Untersuchungsausschuss des Landtags, der auf Antrag der SPD am Mittwoch eingesetzt werden wird, soll nun Licht in das Dunkelgrau bringen. „Wir haben keinerlei Aktivitäten der Landesregierung erkennen können, von sich aus aufzuklären“, sagt Hessens SPD-Chefin Nancy Faeser. Es gehöre zu den Besonderheiten des Bundeslandes Hessen, dass „nur zugegeben wird, was schon öffentlich ist“. Es gebe eine Kultur des Wegschauens.

Ohne seinen Namen zu nennen, legt Faeser dem hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) den Rücktritt nahe. „Ich hoffe, dass politische Verantwortung übernommen wird. Das wäre ein starkes Signal, statt immer nur zu benennen, was schiefläuft.“

Newroz Duman, Armin Kurtovic, Nancy Faeser, Sigrid Erfurth und die FR-Moderatoren Hanning Voigts und Pitt von Bebenburg (von links) bei der Diskussion im Haus am Dom. Peter Jülich

Grüne wollen Vertrauen in Polizei und Politik zurückgewinnen

Als Teil der Landesregierung stehen auch die Grünen in der Kritik. Deren Landeschefin Sigrid Erfurth, die selbst nicht dem Landtag angehört, beteuert, auch die Grünen seien sehr daran interessiert, dass Fragen beantwortet werden. „Ich kann verstehen, dass es Ihnen zu lange dauert“, sagt sie in Richtung der Angehörigen. Doch es gehe auch darum, durch Gründlichkeit das Vertrauen in Polizei und Politik wieder zu erarbeiten.

Armin Kurtovic genügt das nicht. „Von der CDU haben wir nichts als Blocken und Vertuschen erwartet“, sagt er. „Aber von Tarek Al-Wazir [stellvertretender Ministerpräsident, Grüne; d. Red.] sind wir enttäuscht, sind schockiert. Er ist in der Pflicht und macht nichts.“

„Der Nährboden ist stark gewachsen“

Newroz Duman, die sich in der „Initiative 19. Februar Hanau“ für Aufklärung und Konsequenzen des rassistischen Anschlags engagiert, sieht in dem Untersuchungsausschuss des Landtags ebenfalls ein Mittel, die Geschehnisse zu erhellen. Doch ihr Interesse geht weit über die unmittelbare Aufklärung der Tat hinaus. „Hanau ist nicht vom Himmel gefallen, der Nährboden für rechtsextreme Gewalt ist sehr stark gewachsen“, klagt sie. Auch in der Polizei gebe es ein massives Rassismusproblem, „doch das wird nicht anerkannt“, sagt Duman. Es müsse endlich Konsequenzen in den hessischen Sicherheitsbehörden geben. „Es reicht mit den Skandalen.“

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