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Der Wald von morgen

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Von: Jutta Rippegather

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Der Borkenkäfer hat hier ganze Arbeit geleistete. Michael Schick
Der Borkenkäfer hat hier ganze Arbeit geleistete. Michael Schick © Michael Schick

Hessen Forst setzt auf einen Mix unterschiedlicher Baumarten. Ein Patentrezept gibt es nicht

Die Motorsäge dröhnt durch den Wald. Der Forstarbeiter setzt sie an den dünnen Stamm einer mannshohen Fichte an - im Nu liegt sie auf dem Boden. „Entfichten“ nennen die Beschäftigten von Hessen Forst diesen Akt. Was sich selbst ausgesät hat, wird zum Teil entfernt, damit auch andere Arten eine Chance bekommen, Teil des Waldes von morgen oder übermorgen zu werden. „Wir haben uns an dieser Stelle für Eiche mit Hainbuche entschieden“, sagt Ralf Bördner, Leiter des Forstamts Wiesbaden-Chausseehaus, wo der Landesbetrieb Hessen Forst am Dienstag seinen Nachhaltigkeitsbericht für das Jahr 2021 vorstellt.

Den Forst klimastabil machen

Hessens Försterinnen und Förster müssen den Forst klimastabil machen. Das sei eine große Herausforderung, sagt Umweltstaatsekretär Oliver Conz. Denn: „Der Wald ist der größte Leidtragende des Klimawandels und spielt zugleich eine entscheidende Rolle beim Kampf gegen die Klimakrise.“ Keiner habe sich vorstellen können, in welch rasantem Tempo Trockenheit, Unwetter und Schädlinge der Natur nachhaltig Schaden zufügen können. Mehr als 90 000 Hektar seien in den vergangenen Jahren abgestorben, fast 39 000 Hektar Freiflächen seit 2018 allein im hessischen Staatswald entstanden. „Eine traumatische Erfahrung“ für manche Beschäftigten von Hessen Forst. Aber auch für erholungssuchende Bürgerinnen und Bürger, die ihren Wald plötzlich nicht mehr wiedererkennen.

Naturverjüngung

„Vor vier Jahren sah das hier noch völlig anders aus. Wir hatten einen geschlossenen Bestand, in dem die Fichte dominierte“, sagt Revierleiter Bördner. Ein Teil der Flächen wird wieder aufgeforstet, ein anderer bleibt für die „Naturverjüngung“ reserviert. Buchen, auch Birken, haben sich dort selbst vermehrt. Die Forstleute achten darauf, dass Brombeeren & Co. ihnen nicht zu nahe kommen. Oder eben Fichtennachwuchs sich zu stark ausbreitet und ihnen das Licht zum Wachsen nimmt.

Geschäftsjahr 2021

Hessen Forst pflanzte 4,6 Millionen junge Bäume im Staatswald.

Erntete 2,7 Millionen Kubikmeter Holz, davon 60 Prozent durch „Kalamität“ wie Dürre oder Schädlingsbefall.

Die 1927 Beschäftigten und 146 Auszubildenden betreuen neben dem Staatswald 383 Kommunal- und 316 Gemeinschaftswaldbetriebe.

Das Jahresergebnis lag bei minus 47,8 Millionen Euro. jur

www.hessen-forst.de

Es geht darum, eine neue Waldgeneration zu etablieren, die dem Klimawandel trotzt und weiteren Herausforderungen in der Zukunft, die jetzt noch keiner vorhersehen kann. „Ein Patentrezept gibt es nicht“, sagt Conz. Hessen Forst setze auf die individuelle Expertise seiner Mitarbeitenden vor Ort. Und auf Diversität – das heißt auf eine Mischung unterschiedlicher Baumarten.

Fest steht, dass die Zeit großer Fichtenwälder vorbei ist. Der Nadelbaum, der einst 20 Prozent des Staatswalds besetzte, ist Opfer der Dürre und des Borkenkäfers geworden. Wohingegen jüngere Buchen sich anpassungsfähig zeigen, sagt Conz. Oder die Eiche, die sich den Ruf erworben hat, trockenheitstolerant zu sein, und zudem noch wertvolles Holz liefert. Auch die Lärche habe gute Chancen. Sie brauche weniger Wasser als die Fichte, sagt Betriebsleiter Michael Gerst.

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