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Nach mehr als einem Jahr Corona-Stress sind viele Pflegekräfte in den Kliniken ausgelaugt.
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Nach mehr als einem Jahr Corona-Stress sind viele Pflegekräfte in den Kliniken ausgelaugt.

Hessen

Covid in Hessen: Kaum Entspannung in den Kliniken

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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87 Prozent der Intensivbetten in hessischen Krankenhäusern sind derzeit belegt. Die Dauerbelastung, sagt Verdi, schreckt den Pflegenachwuchs ab.

Während alle von Lockerungen und Biergarten träumen, bleibt die Situation in den hessischen Krankenhäusern weiter angespannt. „Die Auslastung ist weiterhin sehr hoch“, sagt eine Sprecherin des Sozialministeriums auf FR-Anfrage. Rund 355 Menschen bedürften der Intensivbehandlung. Im Vergleich zum Höhepunkt der dritten Welle – mit rund 470 – sei die Zahl zwar merklich gesunken. Allerdings seien es immer noch deutlich mehr als zwischen zweiter und dritter Welle im Februar und viel mehr als im vergangenen Herbst. Die Auslastung der Krankenhäuser ist weiterhin sehr hoch. Sie beträgt bei den Normalpflegebetten 84 Prozent und bei den Intensivbetten 87 Prozent.

Die mehr als ein Jahr anhaltende Dauerbelastung hinterlasse bei der Belegschaft Spuren, sagt Georg Schulze-Ziehaus, Fachbereichsleiter Gesundheit bei Verdi Hessen. Das Personal sei übermüdet und nicht wenige spielten mit dem Gedanken, dem Beruf den Rücken zu kehren. „Besonders erschreckend ist, dass das bei vielen Azubis zu sehen ist.“ Da es keine Freihaltepauschalen gebe, würden die frei werdenden Intensivbetten sofort mit Nicht-Covid-Patient:innen neu belegt: „Es gibt keine Ruhezeiten mehr.“ Und die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigten 18 000 zusätzlichen Pflegekräfte könne Verdi partout nicht finden.

„Die Inzidenzen und Patientenzahlen auf den Normal- und Intensivstationen sind rückläufig“, sagt Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor der Frankfurter Uniklinik und Leiter des Planungsstabs stationär im hessischen Sozialministerium. „Ein positives Zeichen.“ Doch kein Anlass, die Pandemie für beendet zu erklären. „Wir können jetzt etwas durchschnaufen und hoffen, dass die vierte Welle nicht kommt.“

Belegungszahlen

Hessens Krankenhäusern behandeln 542 Patientinnen und Patienten mit gesicherter Covid-19 Infektion auf Normalstation. Hinzu kommen 185 Verdachtsfälle.

Auf Intensivstation liegen 355 Patientinnen und Patienten mit Covid-19. Davon sind 293 beatmet.

Es gibt 244 freie Intensivbetten, von denen entsprechend der Prognose und nach den Vorgaben des Planungsstabs 78 für Covid-Fälle mindestens vorzuhalten sind. (Stand 20. Mai, Quelle: Sozialministerium) jur

Für die Belegschaft sei die Situation nach wie vor eine „extreme Herausforderung“, und das seit mehr als einem Jahr. Aktuell sei von der prognostizierten Abwanderung in der Pflege nichts zu merken. Und womöglich besinne sich der eine oder andere noch, wenn der verschobene Urlaub abgefeiert sei. Richtig sei aber auch, dass an einzelnen Stellen „erheblicher Verschleiß“ zu spüren sei. „Man kann auf Dauer nicht so arbeiten“, räumt Graf ein. Und stellt klar, dass in den nächsten Wochen keiner die Hände in den Schoß legen können wird. In der Pandemie hatte die Uniklinik mehrere Stationen umorganisieren müssen, die „Rückabwicklung“ sei aufwendig. Der Abstimmungsbedarf mit den anderen Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitswesens bleibe groß. Aber der Uniklinikchef wagt erstmals eine Bilanz: „Das System hat sehr gut funktioniert, die Mitarbeiter haben Herausragendes geleistet.“ Nicht alles, aber vieles sei gut gelaufen und alle hätten viel gelernt.

„Die dritte Welle ist gebrochen“, sagt Steffen Gramminger, Geschäftsführender Direktor der hessischen Krankenhausgesellschaft. „Zur Zeit haben wir das Virus gut im Griff.“ Wichtig sei nun, dass die Bevölkerung sich weiterhin an die AHA-Regeln hält: Abstand halten, Hygiene beachten und im Alltag Maske tragen. Frühestens im nächsten Jahr, schätzt er, könnten die Krankenhäuser wieder auf ein „regelhaftes Level kommen“.

Es gelte, weiterhin streng auf den Schutz der Kranken zu achten, denn es seien ja nicht alle geimpft. „Wir dürfen die Zimmer nicht voll belegen.“ Bei der Planung von Eingriffen müssten größere zeitliche Abstände eingeplant werden. „Das Virus ist ja nicht weg“, sagt Gramminger. Von einem Volllastbetrieb sei man noch weit entfernt. „Statt 180 fahren wir 120 auf der Autobahn.“

Für das Pflegepersonal, sagt Gramminger, war die Pandemie eine schwere Zeit. „Wir müssen uns jetzt um sie kümmern.“ Den größten Handlungsbedarf sieht er bei den Rahmenbedingungen: „Die Pflege braucht garantierte Arbeitszeiten.“

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