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Corona-Sommer in Hessen: Expertin trotz neuer Welle vorsichtig optimistisch

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Von: Jutta Rippegather

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Die Corona-Zahlen in Hessen steigen wieder. Wie ist die Lage vor der von Lauterbach prognostizierten „Sommerwelle“?

Wiesbaden – Die Corona-Warnapp zeigt Dauerrot. Im Bekanntenkreis sind immer mehr Leute infiziert. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ruft die „Sommerwelle“ aus und rät zum freiwilligen Tragen von Masken in Räumen. Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) drängt auf eine sorgfältige und zeitnahe Änderung des Infektionsschutzgesetzes. Die Bundesländer könnten nicht bis September warten. Die aktuelle Rechtslage binde ihnen die Hände. Sie hätten null Spielraum, um – wie bei den vorangegangenen Wellen – schnell und gezielt eingreifen zu können. Etwa mit einer Verschärfung der Pflichten, Maske zu tragen oder sich testen zu lassen.

Es gibt auch nach wie vor Menschen, die das Virus negieren: „Immer wieder solche Erstgespräche“, schreibt Cihan Çelik in einem Tweet, er ist Oberarzt auf einer Covid-Normalstation am Klinikum Darmstadt. „Sie haben eine Lungenentzündung durch Covid-19“, sagt der Arzt. „Das glaube ich nicht“, entgegnet der Patient. Çelik: „Auf unserer Station ist das weiterhin keine Glaubensfrage, sondern eine medizinische.“

Steigende Corona-Zahlen in Hessen: Hospitalisierungsinzidenz liegt bei 3,1

Die Corona-Infektionszahlen in Hessen steigen. Die vom Robert-Koch-Institut ausgewiesene Sieben-Tage-Inzidenz lag am Mittwoch (15. Juni) bei 670 pro 100.000 Einwohner, die Hospitalisierungsinzidenz bei 3,1. Eine Woche zuvor betrug der Wert 1,73. Aktuelle Zahlen vom Feiertag lagen nicht vor.

Das Coronavirus bringt immer neue Subtypen hervor.
Das Coronavirus bringt immer neue Subtypen hervor. © Imago

Meist verläuft die Krankheit moderat. Die neue Variante trifft auf Immunsysteme, die sich dank Impfung oder durchgemachter Infektion wehren können. Die Lage auf den Corona-Stationen ist daher aktuell relativ entspannt. „Wir versorgen am Universitätsklinikum Frankfurt derzeit nur wenige Patientinnen und Patienten mit Covid-19“, sagt ein Krankenhaussprecher der Frankfurter Rundschau. Die hessenweite Statistik wies für Mittwoch (15. Juni), 11 Uhr, 76 Betten auf hessischen Intensivstationen aus, die mit Patient:innen mit einer Covid-19-Erkrankung belegt sind. Eine Woche zuvor waren es 70. Bei weiteren 68 wurde eine Sars-CoV-2-Infektion bestätigt, bei acht bestand der Verdacht.

Frankfurt: Aktuelle Corona-Welle nicht „vergleichbar mit früheren Wellen“

Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, ist vorsichtig optimistisch: Die Corona-Variante BA.5 verursache zwar mehr Infektionen als die bisher dominierende Variante BA.2, sagt sie. „Und steigt der Anteil an BA.5, wird wohl auch die Anzahl der Infektionen ansteigen.“ Eine ähnliche Entwicklung sei in Südafrika und Portugal zu beobachten, wo allerdings auch mehr Sterbefälle verzeichnet werden. „Nach derzeitigem Kenntnisstand muss man nicht davon ausgehen, dass die Welle vergleichbar mit früheren Wellen sein wird, als weder ein Corona-Impfstoff noch antivirale Medikamente breit verfügbar waren und kaum Immunität bestand“, sagt Ciesek der FR. Voraussichtlich würden mit BA.5 weniger Menschen schwer krank, so die Erfahrungen in den beiden Ländern. „Das Ausmaß an Infektionen dort war nicht vergleichbar mit vorherigen Wellen.“

Gleichwohl: Ein Ende der Pandemie ist nicht in Sicht. Und garantiert harmlos ist eine Infektion bekanntlich nicht. Selbst ein milder Verlauf kann zu längerfristigen gesundheitlichen Beschwerden führen, zu Long-Covid oder Post-Covid. Das wird gerne vergessen, wenn die Menschen jetzt Stück für Stück in ihr altes Leben zurückkehren. In die Clubs, die Konzerthallen, in Kinos und Sportstätten. Nicht zuletzt dank des Neun-Euro-Tickets sind auch die Busse und Bahnen wieder voll. Immer häufiger sind dort Verstöße gegen die Maskenpflicht zu beobachten. Auch in den Supermärkten wird der Mund-Nasen-Schutz zunehmend weniger genutzt.

Mögliche Corona-Welle im Sommer: Maske tragen hilft weiterhin vor Ansteckung

Dabei sei das Stück Stoff ein sehr einfaches und effektives Mittel, um sich und seine Mitmenschen vor möglichen Ansteckungen zu schützen, wiederholt Hessens Sozialminister Klose gebetsmühlenhaft. Er geht mit gutem Beispiel voran. Ihm blieb denn auch das Schicksal der zwei Dutzend Landtagsabgeordneten erspart, die sich mutmaßlich bei einem Empfang Ende Mai in Wiesbaden infiziert hatten: Ein fraktionsübergreifendes Super-Spreader-Event. Lediglich die FDP blieb verschont. (Jutta Rippegather)

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