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Corona in Hessens Kliniken: Ungeimpfte grämen sich

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Von: Jutta Rippegather

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Die Corona-Stationen verzeichnen wieder mehr Zulauf.
Die Corona-Stationen verzeichnen wieder mehr Zulauf. © dpa

Krankenhausarzt Cihan Çelik berichtet aus dem Alltag auf seiner Station. Dort füllen sich die Betten wieder.

Darmstadt - Der Sommer brachte den Krankenhausbeschäftigten eine kurze Verschnaufpause und Hoffnung. Doch seit rund vier Wochen nimmt die Zahl der Corona-Fälle wieder zu. „Wir müssen deutlich mehr Patienten aufnehmen“, sagt Cihan Çelik, Oberarzt und Leiter einer Covid-Normalstation am Klinikum Darmstadt. Es komme auch wieder zu Verlegungen in andere Häuser.

Die große organisatorische Herausforderung: den regulären Betrieb aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die wachsende Zahl an Covid-Erkrankten zu versorgen, mit der Celik angesichts der niedrigen Impfquote und des nahenden Herbstes rechnet. Auch Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) will verhindern, dass die Krankenhäuser noch einmal planbare Eingriffe verschieben müssen, weil die Covid-Versorgung sämtliche Ressourcen bindet.

Das Klinikum Darmstadt, sagt Çelik, sucht wieder Personal, um die drei Schichten besetzen zu können, auf die es wegen der steigenden Corona-Fälle wieder umstellen musste. Darmstadt ist ein sogenanntes koordinierendes Krankenhaus in einer von insgesamt sechs hesssischen Versorgungsregionen.

Corona in Hessen: Dringlichkeit der Impfung verdeutlichen

Klose hat Çelik am Freitag (24.09.2021) nach Wiesbaden eingeladen, um noch einmal die Dringlichkeit der Impfung zu verdeutlichen. Sie sei auch eine Pflicht gegenüber jenem Teil der Bevölkerung, der sich aus medizinischen oder Altersgründen nicht impfen lassen könne, sagt der Minister. Und gegenüber jenen, die wegen eines anderen Leidens ins Krankenhaus müssen. Überlastung habe zwangsläufig Abstriche an der Qualität zur Folge, räumt Çelik ein.

Die Sorge um eine Überlastung des Gesundheitswesens alleine treibt ihn nicht an, von seinem Alltag zu berichten. Ihm geht es um die Menschen: „Die meisten Patienten grämen sich“, sagt der Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie. „Sie zeigen sehr oft Reue.“ Die Corona-Leugner seien laut, aber eindeutig in der Minderheit. Wenn so jemand mit einem „ganz geschlossenen Weltbild“ mit schwerem Verlauf auf die Station komme und auch noch den Sinn der Behandlung in Zweifel stelle, könne die Stimmung allerdings schon kippen. „Dann kann es mal emotional werden.“

Im Krankenhaus

283 Patientinnen und Patienten mit gesicherter Covid-19 Infektion sind nach Angaben des Sozialministeriums auf Normalstation in den hessischen Krankenhäusern. Hinzu kommen 54 Verdachtsfälle.

Auf Covid-Intensivstationen liegen 147 Patientinnen und Patienten. Davon sind 113 Menschen beatmet.

249 Intensivbetten sind frei, von denen entsprechend der Prognose und nach Vorgaben des Planungsstabs stationär mindestens 47 für Covid-19-Fälle vorgehalten werden müssen. (Stand 23. September). jur

Corona in Hessen: Warum viele noch immer nicht geimpft sind

Abgesehen von den Unbelehrbaren: Was sind die Motive dafür, dass so viele noch immer nicht geimpft sind? Unorganisiertheit, andere Prioritäten, sagt Çelik. Oder fehlender ärztlicher Kontakt, manche seien Analphabeten. Es gebe auch immer noch Fragen und Mythen, die in Gesprächen einfach ausgeräumt werden könnten, ergänzt Klose. Die Erfahrungen mit niedrigschwelligen Angeboten auf Marktplätzen oder in Fußgängerzonen seien positiv. Aktionen, die die Gesundheitsämter fortsetzten. Manchmal, sagt Celik, sei auch Druck eine Motivation, sich impfen zu lassen – etwa Erleichterungen bei der Reise. „Als Mediziner muss man auch mal paternalistisch vorgehen.“

Die Zielgruppe jedenfalls müssten die Jüngeren sein. Das Durchschnittsalter der Covid-Patientinnen und -Patienten in Darmstadt liegt derzeit bei 46 Jahren; vor der Impfkampagne lag es bei über 70 Jahren. Und auch bei den geimpften Älteren auf den Covid-Intensivstationen handelt es sich kaum um sogenannte Impfdurchbrüche, wie der Arzt klarstellt. Sie bedürften wegen anderer Krankheiten einer Intensivbehandlung und seien außerdem infiziert. (Jutta Rippegather)

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