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Corona

Corona in Hessen: Frankfurter Uniklinikchef plädiert für 2G

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Während sich die Krankenhausbetten füllen, arbeitet das Land an einem neuem Konzept. Die Inzidenz wird wohl auch künftig eine wichtige Rolle spielen.

In Darmstadt gibt es sie schon wieder - vereinzelte Engpässe, sodass Kranke in andere Versorgungsregionen in Hessen verlegt werden müssen. Und auch die anderen Krankenhäuser im Land bereiten sich auf den nächsten Ansturm von Corona-Patientinnen und -Patienten vor.

In zwei bis vier Wochen, schätzt Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Uniklinik Frankfurt, wird es wieder eng. Schon jetzt füllten sich die Stationen spürbar. Verantwortlich dafür: vor allem die Reiserückkehrer. Das Gros der Menschen sei relativ jung, fast alle ungeimpft. Diejenigen ohne Vorerkrankungen bleiben in der Regel nicht lange im Krankenhaus, die mit Vorerkrankungen landen auf der Intensivstation. 119 waren es nach Angaben der Deutschen InterdisziplinärernVereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin am gestrigen Mittwoch.

Unterdessen arbeitet die Landesregierung an einem neuen Warnstufenkonzept, das sich nicht allein an den Inzidenzen orientieren soll. Am Dienstag will das Corona-Kabinett vorstellen, wie sich Hessen für die nächsten Wochen aufstellen wird. Die Entscheidung obliege der Politik, betont Graf, Leiter des Planungsstabs stationär im Sozialministerium. Doch er ist sicher: „Die Inzidenz wird weiter eine wichtige Rolle spielen.“ Weitere Parameter wie Hospitalisierungszahlen oder die Impfquoten kämen hinzu. Dahinter steckt eine einfache Logik: Wenn die Krankenhäuser erst voll sind, ist es zu spät, vorausschauend zu reagieren. Und das ist die Aufgabe des Planungsstabs, der die Krankenhäuser in den sechs Versorgungsregionen im Land vernetzt und koordiniert.

Die Möglichkeiten, eine Überlastung der Gesundheitsversorgung zu verhindern, sind geschrumpft. Die Landesregierung hat ausgeschlossen, dass es noch einmal zu einem kompletten Lockdown und flächendeckenden Schulschließungen kommen wird. Dreh- und Angelpunkt ist die schleppende Impfkampagne. Doch selbst wenn jetzt plötzlich alle, die infrage kommen, die zahlreichen Angebote auf Marktplätzen oder vor Supermärkten annähmen, käme dies für den Herbst zu spät. Es dauert Wochen, bis der Schutz anfängt zu greifen. Das hilft nicht, den aktuellen Anstieg der Kurve zu stoppen.

Krankenhausfälle

Jeden Donnerstag erhält das Sozialministerium die aktuellen Zahlen. Demnach bilden die Angaben den Stand vom 2. September in Hessen ab.

In den Krankenhäusern waren zu diesem Zeitpunkt 237 Patientinnen und Patienten mit gesicherter Covid-19-Infektion auf Normalstationen, hinzu kamen 54 Verdachtsfälle.

99 Menschen lagen auf Covid-Intensivstationen. Davon wurden 87 beatmet.

255 freie Intensivbetten wurden gemeldet. Entsprechend der Prognose und nach den Vorgaben des Planungsstabs stationär mussten mindestens 27 dieser Betten für Covid- Patientinnen und -Patienten vorgehalten werden.

Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) lagen am Mittwoch, 8. September, 119 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung auf Intenisvstationen. 49 von ihnen mussten beatmet werden.

Was würde akut die Situation entschärfen? Graf weist auf die Forderungen der Deutschen Hochschulen nach 2G in Unikliniken hin. Studierende erhielten dann nur Zutritt, wenn sie geimpft oder genesen seien. „Ein wichtiger Beitrag auch, um die Gesundheitsämter zu entlasten“, sagt Graf am Mittwoch im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Denn die Behörden kommen zum Teil jetzt schon wieder an ihre Grenzen bei den Kontaktnachverfolgungen. „Kategorisch 2G“, dafür plädiert Graf auch andernorts – etwa bei der Kantinenverkostung. Kombiniert mit einer generellen Maskenpflicht in den Innenräumen.

Die aktuelle hessische Verordnung läuft am Donnerstag nächster Woche aus. Am Montag trifft sich das Corona-Kabinett, um die weitere Strategie für Herbst und Winter festzulegen. Eine Rolle dürfte dabei die vom Bundestag beschlossene Änderung des Infektionsschutzgesetzes sein. Demnach soll die Zahl der Klinikeinweisungen künftig die wichtigste Messlatte sein. Wie aus Regierungskreisen zu hören ist, suchen die Verantwortlichen auch nach Möglichkeiten, 2G gerichtsfest zu machen. Hamburg hat die Regeln als erstes Bundesland eingeführt und hat jetzt eine Klage von Ungeimpften am Hals.

Derzeit gilt in Hessen 3G: Im Sportstudio oder bei Kulturveranstaltungen ist der Negativtest dem Impf- oder Genesenenzertifikat gleichgestellt. Schon jetzt steht es der Gastronomie freilich offen, sich ihre Gäste auszusuchen. Hebel wäre in solchen Fällen das Hausrecht.

Eine weitere Neuerung, die der Bundestag beschlossen hat, ist die Möglichkeit, das Personal in Schulen, Kindertagessstätten oder Krankenhäusern nach ihrem Impfstatus zu fragen. Das Frankfurter Uniklinikum hat gleich am Montag damit angefangen, sagt Graf. Denn: „Das ist eine wichtige Verbesserung für den Mitarbeiterschutz.“

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