1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Corona-Regeln in Hessen: Clubs und Diskotheken dürfen wieder öffnen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Hessen setzt auf 3-G-Regeln und hält an der Corona-Inzidenz als Orientierungswert fest. Einen weiteren Lockdown soll es nicht geben.

Wiesbaden ‒ Gute Nachrichten für kälteempfindliche Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer: Von Donnerstag (19.08.2021) an dürfen die Clubs und Diskotheken in Hessen ihre Innenbereiche wieder öffnen. Die Regeln für Nicht-Geimpfte sind dort allerdings besonders streng: Sie müssen einen PCR-Test vorweisen, ein einfacher Schnelltest reicht nicht aus. Es gilt Maskenpflicht und pro Person müssen fünf Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Die lange geforderte Öffnung der Tanzlokale unter strikten Auflagen steht in der neuen Verordnung, die das hessische Corona-Kabinett am Dienstag (17.08.2021) beschlossen hat. Der stellvertretende Ministerpräsident Tarek Al-Wazir (Grüne) stellte die Neuerungen mit Kultusminister Alexander Lorz (CDU) vor. „Das Eskalationskonzept sieht keinen Lockdown mehr vor“, betonte Al-Wazir. „Das Leben für Geimpfte und Genesene wird deutlich einfacher, weil von ihnen kaum ein Risiko ausgeht.“ Angesichts kontinuierlich steigender Covid-19-Infektionszahlen blieben die Abstands- und Hygieneregeln aber weiter wichtig.

In Hessen darf trotz Corona-Pandemie wieder drinnen gefeiert werden. (Symbolbild)
In Hessen darf trotz Corona-Pandemie wieder drinnen gefeiert werden. (Symbolbild) © Felix Kästle/dpa

Corona-Regeln in Hessen: Testpflicht für Schüler:innen verschärft

Lorz schloss zum aktuellen Zeitpunkt aus, dass es noch einmal Abstriche am „voll umfänglichen“ Präsenzunterricht in Schulen geben werde. Zumal die Ständige Impfkommission (Stiko) am Montag ihre Impfempfehlung auf die Altersgruppe ab zwölf Jahre erweitert hat. Wenn auch diese immunisiert sei, sinke das Risiko für die Jüngsten, für die noch kein Vakzin zugelassen ist.

Wer nicht geimpft ist, muss in den ersten beiden Wochen nach den Ferien drei statt der obligatorischen zwei Tests pro Woche machen. Neu ist ein „Testheft“, in dem die Lehrkräfte die Ergebnisse vermerken: ein Ticket fürs Kino, Restaurant, Theater oder Veranstaltungen, bei denen die 3-G-Regeln gelten (geimpft, genesen, getestet).

Für Sportgroßveranstaltungen mit mehr als 5000 Leuten gilt ebenfalls von Donnerstag (19.08.2021) an, was die Ministerpäsidentenkonferenz in der vorigen Woche beschlossen hat: Die zulässige Auslastung darf maximal 50 Prozent, jedoch nie mehr als 25.000 Personen betragen. Unabhängig müssen die Gesundheitsämter wie bisher solche Großveranstaltungen genehmigen.

Corona in Hessen: „Inzidenz bleibt der Indikator“

„Die Inzidenz ist und bleibt der Indikator“, betonte Al-Wazir. Dessen Parteifreundinnen und -freunde in Baden-Württemberg hatten sich am Montag (16.08.2021) entschieden, dass für sämtliche Einrichtungen des öffentlichen Lebens der 3-G-Nachweis notwendig ist. Hessen bleibe bei dem bewährten Weg, den Kreisen und kreisfreien Städte zu ermöglichen, auf steigende Inzidenzen individuell zu reagieren, sagte Al-Wazir. Bei einem klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen ergriffen sie gezielte „Hotspotmaßnahmen“. Bei diffusem Geschehen seien „weitergehende Beschränkungen entsprechend dem Präventions- und Eskalationskonzept“ zu ergreifen, heißt es im Corona-Beschluss. Das Konzept sieht drei Stufen vor.

Ab einer Inzidenz von 35 gelten die 3-G-Regel nicht mehr alleine in Innengastronomie und bei größeren Zusammenkünften. Neu hinzu kommen „Innenräumen aller Kultur- und Freizeiteinrichtungen und Sportstätten sowie körpernahe Dienstleistungen“, etwa der Friseur, und der Besuch von Einrichtungen der Behindertenhilfe. Hotelgäste müssen dann nicht nur bei der Anreise, sondern zweimal wöchentlich einen Negativnachweis vorlegen.

Die Corona-Inzidenz entscheidet in Hessen – Geimpfte und Genesene ausgenommen

Ab einer Inzidenz von 50 gilt für Veranstaltungen ab 25 Personen: draußen genehmigungsfrei mit bis zu 500 Leuten (bisher 200) und in Innenräumen mit bis zu 250 Personen (bisher 100). Geimpfte und Genesene zählen nicht mit. In „Gedrängesituationen“ ist auch draußen eine medizinische Maske zu tragen.

Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 greifen die 3-G-Regel auch in Freizeit- und Kultureinrichtungen, beim Amateursport sowie zusätzlich neben der Innen- auch in der Außengastronomie. Der Einzelhandel unterliegt dann wieder Quadratmetervorgaben. Die Maskenpflicht wird ausgeweitet auf den Sitzplatz in der Schule, FFP2-Standard ist Pflicht für Personal in Alten- und Pflegeheimen, bei körpernahen Dienstleistungen sowie im öffentlichen Nahverkehr.

Die Genehmigungspflicht greift – je nach Veranstaltung – bereits bei mehr als 200 beziehungsweise 100 Teilnehmer:innen, Geimpfte und Genesene zählen nicht mit. Es ist eine generelle Empfehlung zum Homeoffice auszusprechen. Es gilt die Zehn-Personen-Kontaktbeschränkung für alle, die weder geimpft noch genesen sind.

Corona-Beschlüsse: Opposition im hessischen Landtag kritisiert Festhalten an Inzidenz

Die FDP warf der Landesregierung Mutlosigkeit vor. Trotz der entspannten Situation in den Krankenhäusern traue sie sich nicht, mehrere Indikatoren einzubeziehen – etwa die Hospitalisierungsrate, sagte der Abgeordnete Yanki Pürsün. Das dringend notwendige Konzept gegen die vierte Welle fehle weiterhin, mahnte Christiane Böhm von der Linken.

Dass Hessen weiter an der Inzidenz als Richtwert festhalte, stehe im klaren Widerspruch zum von den Ländern für den 11. Oktober beschlossenen Ende der kostenfreien Tests. „Bei sinkenden Testzahlen verlieren auch die Inzidenzen an Aussagekraft.“ SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Sommer forderte, außer Inzidenzen, die Zahl der schweren Erkrankungen und der Intensivpatient:innen zu berücksichtigen. „Gemessen wird die Landesregierung zukünftig an ihrem Versprechen, dass es keinen allgemeinen Lockdown mehr geben wird.“ (Jutta Rippegather)

Auch interessant

Kommentare