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Corona in Hessen: Aus für PCR-Testcenter

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Von: Jutta Rippegather

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Die Arztpraxen übernehmen das Angebot. Unterdes kritisiert Ministerpräsident Bouffier die vom Bund geplante Änderung beim Infektionssschutz.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen schließt zum 25. März ihr PCR-Testcenter an der Frankfurter Messe - und auch alle 14 weiteren in Hessen. Allgemeine Auskünfte zu Corona sind unter der Rufnummer 116 117 auch nicht mehr erhältlich. „Das muss von den Landkreisen übernommen werden“, teilte der KV-Vorstand am Donnerstag mit.

Noch größere Veränderungen stehen bei den Schutzregeln an. Nach den Beratungen mit den Länderkolleg:innen geht Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) davon aus, dass die für diesen Freitag geplanten Änderungen des Infektionsschutzgesetzes in Berlin so beschlossen werden. Den Ländern werde der bewährte Instrumentenkasten aus der Hand genommen. Nach dem 2. April sei rechtlich einzig sogenannter Basisschutz möglich – etwa Maskenpflicht in Kliniken, Pflegeheimen oder Arztpraxen. Schon zum 20. März entfalle die gesetzliche Grundlage für Kontaktverbote für Ungeimpfte oder für die Teilnehmerbegrenzungen bei Veranstaltungen wie Fußballspielen. Parteiübergreifend hätten alle Länder dies kritisiert. Sie verlören jeglichen Einfluss. „Der Bund vollzieht einen Paradigmenwechsel, aber die Pandemie ist noch nicht vorbei“, sagte Bouffier. Nach den Abstimmungen in Berlin wird das hessische Kabinett zusammenkommen, um das neue Infektionsschutzgesetz umzusetzen.

Auf besagten Paradigmenwechsel deutet auch die Tatsache hin, dass der Bund sich nach dem 31. März aus der Finanzierung der PCR-Testcenter zurückzieht. Trotz intensiver Bemühungen gebe es kein Signal aus Berlin, sie zu verlängern, so die KV.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) habe in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ebenfalls appelliert, den Fortbestand von Angeboten wie die der KV zu sichern, teilt das Ministerium in Wiesbaden der Frankfurter Rundschau auf Anfrage mit. Ohne Erfolg: „Der Anspruch auf einen PCR-Test nach positivem Antigen-Schnelltest bleibt davon unberührt“, betont die Pressestelle. „Das PCR-Testgeschehen wird sich nun vermehrt in die Arztpraxen verlagern.“ Auch Gesundheitsämter bieten PCR-Tests an.

Doch die Kapazitäten sind begrenzt. Zum Höhepunkt der Pandemie am Anfang vergangenen Jahres hatte die KV deshalb die Testcenter aus dem Boden gestampft. Mit Start der kostenlosen Bürgertests verloren sie an Bedeutung. Die von medizinischem Fachpersonal durchgeführten PCR-Tests gelten allerdings als zuverlässiger. Zur Anwendung kommen sie etwa bei Covid-Symptomen, bei roter Warn-App oder wenn der Arzt oder die Ärztin dazu raten.

„In den ersten Wochen bildeten sich lange Autoschlangen vor der Messe“, erinnert sich KV-Sprecher Karl Roth an die Anfänge der Center. Später wurden die Öffnungszeiten immer wieder der aktuellen Situation angepasst. Im Moment besteht die Möglichkeit, sich vormittags von 10 bis 13 Uhr an einem der 15 hessischen Standorte einem PCR-Test zu unterziehen: 18 Menschen nutzten dies am Donnerstag an der Frankfurter Messe, hessenweit waren es 596, sagt Roth. Die Zahl der Anrufe unter der 116 117 in Zusammenhang mit der Pandemie sind zwar ebenfalls zurückgegangen. Doch von den 21 000 Anfragen betrafen immerhin 11 Prozent das Coronavirus.

Der KV-Vorstand wundert sich, dass angesichts der aktuellen Diskussion Berlin keinen Bedarf mehr sieht. „Auf der anderen Seite wird aber jetzt eine neue (Sommer-)Welle heraufbeschworen, die mal wieder viel schlimmer ist alles zuvor, und natürlich wird vor neuen und bedrohlichen Virusvarianten gewarnt“, konstatieren die Vorsitzenden Frank Dastych und Eckhard Starke. Der KV bleibe nun nichts anderes übrig, als die Testcenter wegen des notwendigen Rückbaus zum 25. März zu schließen.

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