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Vom Strandurlaub im italienischen Alassio träumen viele. Impfen bringt sie näher zum Ziel.
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Vom Strandurlaub im italienischen Alassio träumen viele. Impfen bringt sie näher zum Ziel.

Hessen

Corona-Impfung: Astrazeneca soll Urlaub retten

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Hessens Kassenärzte verkürzen die Abstände zwischen den beiden Impfungen. Die Impfzentren bleiben bei den 12 Wochen.

Eine Sonderimpfaktion zur Rettung der Sommerferien startet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen. In der Woche nach Pfingsten geht es los. Es gibt ausschließlich Astrazeneca. Der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung beträgt vier Wochen. Zwei Wochen später kommt mit der Post der QR-Code für den digitalen Impfpass. „Nach über 14 Monaten Pandemie in Deutschland brauchen die Menschen eine Urlaubsperspektive.“ Mit diesen Worten begründen am Dienstag die Vorstandsvorsitzenden der KV, Frank Dastych und Eckhard Starke, das Vorhaben. „Um die geben zu können, braucht es für Reisen innerhalb Europas lediglich eine Impfung – und die Sicherheit, gut gegen eine Infektion mit dem Coronavirus geschützt zu sein, gibt’s inklusive.“ Jetzt, wo es für Astrazeneca keine Priorisierung mehr gebe, wolle die KV möglichst viele Hessinnen und Hessen geimpft in den Urlaub schicken.

Der Absatz von Astrazeneca ist ein zähes Geschäft. Der Beratungsbedarf sei groß, berichten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie ihre Kolleg:innen in den Impfzentren unisono. Berichte über Nebenwirkungen haben zu einem enormen Imageschaden geführt.

Als weiterer Nachteil wird der von der Ständigen Impfkommission (Stiko) vorgegebene große Abstand zwischen den beiden Spritzen empfunden. Mit zwölf Wochen ist er doppelt so lang wie der bei den Vakzinen von Biontech oder Moderna. „Um die Effektivität der Impfstoffe zu gewährleisten und gleichzeitig so viele Menschen wie möglich mit einer ersten Impfdosis zu versorgen, liegen nach der aktuellen Impfverordnung zwischen Erst- und Zweitimpfung bei Astrazeneca zwölf Wochen“, heißt es auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums von Jens Spahn (CDU). Ungeachtet dessen hatte der Minister in der vergangenen Woche angeregt, das Intervall zwischen den beiden Injektionen auf vier Wochen zu verkürzen.

Eine pragmatische Entscheidung, die von der Zulassung gedeckt sei, sagt KV-Sprecher Roth. Bekanntlich liege Astrazeneca „schwer im Regal“. Ein weiteres Argument. „Besser geimpft als ungeimpft.“ Die Verkürzung werde den Ärztinnen und Ärzten in den Praxen die Arbeit erleichtern. Auf einem anderen Blatt stünden die Folgen für die Wirksamkeit des Vakzins. „Das ist tatsächlich ein Thema.“

Denn je kürzer der Abstand, desto geringer der Schutz. Und zwar der der Geimpften, aber auch der ihrer Mitmenschen. Darauf hatte dieser Tage unter anderem Carsten Watzl hingewiesen, der Leiter des Forschungsbereichs Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund.

Studien hätten klar gezeigt, dass die Effektivität bei einem Abstand von weniger als sechs Wochen nur 55 Prozent betrage und erst bei einem Abstand von zwölf Wochen bei über 80 Prozent liege. „Das ist schon ein gewaltiger Unterschied“, warnte der Wissenschaftler in einem Fachmagazin. Das müsse man den Menschen klar sagen, wenn sie ihren Impfabstand bei Astrazeneca verringern wollten.

„Für die Impfstrategie halte ich die Verkürzung für den falschen Schritt.“ Noch müssten viele Personen mit Vorerkrankungen durch eine Impfung geschützt werden, um die Folgen der dritten Welle abzumildern. „Im Sommer haben wir genügend Zeit, uns um die Zweitimpfungen zu kümmern.“

Eine Strategie, die auch das für die Impfkampagne zuständige hessische Innenministerium verfolgt. Laut Ministeriumssprecher Michael Schaich wird das Land sich weiterhin an die Empfehlung der Stiko halten und in den Impfzentren das Zwölfwochenintervall zwischen Erst- und Zweitimpfung mit Astrazeneca beibehalten. „Auf diese Weise kann die bestmögliche Wirksamkeit des Vakzins erreicht und den Bürgerinnen und Bürgern, die mit diesem Impfstoff geimpft worden sind, ein größtmöglicher Schutz vor einem schweren oder gar tödlichen Krankheitsverlauf geboten werden.“

Eine kurzfristige generelle Umbuchung von Zweitimpfterminen sei zudem weder aus organisatorischen noch aus logistischen Gründen umsetzbar: „Hessen verfügt weder über die entsprechenden Impfstoffkapazitäten in den Landeszentrallagern, noch sind Lieferungen des Bundes in einer Größenordnung avisiert, die eine Umbuchung von mehr als 300 000 Zweitimpfterminen möglich macht.“

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