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Hessen: Ende der Corona-Isolationspflicht

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Von: Jutta Rippegather

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Die Ärzteschaft unterstützt die geplanten Änderungen der Corona-Regeln. Eine schwere Grippewelle ist im Anmarsch.

Wiesbaden – Schluss mit der pauschalen Quarantäne im Fall einer Corona-Infektion: Hessen und drei andere Bundesländer läuten eine neue Phase im Umgang mit der Pandemie ein. Impfungen oder durchgemachte Infektionen böten derzeit genug Schutz. „Solange das derzeit herrschende Omikron-Virus nicht von einer pathogeneren Variante verdrängt wird, die unser Gesundheitssystem überlasten könnte, ist der Schritt verantwortbar und geboten“, teilte der Hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Freitag in Wiesbaden mit. „An die Stelle der Isolationspflicht treten dann verpflichtende Schutzmaßnahmen für Infizierte, um besonders vulnerable Personen, zum Beispiel in Krankenhäusern oder Alten- und Pflegeheimen, zu schützen.“

Ärztevertreter:innen begrüßten das geplante Ende der Absonderungspflicht: „Unsere Daten zeigen, dass das Risiko einer Übertragung sehr gering ist, wenn ein wechselseitiger Schutz durch chirurgischen Mund-Nasen-Schutz besteht“, sagte Jürgen Graf, Chef der Frankfurter Uniklinik und Leiter des hessischen Planungsstabs stationäre Versorgung. Die Eigenverantwortung werde gestärkt, urteilte Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer. „Wer krank ist, bleibt wie bei anderen infektiösen Erkrankungen zu Hause, wer sich wohlfühlt und symptomfrei ist, kann arbeiten.“

Ende der Corona-Isolationspflicht: Maske bietet Schutz

Nach Ansicht von Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein befindet sich Deutschland am Übergang zu einer Endemie. Freiheitseinschränkungen seien nicht mehr verhältnismäßig. Die vier Gesundheitsminister:innen haben sich auf gemeinsame Empfehlungen verständigt, auf deren Basis zeitnah neue Regelungen in ihren Bundesländern in Kraft treten sollen. Die Details werden derzeit ausgearbeitet, teilte das Hessische Sozialministerium mit.

Bei längeren Öffnungszeiten steigt der Umsatz in der Regel nicht.
Mit Maske dürfen Infizierte ohne Symptome demnächst einkaufen. © Marijan Murat/dpa

Die Entscheidung fiel demnach auf Basis der Erfahrungen aus Nachbarländern wie Österreich, wo es seit Sommer „absonderungsersetzende Schutzmaßnahmen“ gibt. Negative Erkenntnisse seien nicht bekannt. Die Infektionszahlen seien rückläufig, Schutzimpfungen wirksam, es bestehe eine Basisimmunität von mehr als 90 Prozent innerhalb der Bevölkerung, die Krankheitsverläufe seien in der Regel milde, und es gebe wirksame antivirale Medikamente. „Das rechtfertigt aus Sicht der Länder, diesen Schritt zeitnah zu gehen.“

Die Ärztevertreter:innen vergleichen die derzeitige Pathogenität des Virus mit dem einer saisonalen Infektionserkrankung, etwa Influenza. In den zweieinhalb Jahren hätten die Krankenhäuser viel im Umgang mit dem Sars-CoV-2-Virus gelernt, betonte Uniklinikchef Graf. Masken böten guten Schutz, die Immunität der Klinikbeschäftigten liege bei mehr als 95 Prozent. „Der angedachte Wegfall der Isolationspflicht für positiv getestete Personen wird durch die koordinierenden Kliniken in Hessen in Anbetracht der aktuellen Lage als sinnvoll angesehen.“

Hohe Influenza-Infektionszahlen

Wie Graf weiter ausführt, ist das Ende der Isolationspflicht auch geboten, weil eine Influenza im Anmarsch ist, die in den südlichen Hemisphären sehr viel schwerer ausgefallen ist als die Grippe der vergangenen zweieinhalb Jahre. „Wir rechnen mit hohen Influenza-Infektionszahlen. Das wird sich auch auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirken und zu zusätzlichen Fehlzeiten führen.“ Kombiniert mit Sars-CoV-2-bedingten Personalausfällen könnte dies zur Überlastung der Krankenhäuser führen. Ärztekammerpräsident Pinkowski appellierte an die Bevölkerung, den Grippeschutz nicht zu vernachlässigen.

Petra Heimer von der Linksfraktion kritisierte die Pläne der vier Bundesländer: „Welcher Beschäftigte wird sich jetzt noch gegen seinen Arbeitgeber durchsetzen können und zum eigenen Schutz und dem der Kolleginnen und Kollegen zu Hause bleiben können?“, fragte sie. Und wer künftig die neuen Maskenvorschriften kontrollieren solle. Dem gesundheitspolitischen Sprecher der FDP, Yanki Pürsün, hingegen gehen die Änderungen nicht weit genug. Jetzt müsse auch die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen fallen und die Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen. (Jutta Rippegather)

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