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An der Frankfurter Helmholtzschule haben Schüler:innen schon einmal das Selbsttesten geübt.
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An der Frankfurter Helmholtzschule haben Schüler:innen schon einmal das Selbsttesten geübt.

Corona-Pandemie

Corona: Lorz hält nun doch Testpflicht an Schulen für möglich

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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  • Timur Tinç
    Timur Tinç
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Hessens Kultusministerium will nächste Woche entscheiden. Für Kitas gibt es keine regelmäßigen Tests. Eine Psychologin bangt um das Wohl der Kinder

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) rückt von seinem klaren Nein zu Corona-Pflichttests ab. Ausgeschlossen sei dieser Weg nicht, sagte sein Sprecher Philipp Bender am Freitag der Frankfurter Rundschau. „Sie wäre das letzte Mittel der Wahl.“ Eine Entscheidung soll Anfang der nächsten Woche fallen. Die Schule beginnt wieder am 19. April.

FR-Leser Frank Schwab fragt sich, was da noch zu überlegen sei. Die Zeit der „Nettigkeiten“ sei vorbei. „Ist immer noch nicht angekommen, wie groß unsere Not ist?“ Nach einem Jahr Pandemie, sagt der zweifache Vater, sollten sämtliche zur Verfügung stehenden Instrumente genutzt werden, um die Weiterverbreitung von Covid-19 zu verhindern. Dazu gehörten die Schnelltests, die nach den Osterferien flächendeckend an allen Schulen in Hessen verfügbar sein sollen.

Auf freiwilliger Basis, wie er jetzt aus einem Brief der Elternbeiräte erfuhr. „Ich verstehe nicht, warum“, sagt der Vater 14-jähriger Zwillinge, die seit Dezember ihre Schule im südhessischen Seeheim nicht mehr von innen gesehen haben. „In Österreich dürfen nur Kinder und Lehrer in die Schule kommen, die einen negativen Test vorweisen können.“ Seit mehr als einem Jahr würden Grundrechte massiv eingeschränkt. „Aber etwas Sinnvolles, Nützliches und Hilfreiches wie ein Test ist freiwillig.“

Die Frage nach Pflichttests hatte die FR bereits vor zwei Wochen in Zusammenhang mit den Abiturprüfungen gestellt. Damals argumentierte das Kultusministerium mit der fehlenden gesetzlichen Grundlage. Am Freitag formuliert es Sprecher Bender vorsichtiger: „Nur mit größten juristischen Bauchschmerzen“ würde Kultusminister Alexander Lorz (CDU) eine Pflicht einführen. Das letzte Wort sei noch nicht gefallen. „Da ist noch Bewegung drin.“ Mit einer Entscheidung sei bis spätestens Mittwoch nächster Woche zu rechnen. Am Montag darauf beginnt die Schule wieder – nach derzeitigen Stand für die Zwillinge von Frank Schwab mit Wechselunterricht.

In den zwei Wochen vor Ferienbeginn hatten 21 Schulen im Land die Selbsttests ausprobiert. Laut Ministeriumssprecher Bender liegen nun die Rückmeldungen vor und werden ausgewertet. Es habe durchaus Eltern gegeben, die ihre Einverständniserklärung verweigert hätten. In welcher Größenordnung, kann er nicht sagen. Für Bender wäre eine Pflicht eine zweischneidige Sache: „Sie würde bestimmte Kinder ausschließen.“ Ein genereller Zwang zu Tests sei in Deutschland ohnehin nicht möglich: „Das geht nur in Kombination mit einem Betretungsverbot“, so verfahre etwa Sachsen. Sprich: das negative Testergebnis als Eintrittskarte in die Schule.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Christoph Degen, hat sich am Freitag dafür ausgesprochen. Er forderte Kultusminister Lorz auf, für Sicherheit an den Schulen zu sorgen. Parallel zu Präsenzunterricht sowie Abiturprüfungen müsse es an allen Schulen zweimal in der Woche Tests geben. „Das funktioniert allerdings nur, wenn alle mitmachen. Deshalb fordern wir eine Testpflicht an den Schulen.“ Nach Ansicht Degens sollten diese außerhalb des Unterrichts stattfinden, etwa in Zelten oder in Turnhallen. Im Idealfall in örtlichen Testzentren, damit bei positivem Ergebnis erst gar nicht in den Schulbus eingestiegen werde. Die Landesregierung hingegen hat dieser Tage mit dem Deutschen Roten Kreuz ein „Patenschaftsmodell“ vereinbart. Vom 19. April bis zunächst 30. April sollen die DRK-Helfer die Einführung der Antigenselbsttest an den 1830 Schulen in Hessen begleiten und für mögliche Fragen zur Verfügung stehen.

Die einfachen Nasenabstrichtests sollen Schülerinnen und Schüler beziehungsweise die Lehrkräfte zweimal pro Woche eigenhändig erledigen. Die Utensilien stellt die Landesregierung zur Verfügung. Die Lehrkräfte erhalten zusätzlich eine Onlineschulung.

Regelmäßige Tests in Kindertagesstätten würde sich der Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) wünschen. Die Stadt hat ab Montag ein Betretungsverbot für Kitas verhängt, weil die Inzidenz über 200 liegt und sich auch Kinder vermehrt anstecken. „Wir werben bei Sozialminister Kai Klose und bei anderen Städten dafür, dass Hessen seine Strategie ändert“, sagt Schwenke. Er schlägt vor, dass bei hohen Inzidenzen Kinder nur mit negativem Schnelltest reinkommen. Das Sozialministerium verweist auf den Beschluss des Bundes und der Länder – der sieht keine Testung von Kindern in Kitas vor.

Die Offenbacher Psychologin Vera Heselhaus sorgt sich derweil um die Folgen der Pandemie für Kinder. Sie fürchtet dass Mädchen und Jungen durch die Einschränkungen mit fehlenden Kontakten nach und nach ihre Sozialkompetenz verlieren.

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